Kommentar Grundstücksvergabe: Die Mischung macht’s

Auch Fachkräfte sowie weniger begüterte Bürger von außerhalb haben das Recht auf den Kauf von Wohnraum, sagt unsere Redakteurin Caroline Stüwe.
Auch Fachkräfte sowie weniger begüterte Bürger von außerhalb haben das Recht auf den Kauf von Wohnraum, sagt unsere Redakteurin Caroline Stüwe. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / cst 20.07.2018
Carolin Stüwe findet, es tut dem Dorf ganz gut, wenn dort nicht nur Einheimische wohnen.

Schon 2006 hat die EU-Kommission gegen Deutschland ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet, weil die Kommunen bei der Vergabe von Grundstücken immer wieder Einheimische bevorzugt haben – auch in Ulm. Schließlich will jeder Ort seine Gemeinschaft aufrechterhalten. Erwachsene Kinder bauen in der Nähe ihrer Eltern, weil sie in der Heimat bleiben wollen, weil sie im Verein engagiert sind oder weil es so praktisch ist, die eigenen Kinder mal bei den Großeltern abzugeben.

Vor einem Jahr haben sich die EU-Kommission und Deutschland darauf geeignet, dass bei der Auswahl von Bewerbern Kriterien der Ortsverbundenheit nur noch mit höchstens 50 Prozent gewichtet werden dürfen. Aufgrund dieser Rechtsentwicklungen musste die Stadtverwaltung reagieren und die Vergabepraxis anpassen.

Das ist jetzt zeitnah mit den neuen Leitlinien passiert und das ist gut so, denn Bauland ist rar. In Ulm kommen auf 3000 Kaufinteressenten nur bis zu 70 Bauplätze pro Jahr. Das Flächenpotenzial wiederum liegt in den Ortsteilen. Deshalb müssen die Ortschaftsräte künftig mit Fingerspitzengefühl vorgehen. Auch gut bezahlte Fachkräfte sowie einkommensschwächere und weniger begüterte Bürger von außerhalb haben das Recht auf den Erwerb eines angemessenen Wohnraums. Prima, denn die Mischung macht’s – besonders in kleinen Ortsteilen.

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