Ulm Die Magirus-Villa beschäftigt die halbe Stadt

Vertreter der Bürgerinitiative für den Galgenberg, hinten: Artur Klenk, haben OB Gönner Unterschriften für die Magirus-Villa übergeben. Foto: Volkmar Könneke
Vertreter der Bürgerinitiative für den Galgenberg, hinten: Artur Klenk, haben OB Gönner Unterschriften für die Magirus-Villa übergeben. Foto: Volkmar Könneke
Ulm / JAKOB RESCH 24.01.2013
Die Bürgerinitiative zur Rettung der Magirus-Villa hat Oberbürgermeister Ivo Gönner gestern Unterschriftenlisten überreicht. Auch die Rathausfraktionen haben das Thema weiter auf der Agenda.

Über 2100 Unterschriften hat die Bürgerinitiative "Ausverkauf Galgenberg" gestern mit ins Ulmer Rathaus gebracht, um sie Oberbürgermeister Ivo Gönner zu überreichen. Es sind 2100 Stimmen, die sich für den Erhalt der Magirus-Villa in der Fürsteneckerstraße aussprechen, welche einem Neubau mit Wohnungen weichen soll. 1500 wurden in der Stadt gesammelt, die weiteren kamen bislang über die Online-Petition im Internet zusammen. Gefordert wird damit, die Gründerzeitvilla, in der einst das Brotmuseum, heute: Museum der Brotkultur, untergebracht war, unter Denkmalschutz zu stellen.

Artur Klenk für die Bürgerinitiative sprach Gönner ausdrücklich in dessen Funktion als Präsident der Bürgergemeinschaft Pro Ulma für die Erhaltung und Erneuerung historischer Bausubstanz an. Die Bürgerinitiative sei Teil der Bürgerschaft mit Unterstützung "mittlerweile bis weit ins Land hinaus". Sie setze sich für den Erhalt des Gebäudes wie der Wohngegend am Galgenberg ein: "Ulm soll sein unverwechselbares Gesicht erhalten und pflegen und nicht der Uniformität preisgegeben werden."

Gönner selbst will die Petition mit einem Begleitschreiben an die Höhere Denkmalschutzbehörde weiterleiten, er sagt zum Stand der Dinge aber auch: Der denkmalschützerische Aspekt sei mit dem negativen Bescheid der Denkmalpfleger im Regierungspräsidium abgehandelt. Baurechtliche Einwände gebe es auch keine gegen den Abriss der Villa, da es im Verfahren keine Einsprüche der Nachbarn gegen das Projekt gegeben habe. Und für die Stadt sieht er keine Eingriffsmöglichkeit, da ihr das Grundstück nie gehört habe.

Unterdessen hat sich mit der FWG gestern auch die letzte Gemeinderatsfraktion zum Thema zu Wort gemeldet. Reinhold Eichhorn bringt gegen die Abriss-Kritiker vor, "dass alles äußerst korrekt von der Verwaltung abgearbeitet worden ist". Werde nun aber die Stadt aufgefordert, zum Schutz der Villa tätig zu werden, müsse dies im Hauptausschuss behandelt werden: "Es geht ums Geld." (Siehe Info-Kasten.)

Die Grünen sehen unterdessen Handlungsbedarf wegen der Stadtteile, "die in den nächsten Jahren saniert und umgewandelt werden sollen, in denen aber auch viele Gründerzeit-Gebäude stehen" - Dichterviertel, Neustadt, Wengenviertel. Nachdem sie schon ein Kataster für denkmalschutzwürdige Gebäude in Ulm gefordert haben, solle nun geprüft werden, wo die Einführung einer Erhaltungssatzung nach dem Baugesetzbuch sinnvoll wäre, wie sie die CDU-Fraktion schon für den Söflinger Klosterhof angeregt hat.

"Im Falle der Magirus-Villa wäre dieses Instrument sehr hilfreich gewesen." Es geht dabei um Gebiete und Gebäude, die nicht unter Denkmalschutz oder Ensembleschutz gestellt werden können und dennoch stadtbildprägenden Charakter haben. Genau vor den Konsequenzen einer solchen Satzung für die betroffenen Anwohner warnt wiederum die FWG, weil diesen damit Umbauten verwehrt werden könnten.

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