Konzert Die kleinste Band der Welt

Seelenverwandte Ausnahmemusiker: Till Brönner (links) und Dieter Ilg in der Langenauer Martinskirche.
Seelenverwandte Ausnahmemusiker: Till Brönner (links) und Dieter Ilg in der Langenauer Martinskirche. © Foto: udo
udo 30.07.2018

An dem smarten Trompeten-Entertainer scheiden sich ja bisweilen die Geister. Schließlich kommt sein Sound nicht nur auf seinen Alben, sondern auch live mit Band  hyperperfekt, aber oft sehr glatt daher. Doch Till Brönner ist ein Publikumsmagnet  und vor allem ein begnadeter und mit allen technischen Finessen ausgestatteter Hornist.

Und so kam es zu Beginn des Jahres wenig überraschend, dass er gemeinsam mit seinem Duo-Traumpartner, dem Bassisten Dieter Ilg, mit dem Album „Nightfall“ ein Zweiererlebnis veröffentlichte, das all die Kritiker, die ansonsten gerne das  Haar in der Sterne-Küche eines Brönner suchen, rasch verstummen ließ.

Im Duo den Jazz zelebrieren, mosaikartig und in all seinen Farben,  aufs Wesentliche verschlankt und dennoch immer wieder voller expressionistischer Intensität – der Job eines Virtuosen-Duos, das Jazz-beseelt und niemals selbstverliebt alles aus sich und den Songs herausholt. Zur Freude der knapp 400 Besucher in der farbig eingeleuchteten Martinskirche, denen im Langenauer „Kulturhochsommer“ ein Hautnah-Erlebnis ermöglicht wurde; zu  mehr als fairen Ticket-Preisen. Schließlich haben Brönners Prominenz und die Qualität des Albums dazu geführt, dass andere Spielorte der Tournee etwa das Münchner Prinzregententheater, das Stuttgarter Theaterhaus oder die Alte Oper zu Frankfurt sein werden.

 Vor knapp vier Jahren hatte man im Langenauer Pfleghofsaal bereits eines der wenigen Konzerte der Geistes- und Seelenverwandten erleben dürfen.  Einfach Jazz. Direkt an der Nabelschnur entlang gespielt von Ausnahmemusikern. Nicht umsonst wurde Till Brönner 2016 zu Obamas Präsidenten-Zeit zum von Herbie Hancock kuratierten Jazzkonzert vor dem Weißen Haus in ein Weltstar-Ensemble geladen, und Dieter Ilg spielte mit Größen von Randy Brecker bis Albert Mangelsdorff.
   Kirchen seien ein idealer Auftrittsort für Ilg und ihn, „die kleinste Band der Welt“, erklärte der stets unterhaltsame und adrette Storyteller Brönner in Langenau, nachdem der Abend mit Leonard Cohens „A Thousand Kisses Deep““ und dem an jedem Abend anders klingenden „Nightfall“ jazzintensiv begonnen hatte. Auch in solistischen Freiflügen war da alles federleicht gespielt und luftig verdichtet, dazwischen Broadway-Melodik und Unisono-Brillanz. Aber  Brönner überzeugt  auch in der etwas anderen Klimazone: im „Hausfrauenportugiesisch“ singend auf den Spuren des großen Bossa-Maestro João Donato. Effekte, Loops, Sequenzer-Momente – ja, auch die gab’s, aber feinsinnig und behutsam eingesetzt.

Waghalsige Jazzritte

Es drehte sich bei diesem Konzert längst nicht alles um „Nightfall“-Stücke. Sehr besonders: das schleichend schöne „A Distant Episode“ mit verzaubernden Linien des Flügelhorns und einem geradezu stoisch gespielten Bass. Rein atmosphärische Momente, waghalsige Jazzritte mit Charlie Parker als Triebfeder oder das ewig schöne „Eleanor Rigby“ der Beatles begeisterten selbst Besucher, die keine ausgewiesenen Jazzfans sind.

Die besondere Magie füllte den Raum, und die Könner brachten die Kirche am Ende gar noch in einen ökumenischen Schwebezustand. „Ach, bleib mit deiner Gnade“ mit gestrichenem Bass und Hall-Trompete als großer warmer Fluss und reinste Wohltat.

Zugabe? Eigentlich nicht möglich. Und sie kam doch. Passend zum zurückliegenden Ereignis durfte der Mond noch jazzig aufgehen und mehr als nur rot leuchten bei diesem Langenauer Duo-Ereignis.

Ein Hoch auf den Kultursommer

Als zweites Extra zur Feier von 30 Jahren Kultur im Langenauer Pfleghof findet im „KulturHochSommer“ das Gypsy Event des Jahres unter freiem Himmel statt. Das Gismo Graf Trio hat mit Stochelo Rosenberg einen der besten Gitarristen der Welt zum Open-Air-Konzert in den Pfleghof geladen und zwar am Freitag, den 17. August. Bei zweifelhaftem Wetter findet das Konzert in der Kirche „Mater Dolorosa“ statt. Weitere Informationen zum Jubiläumsprogramm im Pfleghof finden sich im Internet auf den Seiten der Stadt Langenau.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel