Die Sache mit den Kuhfladen

Sie spielen alle Rollen: Julia Ebert und Lukas Ruben Eickholl. Foto: Matthias Kessler
Sie spielen alle Rollen: Julia Ebert und Lukas Ruben Eickholl. Foto: Matthias Kessler
ELVIRA LAUSCHER 15.02.2013
Michael Ramloses und Kira Elhauges "Die Geschichte von Lena" ist ein Stück über Ausgrenzung. Jetzt hatte es im Akademietheaterhaus Premiere.

Mobbing und Gewalt an Schulen ist oft Thema in den Medien. Das subtile, alltägliche Ausgrenzen schafft es dagegen nicht in die Schlagzeilen, denn die Verletzungen sind nicht sichtbar, oft selbst nicht für Eltern und wohlmeinende, erwachsene Bezugspersonen. "Die Geschichte von Lena" nimmt sich des Themas an. Sensibel, unaufdringlich und mit Humor - und doch bis ins Mark treffend.

Nach den Ferien ist alles anders für die zehnjährige Len, die nach den Sommerferien in die Klasse kommt und sich auf ihre Freundin Maria und die anderen freut. Denn vor den Sommerferien war es Patricia, die aus der Klassengemeinschaft ausgeschlossen worden war. "Die hatte es auch verdient", resümiert Lena in einem Tagebucheintrag.

Doch dann war da dieser Brief, der in der Klasse kursierte. Ein Brief, den Lena ihrer besten Freundin aus dem Urlaub schrieb und in dem sie auch vom Bauernhof ihrer Großeltern erzählte und von den Kuhfladen, durch die sie gelaufen war. Die Maria vor den Ferien hätte es verstanden, doch die neue Maria war eifersüchtig auf den Urlaub und wendet sich gegen ihre Freundin Lena. Die Lena, die laut Maria seit ihrem "Scheißurlaub" stinkt (trotz dreimaligem, täglichen Duschen) und immer einsamer wird, zuletzt sogar an Selbstmord denkt.

Um Menschen auszugrenzen, braucht es keine realen Gründe, zeigt das Stück des dänischen Autors Michael Ramlose, das er gemeinsam mit der Schauspielerin Kira Elhauge schrieb. Es ist sprachlich stellenweise poetisch, voller feinsinnig beobachteter Naturbeobachtungen, zwischen-menschlicher Begegnungen wie die zwischen Lena und ihrem großen Bruder Klaus, der schon Mädchen küsst und Lena das Fischen beibringt.

Klara von Heyden hat in ihrer Inszenierung diese Poesie aufgegriffen. Ein schlichtes Bühnenbild (drei Schulpulte und eine Tafel) dienen als Plattform für die ständig wechselnden Rollen, in die Julia Ebert und Lukas Ruben Eickholl schlüpfen. Mal Erzähler, mal Vater oder Mutter, Bruder, Schulkameraden, Lehrer oder eben Lena, die mehr und mehr in dem Strudel der Ablehnung versinkt. Beide Darsteller bewiesen dabei nicht nur viel Empathie, sondern ausgezeichnete Körperarbeit. Auch ohne die gelben Moosgummi-Details wie Ketten, Gürtelschnallen oder Krawatten, die jeder Figur zugeordnet und mit Klettverschluss an der Kleidung befestigt wurden, waren die Personen durch Körperhaltung, Mimik und Sprache in sich authentisch. Das Spannende an der Inszenierung war zudem die mittige Bühne. Die Zuschauer saßen sich gegenüber, spiegelten symbolisch das eigene Ich und damit die Position, die sie selbst im Alltag einnehmen. Und so schafft es das Kinderstück, auch Erwachsene zu begeistern.

Info Weitere Vorstellungen am Freitag, am 22. und 23. Februar, 20.15 Uhr, sowie Schulvorstellungen vom 19. bis 22. Februar, 10.30 Uhr.