Ulm / HANS-ULI THIERER  Uhr
Es läuft mit dem Straßenbahnbau. Aber beim inzwischen auf 195 Millionen Euro fortgeschriebenen Großverkehrsprojekt bleibt ein Millionen-Risiko.

Helga Malischewski, FWG-Stadträtin, erhob dann doch das Wort. Freilich wie zuvor schon Brigite Dahlbender (SPD) und Birgit Schäfer-Oelmayer (Grüne) nicht wegen eines heftigen Millionenbetrags, der als Restrisiko hinterm Bau der Straßenbahnlinie 2 steht. Sondern der vielen Bäume wegen, die entlang der Trasse gefällt werden. Malischewski: „Es herrscht hier ja große Euphorie für die Straßenbahn. Wir sollten aber nicht glauben, dass alle Bürger jubeln über das viele Grün, das geopfert wird.“ Ingo Wortmann, Chef von SWU Verkehr, die die Linie 2 zum Eselsberg und zum Kuhberg baut, konnte an dieser Stelle beruhigen: „Wir sind zu Ausgleichspflanzungen verpflichtet.“ Wo möglich, werden neue Bäume sogar trassennah gepflanzt.

Die eigentliche Brisanz, die in der Sitzungsunterlage steckt, aber spielte nur am Rande eine Rolle. Siegfried Keppler und Winfried Walter (CDU) streiften beiläufig, was zuvor Erik Wischmann (FDP) an anderer Stelle – bei den Finanzgefahren im städtischen Haushalt – angesprochen hatte: Erstmals öffentlich beziffert sind die Risiken, die noch auftreten können, bis die Linie 2 im Jahr 2019 in Betrieb gehen soll. Sie liegen bei 36 Millionen Euro. Eine Diskussion über diesen satten Betrag gab es im Rat aber nicht.

Das mag daran liegen, dass diese 36 Millionen die Summe aller Übel wären, die zusammenkommen müssten. Dann würden die seit Baubeginn im Sommer um drei Millionen auf 195 Millionen Euro fortgeschriebenen Gesamtkosten auf 231 Millionen Euro steigen.

Damit rechnet Wortmann nicht. Aufgestellt worden sei nach Prinzipien, wie sie im Versicherungswesen angewendet werden, eine Liste aller denkbaren Negativfälle, sagte er auf Nachfrage. Sie betreffen den Bauablauf und auch die Förderung. Baukostensteigerungen, Störungen Bauablauf, Reduzierung der Förderquoten durch Bund und Land, Abrutschen des Nutzen-Kostenfaktors unter 1,0 . . . An jede denkbare Verteuerung und Zuschusskürzung ist die prozentuale Wahrscheinlichkeit angelegt worden. Beispiel: Baukostensteigerungen 7,8 Millonen Euro, Wahrscheinlichkeit 70 Prozent, ergibt die quantifizierte Risikohöhe von 5,5 Millionen Euro. Und in der Summe besagte 36 Millionen Euro.

Eine erste entspannende Nachricht hatte Wortmann gestern parat: Der erhoffte Zuschuss für den neuen Betriebshof kommt. Ein Risiko weniger – gemessen an der Gesamt-Risikosumme aber vergleichsweise geringe 760.000 Euro.