Gastro Die schönste Location in Ulm: Hotel Lago

Ulm / FRANK KÖNIG 15.09.2016

Vor allem während des schönen Spätsommers sind nun die Deckchairs auf dem Bootssteg in den Ausee eine Attraktion für die Hotelgäste, die vom Steg aus auch schwimmen können. Die Außenanlagen wurden wie das Hotel vom Büro Nething gestaltet. Das Thema Ulmer Hochschule für Gestaltung (HfG), das Investor Thomas Eifert als durchgängige Linie für das Hotel gewählt hat, zieht sich in den Garten weiter. Da steht ein überdimensionaler Wellenaschenbecher von Walter Zeischegg, und es gibt einen Kräutergarten, den der Sohn von HfG-Mitgründer Otl Aicher, Florian Aicher, für das Hotel angelegt hat: in rechteckigen, bunten Behältern bis etwa ein Meter Höhe.: „Da gibt es auch keinen Schneckenbiss“, sagt Eifert.

So setzt das Lago, in dem das Seeufer bewusst nicht durchgestylt wurde, durchaus Grenzen für die Natur, obwohl speziell Insekten eine Herausforderung für das Housekeeping darstellen. Eifert berichtet auch von einem Schwan, der Revierkämpfe mit dem automatischen Rasenmäher von Husqvarna ausgefochten hatte, dann aber feststellen musste, dass der Roboter von nichts auf seinem software-gesteuerten Kurs abzubringen ist. Wie eng das Lago mit der Natur interagiert, konnte gerade eine Hotelbesucherin feststellen, die auf einer Schwimmrunde „einem Biber tief in die Augen blickte“, wie Eifert erzählt, und danach auf weitere derartige Exkursionen  verzichtete.

Der Familienunternehmer und Firmenchef der Gastromenü-Gruppe hat mit dem Lago, zu dem das gleichnamige, von Klaus Buderath geführte Sternerestaurant gehört, jedenfalls eine einzigartige Location in Ulm geschaffen. Es war sein erstes Hotel und sollte den Einstieg ins Tagungsgeschäft bringen. Gerade weil das Hotel „nicht an der Bannmeile Hirschstraße“ liegt, habe man ein eigenes Konzept schaffen müssen. Das 2010 eröffnete Hotel mit seinen 60 Zimmern ist unter der Woche längst voll belegt. „Heute würde ich zwei Stockwerke höher bauen“, sagt Eifert.

Zu dem von Eiferts rechter Hand Marian Schneider verantworteten Event-Business zählen auch Hochzeiten, die im Lago praktisch jeden Samstag und oftmals auch freitags über die Bühne gehen. Dafür wurde eigens eine venezianische Gondel angeschafft. Weil Tagungen ebenfalls boomen, hat Eifert darauf verzichtet, in der obersten, sechsten Etage noch eine Privatwohnung einzubauen. Stattdessen ist ein weiterer Tagungsraum mit einer von einer bebilderten Schiebewand verdeckten Event-Küche entstanden. Der Raum heißt „E 61“, wobei das „E“ für Eifert und die Zahl für sein Geburtsjahr steht.

Der Inhaber des Gastro-Ausrüsters Hogaka hat die Küche mit allen erdenklichen Finessen ausgestattet: „Das ist die geilste Küche in Süddeutschland.“ Es gibt aber auch eine ältere Espresso-Maschine des italienischen Herstellers Faema – weil sie wegen ihres Baujahrs das Original-Etikett E 61 trägt.

Das Stockwerk darunter ist sozusagen die Bel Etage des Lago. Sie ist ganz der Geschichte der 1968 geschlossenen HfG gewidmet, auch mit einer Ausstellung von Designobjekten auf dem Gang. Alles ist in den Farben Schwarz und Weiß gehalten, auch die Hotelzimmer. Eifert hat mit der Hogaka nicht zuletzt das legendäre Stapelgeschirr TC 100 von HfG-Absolvent und Industriedesigner Nick Roericht wieder aufgelegt.

Diese ganze Atmosphäre trägt zum Erfolg des Lago bei, das gleichwohl nicht abgehoben ist. Ein Einzelzimmer kostet 130 Euro pro Nacht. „Wir werden preislich überschätzt“, bedauert Eifert ein Stück weit die exklusive Aura, zu der auch das Sternerestaurant beiträgt. Dennoch ist das Frühstück ein Renner und am Wochenende für drei Monate ausgebucht, erläutert Schneider. Der Preis soll daher 2017 von 19 auf 25 Euro angehoben werden. Es kommen nur naturbelassene Lebensmittel aus Eiferts Genusswerkstätten zum Einsatz. Der Unternehmer, der mehr als 30 Betriebskantinen versorgt, besitzt eine eigene Metzgerei, Brauerei, Pasteria und Eismanufaktur, nutzt ökologische Steuobstwiesen, kauft Milch direkt vom Bauern und betreut 35 Bienenvölker: „Wir sind ein Mega-Exot.“

Gastromenü bildet auch eine Ausnahme in der Lebensmittelindustrie: „Wir haben einen Ehrenkodex  – keine Farbstoffe oder Zusatzstoffe.“ Besonders stolz ist Eifert, dass in der Minibar auf den Hotelzimmern sein eigenes Craft-Bier steht. Zudem eigenes Mineralwasser in auffälligen Glasflaschen, die seinen Hotelgästen so gut gefallen, dass er jedes Jahr 3000 Stück nachbestellen muss.

Weil Eifert mit dem Lago nicht zuletzt bei Firmenkunden aus der regionalen Wirtschaft gut gebucht ist, soll ein zusätzliches Kongresszentrum geschaffen werden: für Tagungen bis zu 300 Personen. Dafür ist bis 2018 ein Anbau unmittelbar am Ausee vorgesehen, mit modernster Tagungstechnik. Das entspricht Eiferts Zielsetzung überhaupt für die Ulmer Nummer-Eins-Location: bloß kein Mainstream, kein Durchschnitt, sondern für die Stadt etwas Besonderes bieten.

Die Firmengruppe

Gastromenü Der Kern von Thomas Eiferts Firmengruppe ist die Firma Gastromenü im Donautal. Dieser Betrieb betreut 30 Betriebsrestaurants mit täglich 9500 Tischgästen. Eifert: „Wir machen täglich eine Tonne Pasta.“. Mitarbeiter: 500. In Ulm verfügt Eifert auch über das Bellavista. Außerdem kann er auf zahlreiche Event-Locations zurückgreifen – bin zur Müller-Schießhalle.

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