Ulm Die Mischung stimmt

Den Sound im Griff: Romi Schickle in seinem Neu-Ulmer Studio 2.
Den Sound im Griff: Romi Schickle in seinem Neu-Ulmer Studio 2. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / HELMUT PUSCH 21.01.2016
Romi Schickle ist ein musikalischer Tausendsassa. Er hat mit Professor Wolfff den deutschen Rock erfunden, treibt in Neu-Ulm ein Tonstudio um, schreibt aber auch für Orchester - was jetzt im CCU zu hören ist.

Er mischt seit fast 50 Jahren in der Ulmer Musikszene mit. In den vergangenen Jahrzehnten ganz im Wortsinn. Da treibt Romi Schickle nämlich in Neu-Ulm sein Studio 2 um, erst im Wiley-Areal, jetzt in der ehemaligen Nelson-Kaserne. Und dort hängen Fotos von Musikern an der Wand, die man ansonsten nur aus dem Rocklexikon kennt, wie etwa Gitarren-Guru Michael Schenker, Earth-Band Sänger Chris Thompson oder Chris Norman. Gitarrist Geoff Whitehorn spielte dort ebenso wie Deep-Purple-Organist Don Airey - an Romi Schickles Hammond B 3, die an die andere Seite dieses Musikers erinnert. Denn dieser Rolf-Michael Schickle startete vor 50 Jahren als Organist seine Laufbahn als Rockmusiker.

Dass er mal mit der U-Musik seine Brötchen verdienen würde, war nicht so selbstverständlich. Denn Schickles Vater, Rudolf Schickle, war Konzertpianist und Dirigent - allerdings mit einem Hang zu amerikanischen Künstlern. Er begleitete den Ufa-Star La Jana und war nach dem Krieg der Dirigent, der Gershwins Oper "Porgy and Bess" als Erster in Deutschland aufführte - in Pforzheim.

"An meinen Vater kann ich mich kaum erinnern, er starb schon, als ich gerade mal fünf Jahre alt war. Außerdem dirigierte er in Pforzheim, die Familie wohnte aber in Karlsruhe." Natürlich lernte Rolf-Michael Klavier - unter anderem im Internat der Urspringschule. Bei jenem Musiklehrer, der ihn als erster Romi statt Rolf-Michael rief. "Der Mann hieß Rommel. Seinen Vornamen weiß ich nicht mehr, aber er war ein Neffe des Feldmarschalls!"

Und wie kam Schickle nach Ulm? "Wegen der Band Ashbury Heights. Die hatte ich mal gehört, und die wollten mich als Organisten." 1968 war das. Ein Stück Rockgeschichte. Denn bei den Ashbury Heights spielte ein gewisser Johannes Pappert, der später Saxophonist bei Kraan wurde, und ein Gitarrist namens Fritz Hermann, der später zum Line-Up von Prof. Wolfff gehörte und den man heute als Weltmusiker Friedrich Glorian kennt.

1969 wechselte Schickle zu "Brandenburg", traf dort den späteren Frontmann von Prof. Wolfff, Klaus Peter Schweizer, nahm mit ihm und der Ulmer Band die zweite deutschsprachige Rock-Platte überhaupt auf, wenige Wochen nach "Ihre Kinder" aus Nürnberg. Die Band löste sich aber bald danach auf.

Schickle spielte danach in diversen Formationen, wechselte Anfang der 80er Jahre zur Tanzmusik und griff zu, als er Ende der 80er die Chance erhielt, in einem Studio zu arbeiten. 1995 machte er sich selbstständig, trieb sein Studio 2 erst in den Wiley Barracks um, wo er aber dem Neubau der Hochschule weichen musste. Ein neues Domizil musste her. "Ich habe es auch in Ulm versucht und den Ivo angerufen", erzählt Schickle. Ivo? Ja, Oberbürgermeister Gönner. Der war Anfang der 70er Jahre als Zivi mit den Musikern von Prof. Wolfff viel zusammen, war vor allem mit Wolfff-Bassist Mondo Zech gut befreundet und kündigte die Band auch öfter bei Konzerten in der Region an: "Ivo war Juso-Vorsitzender und konnte damals schon gut reden", erinnert sich Schickle schmunzelnd.

Am Ende machte aber Neu-Ulm das Rennen, das Schickle neue Räume in der Hirthstraße anbot, gleich neben dem Finanzamt. Und dort werkelt Schickle seit nunmehr elf Jahren nicht nur als Toningenieur. Er arrangiert auch für seine Kunden, setzt sich an die Tasten und spielt Spuren ein. Und via Tastatur ist dank moderner Studiotechnik fast alles machbar. Ob Schlagzeug, ob Bass, Streicher, Schickle liefert bei Bedarf alles - natürlich auch professionelle konventionelle Tastenarbeit auf Klavier und Hammond-Orgel. Alles geht also, freut sich der Produzent, weiß aber auch, dass dies Schattenseiten hat. "Die guten Instrumentalisten werden immer seltener. Auch deshalb, weil heutzutage kaum noch Virtuosen gebraucht werden."

Für einen solchen, den Heidenheimer Gitarristen Siggi Schwarz, hat Schickle im vergangenen Jahr auch ganz neue Wege beschritten. Schwarz wollte eine Platte mit Orchester produzieren, weil ihn die Opernfestspiele Heidenheim eingeladen hatten, zwei Konzerte mit den Stuttgarter Philharmonikern zu geben.

Rock-Band und Orchester? Der 67-jährige Schickle zauderte nicht lange, setzte sich hin und schrieb die Arrangements, die mit Musikern der Ulmer Philharmoniker im Studio zum Album "Milestones" wurden. Eine Platte, die richtig gut klingt, sagen zumindest die Fachleute der Schwäbisch Gmünder Lautsprecherschmiede Nubert. Die empfehlen zum Testen ihrer Oberklasse-Boxen just "Milestones" als Referenz-CD. Ein Ritterschlag für jeden Produzenten und Musiker. Das weiß auch Romi Schickle.

Ulmer Philharmoniker mit Siggi Schwarz

Album "Milestones" heißt das Album, auf dem der Gitarrist Siggi Schwarz und seine internationale Band Rockhits mit Orchester interpretieren. Die Orchestrierung stammt von Romi Schickle. Eingespielt haben sie Musiker der Ulmer Philharmoniker. Und mit ihnen will Schwarz noch mindestens drei weitere Alben produzieren.

Konzert Am Samstag, 30. Januar, 20 Uhr, ist das komplette Ulmer Orchester mit von der Partie, wenn das Repertoire von "Milestones" live im Congress Centrum Ulm aufgeführt wird. Dirigieren wird Joongbae Jee.

Tickets Karten gibt es im im Vorverkauf beim Kartenservice der SÜDWEST PRESSE und bei allen bekannten VVK-Stellen von 39 bis 54 Euro.

 

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