Schwörmontag 2018 Die Lichterserenade und was dahinter steckt

Das Meer von gelben und roten Lichtern auf der Donau im vergangenen Jahr.
Das Meer von gelben und roten Lichtern auf der Donau im vergangenen Jahr. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Verena Schühly 20.07.2018
Die Donaufreunde schicken am Samstag zur 50. Auflage 20.000 brennende Kerzen aufs Wasser, das sind 5000 mehr als sonst.

Feuer und Wasser – die Verbindung der beiden Elemente fasziniert die Menschen. Das gilt auch für die Lichterserenade, wenn am Samstagabend tausende Lichter sanft  die  Donau hinuntertreiben.

Der Countdown läuft - nicht mehr lange, dann ist Schwörmontag.

Dieses Jahr findet der romantische Teil des Schwörwochenendes zum 50. Mal statt, und zum Jubiläum soll die Serenade länger dauern als sonst: 20.000 gelbe und rote Lämpchen werden die Donau­freunde heuer aussetzen, das sind 5000 mehr als 2017.

So beschaulich der Lichtertanz  für die Zuschauer ist, die es sich am Ufer gemütlich machen, so hektisch und hitzig geht es hinter den Kulissen zu. Genauer gesagt: Im Inneren der Schachteln, von denen aus die Donaufreunde die schwimmenden Lichtlein ins Wasser setzen.

So viele wie noch nie

Wegen der Rekordmenge hat der Verein heuer noch mehr Helfer eingespannt ins Geschehen, das generalstabsmäßig organisiert ist. Aber der Verein hat langjährige Erfahrung. „Ja, der Aufwand ist noch größer als sonst“, sagt der Vorsitzende Andreas Huber. „Das wird spannend, für alle.“

Los geht’s!

Um 20.45 Uhr legen die Schachteln an der Anlegestelle beim Wehr Böfinger Halde ab. Während der Fahrt donauaufwärts herrscht unter Deck emsige Betriebsamkeit, um die Lichter vorzubereiten. Die roten und gelben Hüllen aus gewachstem Papier, die anfangs wie Trinkbecher ineinanderstecken, werden mit je einem Teelicht bestückt und dicht an dicht nebeneinander auf die Tische gestellt. Ist die Fläche voll, kommt eine dünne Platte darauf – die Basis für die nächste Lage. „Wir werden sieben Lagen haben“, berichtet Huber. Ist das erledigt, können die rund 160 Helfer nochmal kurz durchschnaufen.

Feuer an am Fischerplätzle

Am Ziel sind die Schachteln auf Höhe des Fischerplätzles. „Wichtig ist, dass wir alle gemeinsam anfangen, damit wir ein geschlossenes und schönes Bild der Lichter hinkriegen. Sonst wird das Ergebnis verwässert.“ Im wahrsten Wortsinn. Also muss es nach dem Startschuss gegen 21.30 Uhr richtig fix gehen mit dem Anzünden und Aussetzen.

Was genau geschieht

Im unteren Deck schart sich um jeden Tisch mit den vorbereiteten Lichtern eine Gruppe von sechs Helfern: Vier zünden jede Kerze einzeln an mit Hilfe eines Feuerzeugs, eines langen Zündholzes oder eines Fidibus’. Die zwei anderen Helfer nehmen die brennenden Lichter, lehnen sich aus dem Fenster, machen die Arme lang und  setzen die Lämpchen möglichst an der Wasseroberfläche ab. So wird ruckzuck Lage um Lage abgetragen.

20.000 Lichter in 30 Minuten

Dabei lauert die Tücke im Detail: Wer die Lichtlein einfach nur fallen lässt riskiert, dass sie ausgehen oder umkippen. Das Hantieren mit den brennenden Dochten führt dazu, dass sich so mancher die feinen Haare auf den Fingern versengt. Dadurch breitet sich in kürzester Zeit unter Deck große Hitze und ein etwas verbrannter Geruch aus. Profis schaffen beim Aussetzen übrigens vier oder gar sechs Lichter auf einmal. In 30 Minuten wollen die Donau­freunde alle 20.000 Lichter auf dem Wasser haben.

Hinter dem Lichtermeer schwimmen die Schachteln zurück zur Anlegestelle. Dort ist der Einsatz zu Ende. Rund 10.000 Euro lassen sich die Donaufreunde das Spektakel kosten. Der Verein sieht darin seinen Beitrag zur Ulmer Schwörwoche.

Bangen wegen des Wetters

„Ich hoffe, dass der Wettergott am Samstagabend mitspielt und uns keinen Strich durch die Rechnung macht“, sagt Andreas Huber mit Blick auf die vorhergesagte Gewitterneigung. „Vor zwei Jahren sind wir bei Regen auf die Boote – und genau zum Aussetzen hat es dann aufgehört. Dieses Jahr wollen wir das Ganze auch gern durchziehen.“ Notfalls komme es zu „wetterbedingten Verzögerungen im Zeitplan“.

Und die Lichter?

Was passiert eigentlich mit den Lichtern nach der Serenade? Müssen die Donaufreunde sie am Ende wieder aus dem Fluss fischen? „Nein, denn die meisten werden vorher dem Wasser geholt“, berichtet Huber. An den Stellen, an denen die schwimmenden Kerzen sich an einer Uferseite konzentrieren, beispielsweise am Schwal oder weiter flussabwärts in der Friedrichsau. Huber: „Im Rechen des Kraftwerks landen wirklich nur wenige.“

Aspekt Umwelt

Vom Umweltaspekt her betrachtet sei die Lichterserenade daher unbedenklich. Dennoch überlegen die Donaufreunde, im nächsten Jahr Teelichter zu verwenden, deren Hüllen nicht aus Alu sind, sondern aus verpressten Holzspänen.

Video

Und so sah es 2016 aus - ein Video der Lichterserenade im Zeitraffer:

Musik und dezentes Feuerwerk zur Begleitung

Rahmenprogramm Begleitet wird die Lichterserenade an sechs Stellen von  dezenter Live-Musik, „damit das Ganze ein audiovisuelles Erlebnis wird“, erläutert Andreas Huber von den Donaufreunden. Am Edwin-Scharff-Haus spielt Jessica Porter Vibraphon und Percussion, auf der Donauwiese Thomas Hirt Saxophon, am Rosengarten Igor Schiele Bass, am Schwal Andreas Altstetter Hackbrett, an der Adlerbastei Petr Hemmer Geige und an der Gänstorbrücke Oliver Petermann Gitarre. Außerdem gibt es an den drei Donaubrücken ein Feuerwerk ohne Knall­effekte.­

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