Museum Die letzten Exponate haben Edwin-Scharff-Museum verlassen

Wegen des Umbaus des Edwin-Scharff-Museums in Neu-Ulm wurde auch eine bronzene Kirchentür abtransportiert.
Wegen des Umbaus des Edwin-Scharff-Museums in Neu-Ulm wurde auch eine bronzene Kirchentür abtransportiert. © Foto: Volkmar Könneke
BERND RINDLE 07.09.2016
Schweißtreibende Räumung: Mit den beiden schwersten Bronze-Werken des Künstlers haben am Dienstag die letzten Exponate das Edwin-Scharff-Museum verlassen, das wegen des Generalumbaus ein Jahr geschlossen bleibt.

Auf den ersten Blick mutete das Museum am Neu-Ulmer Petrusplatz an wie der Schauplatz eines gewaltigen Kunstraubs: Kein Bild an der Wand, von Skulpturen nicht den Hauch einer Spur, sämtliche Räume waren kahl, karg und wirkten verwaist. Das Team um Museumsleiterin Helga Gutbrod hat in den vergangenen Wochen ganze Arbeit geleistet. Der Großteil der Sammlung ist mittlerweile außer Haus eingelagert. „Insgesamt zwischen 5000 und 10 000 Exponate“ schätzt die Kunsthistorikerin sind sorgsam verpackt und aus dem Haus geschafft worden.

Die letzten Objekte waren zwei Kunstwerke von Edwin Scharff: Die Portaltür der Marienthaler Kirche und mit „Ruth und Boas“ aus dem Jahr 1950 ein weiteres massives Bronze-Relief des Künstlers. Schon wegen ihrer schieren Größe war der Einsatz eines Spezialunternehmens nötig geworden. Allein die Kirchentür passt mit ihren Maßen von 3,12 mal 2,02 Meter in keinen Aufzug, abgesehen davon, dass das Haus ohnehin über keinen Lasten-Lift verfügt. Um das Portal einst ins Haus zu schaffen, ist damals eigens ein Fenster ausgebaut worden. Jetzt galt es, das gute Stück über das Treppenhaus nach draußen zu wuchten.

Wie schwer man manchmal auch am Schöngeist zu tragen hat, konnten die Mitarbeiter des Transportunternehmens am Dienstag am eigenen Leib erfahren. „Ein Türflügel wiegt zwischen 300 und 350 Kilogramm“, schätzte Restaurator Ernst Bielefeld. „Das andere Relief ist noch schwerer.“ Wobei es nicht einmal leicht war, eine der Portalhälften aus der Arretierung zu befreien. Während sich vier Leute gegen das Metall stemmten, versuchte ein fünfter Mann, den Flügel mit schwerem Gerät und unterlegten Holzkeilen aus der Verankerung zu hebeln. Als das Bronze-Türblatt schließlich frei war, passte es nicht unter der Lichttraverse hindurch. Einige Feinjustierungen später konnte das Objekt auf zwei Rollwagen verfrachtet werden.

An der Treppe angelangt, war neben Muskelkraft auch ein stabiles Rückgrat gefragt. Nach alter Sitte von Klaviertransporteuren legten sich die Spediteure Gurte um die Schultern und wuchteten die Kirchentür ins Erdgeschoss. Einer bestätigte hernach des Restaurators Gewichtsschätzung: „Locker 300 Kilo.“ Nach einigen muskulären Lockerungsübungen verfuhren sie mit den verbliebenen Exponaten in gleicher Weise und schafften sie unbeschadet in den Transporter und letztlich zum mittelfristigen Ort der Bestimmung, wo sie sicher ihrer Wiederverwendung harren können.

Was frühestens in einem Jahr sein wird, wenn die umfangreichen Sanierungsmaßnahmen abgeschlossen sind. Bis dahin bleibt sowohl das Scharff- als auch das Kindermuseum geschlossen. Gleichwohl wird das Museumsteam öffentlichkeitswirksam aktiv bleiben und will einerseits in einem eigenen „Museumsblog“ auf der Homepage „vom Geschehen rund ums Museum berichten“. Andererseits kommt das Museum auch zu den Menschen: Etwa in Schulen mit dem Projekt „Museum im Rucksack. Das Edwin Scharff Museum unterwegs“. Oder zu Vorträgen und Kunstgesprächen in die Stadtbücherei, zur vh Ulm und zu anderen Treffs.