Ulm Die Punker von "Benzin" geben im Roxy ihr letztes Konzert

Sie beenden das Kapitel Benzin am 10. April im Ulmer Roxy: (von links) Simon Schwaigert, Andy Wolf, Sebastian Schwaigert und Marc Huttenlocher.
Sie beenden das Kapitel Benzin am 10. April im Ulmer Roxy: (von links) Simon Schwaigert, Andy Wolf, Sebastian Schwaigert und Marc Huttenlocher. © Foto: Claus Pütz
Ulm / HELMUT PUSCH 13.03.2015
Vier Alben und knapp 500 Konzerte im ganzen Bundesgebiet: Zehn Jahre lang waren sie als Punkband "Benzin" unterwegs, jetzt gibt das Quartett um Sänger Sebastian Schwaigert im Roxy ihr letztes Konzert.

Eigentlich begann alles schon 1996. Denn damals gründeten die Ascher Zwillingsbrüder Sebastian und Simon Schwaigert ihre Band Uncle Benz. Punk wollten sie machen, eher sanguinisch und "weil wir auf der Alb wohnten". Da sei "die Auswahl der Freizeitbeschäftigungen eher klein - sprich Schützenverein oder Musik", sagt Sebastian Schwaigert heute. Die Zwillinge entschieden sich für die Musik, spielten in den folgenden Jahre mit ihrer Band etwa 50 Konzerte - vor allem in der Region.

So richtig wissen wollten sie es erst zehn Jahre später - unter neuem Namen: Benzin. Den hatten sich die Musiker nicht freiwillig zugelegt. 2005 war ihnen ein Brief des US-Nahrungsmittelriesen Mars Incorporated ins Haus geschneit, der die Namensrechte an Uncle Ben's Reis hat. Den Musikern wurde darin mit einer Klage gedroht, falls sie den Namen Uncle Benz weiterhin benutzen sollten.

Ein Konzern, der eine unbekannte Band verklagt? Das hatten wir doch schon mal - in Erlangen. Dort gab es Ende der 90er eine Fun-Metal-Band, die sich James Blast Orchester nannte. Bis die Plattenfirma James Lasts dagegen klagte. Die Meldung ging durch die Medien, sorgte für jede Menge Aufsehen. Die Band verkürzte ihren Namen auf JBO und füllte über Nacht die Hallen.

Dass sich aus so einem Rechtsstreit hätte auch Kapital schlagen lässt, sahen die vier Ulmer Musiker damals nicht. "Das Briefpapier der Anwaltskanzlei, auf der das Schreiben bei uns ankam, sah schon so aus, dass wir wussten, wir haben keine Chance, dagegen zu klagen", erinnert sich Sebastian Schwaigert. "Wir fühlten uns wie David gegen Goliath. Aber wir waren ein David ohne Schleuder. Wir hatten keine Ahnung, wie das im Musikgeschäft so zugeht. Wir wollten auch keinen Stress, wir wollten nur eines: Musik machen." Und das taten die Musiker nach einem kurzen Zwischenspiel als Sternensurfer und einer VfB-Stuttgart-Hymne, die sie auch mal im vollen Daimler-Stadion vorstellten, dann als Benzin.

Vier Alben nahmen sie unter diesem Namen in zehn Jahren auf, gaben rund 500 Konzerte. Aber jetzt ist Schluss: Die Akkus seien einfach leer, sagt Sänger Sebastian Schwaigert, der ganz offen zugibt, dass er sich als Vater eines Sohnes schon manchmal gefragt habe, ob es nicht sinnvoller sei, das Wochenende bei der Familie zu verbringen als auf den Bühnen diverser Jugendhäuser.

"Wir haben viele Konzerte im Pott und in Norddeutschland gegeben. Das heißt: Wir hatten immer mindestens 500 Kilometer Anreise." Auf die Dauer sei das nicht zu stemmen, auch wenn es nicht "Tolleres gibt, als in einem Jugendzentrum irgendwo in Deutschland auf Fans zu treffen, die jede Zeile mitsingen können." So definiert Schwaigert übrigens auch Erfolg.

Erschwerend komme hinzu, dass die Bandmitglieder mittlerweile ziemlich verstreut wohnen. Drummer Marc Huttenlocher etwa lebt in Berlin. Sebastian Schwaigert, der als Lehrer und Sozialpädagoge in München arbeitet, wohnt in Augsburg. Am Freitagabend ein Konzert etwa in Düsseldorf zu geben, sei eine logistische Herausforderung: "Marc und ich sind nach unserem Job in den Zug gestiegen und irgendwann Stunden später in Düsseldorf aufgeschlagen, wo wir dann eine Stunde später auf der Bühne standen." Die Anlage hatten derweil Simon Schwaigert und Andy Wolf aus Ulm hingekarrt und aufgebaut.

Wie gesagt, die Akkus sind schwach, oder, um bei Benzin im Bild zu bleiben: Der Tank ist leer. "Wir haben in den vergangenen zehn Jahren nach dem Prinzip ,Ganz oder gar nicht' Musik gemacht. Wir wollen auch nicht auf halber Last weitermachen, so nach dem Motto, erst spielt man in Jugendzentren, dann im Fasching und zuletzt im Baumarkt. Wir wollen das mit Anstand zu Ende bringen." Das tun sie jetzt: mit drei letzten Konzerten.

Drei Mal Abschied

Abschiedstournee Mit drei Konzerten wollen sich die Musiker von Benzin von ihren Fans in ganz Deutschland verabschieden. Das tun sie in drei Städten und Clubs, die für die Band im Laufe ihrer Karriere wichtig waren und sie geprägt haben: am 8. April im Hamburger Headcrash, am 9. April im Düsseldorfer Tube, und das letzte Konzert geben die vier Benziner dann am 10. April im Ulmer Roxy.

 

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