Flüchtlinge Hilfe für traumatisierte Flüchtlingskinder

Ulm / ULRIKE SCHLEICHER 13.12.2016

Sie werden oft vergessen. Weil sie ihre Gefühle nicht ausdrücken können und selbst nicht wissen, was mit ihnen los ist. Aber man merkt es ihnen an. Eltern berichten von Angstattacken, völliger Überdrehtheit und Rückzug in Sprachlosigkeit. Das sind die Erfahrungen, die Psycho- und Kunsttherapeuten der Caritas Ulm und des Behandlungszentrums für Folteropfer Ulm (BFU) im Kontakt mit den Kindern von Geflüchteten machen. Seit rund einem Jahr gibt es deshalb das Projekt „Therapie für traumatisierte Flüchtlingskinder“ in der städtischen Gemeinschaftsunterkunft am Mähringer Weg. Jetzt haben die Verantwortlichen eine Zwischenbilanz gezogen.

„Wir haben mit unserer Beratung zunächst immer nur eine Gruppe erreicht“, sagt Andreas Mattenschlager, Leiter der psychologischen Familienberatungsstelle der Caritas, im Rückblick. Und zwar die der unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlinge. Sie seien nach ihrer Ankunft in Deutschland, respektive in Ulm, relativ schnell und gut versorgt worden. Sowohl bezüglich der Unterkunft wie auch der psychologischen Betreuung.

Wer nicht kam, waren Kinder. Der Grund: „Sie und ihre Nöte werden gar nicht wahr genommen“, sagt Mattenschlager. Um ihnen zu helfen, sei ein Angebot vor Ort nötig. Niederschwellig, wie es heißt, sollte es sein und vor allem kreativ – „denn über Malen und plastische Gestalten können sich Kinder am ehesten ausdrücken. Auch, weil dann die Sprache keine Rolle spielt, es also egal ist, ob sie Deutsch sprechen oder nicht.“

Im Mähringer Weg fanden sich geeignete Möglichkeiten. Seit Mai können Kinder montags für rund drei Stunden in einem großen Raum mit Malwänden Bilder malen sowie mit Ton und Gips arbeiten. Und es ergab sich eine Arbeitsteilung, die Fachkräften und Betroffenen zugute kommt. Denn Leiterin der Kreativtherapie ist seit September die Kunsttherapeutin Regine Schempp, die vom BFU bezahlt wird.

Ihre Eindrücke – sowohl vom Verhalten der Kinder wie deren Bilder – bespricht sie mit Nahler, die dann wiederum zusammen mit der Syrerin Jomana Mamari zu den Eltern der Kinder geht und Unterstützung anbietet. „Sie sind froh, weil sie oft nicht wissen, wie sie ihren Kindern helfen können. Oder aufgrund ihrer eigenen Schwierigkeiten gar nicht darauf geachtet haben“, sagt Stefanie Nahler. Des gleichen erfüllten sie eine vermittelnde Funktion zu den Sozialarbeitern. „Manchmal gibt es Missverständnisse die wir ausräumen können.“ So baue sich Vertrauen auf.

Das wiederum ist Voraussetzung für den nächsten Schritt: „Dass die Menschen die Beratungsstelle aufsuchen, wenn sie in ihren eigenen Wohnungen leben,   sagt Mattenschlager.  Denn über kurz oder lang werde die Gemeinschaftsunterkunft  wahrscheinlich leer sein. Ob es Möglichkeiten für die Maltherapie in den Anschlussunterbringungen gebe, sei nicht klar. Zunächst einmal jedoch sei er froh, dass es in Ulm Hilfe für Kinder gebe. „Obwohl Experten sagen, wie wichtig die psychische Betreuung ist, wird sie leider nur selten umgesetzt.“

Die beteiligten Projektpartner

Kooperation Für das Projekt von Caritas und BFU stehen insgesamt zwei Personalstellen zur Verfügung. Diese teilen sich fünf Teilzeitkräfte. Geld dafür kommt von der Diözese Rottenburg-Stuttgart, vom Bundesfamilienministerium sowie durch Spenden. Darunter die Ulmer Kinderstiftung Gänseblümchen, die ihre Unterstützung gestern verlängerte, wie Vorsitzende Petra Nething sagte.

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