Ulm Die Sedelhöfe wackeln

Blickpunkt Sedelhof: Der Abriss geht voran, die Frage aber ist, ob das Projekt ins Stocken gerät.
Blickpunkt Sedelhof: Der Abriss geht voran, die Frage aber ist, ob das Projekt ins Stocken gerät. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Ulm / HANS-ULI THIERER 23.05.2013
Die Rabo Real Estate Group, zu der der Investor der Sedelhöfe gehört, zieht sich aus der Projektentwicklung zurück. Was das fürs Ulmer Vorhaben bedeutet, ist offen. Die Stadtspitze glaubt: Es wird gebaut.

Paukenschlag-Nachricht aus dem niederländischen Städtchen Hoevelaken: Dort sitzt die von der Rabo-Bank – der niederländischen Volksbank – getragene Rabo Real Estate Group. Sie hat in Francoise Dechesne eine neue Chefin, die den Rückzug aus dem Projektentwicklungsgeschäft angekündigt hat. In einer Pressemitteilung heißt es, die Rabo-Real-Estate-Tochter MAB Development Deutschland, Investor des Einkaufs- und Wohnzentrums Sedelhöfe in Ulm, solle sukzessive abgewickelt, letztendlich also aufgelöst werden. Neue Projekte würden nicht mehr begonnen, laufende aber zu Ende geführt.

Weder von der Rabo Real Estate noch von Michael Flesch, Deutschland-Chef der MAB, waren dazu gestern Einzelheiten zu erfahren. Unbeantwortet blieb daher unter anderem die Frage, was passiert, wenn MAB die Sedelhöfe zwar noch baut, aber danach nicht mehr als Betreiber der geplanten 18 000 Quadratmeter Verkaufsflächen auftritt.

Unterdessen gab man sich im Ulmer Rathaus demonstrativ zuversichtlich. In einer Pressekonferenz betonten OB Ivo Gönner und die Dezernenten Gunter Czisch (Finanzen) und Alexander Wetzig (Bau), sie gingen davon aus, dass die Sedelhöfe wie geplant realisiert werden. Für Gönner ist es, erstens, gar keine Frage, „dass es sich um ein laufendes Projekt handelt“. Dies um so mehr, als, zweitens, Verträge unterschrieben und die Wirtschaftlichkeit gegeben seien. Es sei ein normaler Vorgang, dass ein Unternehmen, zumal unter neuer Führung, alle Projekte überprüfe. Fragen, was passieren würde, stiege MAB vor Übereignung der bislang noch stadteigenen Grundstücke aus (siehe Info-Kasten), erstickte Gönner im Keim: „Wir machen keine Eingeweideschau.“ Statt Spekulationen zu befeuern werde die Stadt wie bisher im gesamten Verfahren ihren vertraglichen Pflichten nachkommen.

Die bestehen, berichteten Wetzig, Czisch und Stadtplaner Helmut Kalupa, derzeit darin, den Abriss der Gebäude auf dem Baugrund und das Planungsverfahren voranzubringen. Positive Nachricht: Das Regierungspräsidium Tübingen habe als Aufsichtsbehörde signalisiert, dass die raumordnerische Überprüfung positiv abgeschlossen sei. Im Klartext: Die benachbarten bayerischen und württembergischen Städte und Gemeinden (im Norden bis Heidenheim, im Osten bis Günzburg, im Süden bis Memmingen, im Westen bis Riedlingen) hätten keine derart gravierenden Bedenken vorgetragen, dass die Sedelhöfe zum Scheitern verurteilt seien. Wetzig: „Die Botschaft aus der Nachbarschaft ist: Unser Vorhaben ist für Stadt und Region verträglich.“ Dies auch, weil durch die Sedelhöfe eine Umsatzumverteilung von maximal vier bis sieben Prozent erwartet werde, jedenfalls längst nicht jene zehn Prozent, die raumordnerisch als kritische Grenze angesehen werden, erläuterte Kalupa.

An nachbarschaftlichen Einsprüchen war 2005 ein Einkaufszentrum der Hamburger Projektentwickler ECE gescheitert. Es hätte nördlich des Hauptbahnhofs 26 000 Quadratmeter groß werden sollen, also 8000 qm größer als die Sedelhöfe, in denen Wetzig und Gönner eh kein geschlossenes Center sehen, sondern die „städtebauliche Neuordnung eines ganzen Quartiers“.

Nächster planerischer Schritt: Am 25. Juni soll der zuständige Fachausschuss des Gemeinderats den Bebauungsplan aufstellen – jenseits aller Diskussion über den Investor.