Sommerfestspiele Die Kelly Family im Wiblinger Klosterhof

Ulm / Magdi Aboul-Kheir 19.08.2018

Es tut echt weh, euch zuzugucken!“ Nanu, was meint Jimmy Kelly denn mit dieser Ansage ans Publikum? „Ich würde das nicht tun, so lange rumstehen – für keinen Künstler. Ihr seid ja auch nicht mehr die Jüngsten!“

Ja, es stimmt schon, ein paar Jahre sind sie alle älter geworden, die 6000 Fans im Wiblinger Klosterhof, aber auch die Kelly Family auf der Bühne. Ebenso stimmt es, dass damals, in den 90er Jahren, noch vieles anders war. Damals, witzelt Jimmy Kelly, bestand das Publikum bei Kelly-Konzerten „zu 90 Prozent aus jungen Weibern, äh, jungen, hübschen Mädels“. Und die anderen, die nicht so hübschen Mädchen? „Die waren bei Take That!“ Und heute, bei diesem erstaunlichen Comeback der Kellys? „Da sind es zu 50 Prozent nicht so mehr so junge, hübsche Frauen. Und junge hübsche Männer.“

Was da vielleicht nicht zu 100 Prozent charmant klingt, ist natürlich alles nett gemeint und kommt auch so rüber – und nicht zuletzt selbstironisch. Denn dieser Jimmy Kelly ist ja selbst kein ganz, ganz junger Mann mehr, immerhin 47. Tatsächlich dürfte auch der Männeranteil höher sein als einst, aber als überwiegend weiblich darf man das Publikum an diesem Sommerabend allemal bezeichnen.

Viele Höhen und Tiefen

Aber egal, ob von Männlein oder Weiblein, die Kellys erfahren an diesem Donnerstagabend viel Liebe, und sie geben dieses Gefühl an ihre Anhänger auch zurück, mit warmen Worten und wohliger Musik. „We Got Love“ heißt die Comeback-Tour der Familien-Combo schließlich, das Wiblinger Open Air ist eine der letzten Stationen, und diese Stunden wollen sie richtig genießen. Zudem finden die Kellys die Klosterhof-Location, auch das betonen sie alle, wunderschön.

Mit Bühnenblitzen und Donnersound geht es los: „Thunder“ – der Kontrast zu den äußer­lichen Gegebenheiten an diesem lauschigen Sommerabend könnte nicht größer sein. Jimmy Kelly singt dieses erste Lied, dann folgen reihum die Geschwister, die die Kelly Family anno 2018 bilden. Jede und jeder stellt sich mit einem Song vor: Patricia (48) mit Blumenkranz im Haar und „No Lies“, Angelo (36) mit Pferdeschwanz und „I Can’t Help Myself“, Kathy (55) mit Akkordeon und „Come Back To Me“, Joey (45) mit Rockgitarre und „Why Why Why“ sowie John (52) mit Schlips, Weste und „Imagine“. Mit Paul (54) ist noch ein Kelly-Bruder sozusagen als Special Guest mit dabei, mit Drehleier vor allem fürs Folkloristische zuständig.

Ohne Paddy auf Tour

Die Story der Kelly Family, es ist eine mit äußerst unterschiedlichen Kapiteln, mit vielen Höhen und Tiefen. Doch dass diese Truppe heute, mehr als zwei Jahrzehnte nach ihren größten Hits und der Hysterie um die damaligen Teenies Paddy und Angelo, wieder Konzerte in solcher Größenordnung wie in Wiblingen ratzfatz ausverkauft – das ist doch eine ganz besondere Geschichte. Paddy ist nicht dabei, er ist als Michael Patrick Kelly solo unterwegs und das ziemlich erfolgreich, aber die anderen bieten gekonnt gleichermaßen Nostalgie und aktuell aufgehübschte  Nummern – die Band-Historie bietet reichlich Material, und außer den Geschwistern steht ja noch eine veritable Band auf der Bühne.

Sie alle bieten einen Mix aus Balladen, Tempo-Nummern und Folk, und wenn ein Riesenhit wie „An Angel“ auflebt, ist der Fan-Chor mal andächtig, mal inbrünstig mit dabei. Immer wieder ist „First Time“, bei „Please Don’t Go“ geht keiner, Angelo tobt sich mit offenem Haar am Schlagzeug aus, und mit Cover-Songs wie „The Rose“, „Let My People Go“ und „Let It Be“ wird an die einstigen Straßenmusikantenjahre der Gruppe rund um ihren 2002 verstorbenen Gründer Dan Kelly zurückerinnert. Zu etlichen Songs laufen die Original-Videos auf der Videowand – Kinder und Kellys, wie die Zeit vergeht.

Es ist eine Show zum Mitklatschen, Mitsingen, Mitschwelgen und Schunkeln, mit Feuerstößen und Konfetti. Zu „We Got Love“ wird das Publikum aufgefordert, für die „Kiss Cam“ zu küssen. Und wer sich am schönsten küsst? Darf mit Ausdauersportler Joey Kelly in die nächste Tourstadt laufen. Das hält die Fans aber nicht ab, dieser Abend ist für viele wirklich zum Knutschen.

Familiärer Ausklang

Nach mehr als zwei Stunden heißt es: „Ulm, ihr seid die Größten, wir danken euch von Herzen!“ Als Zugabe spielen die Kellys „Take My Hand“ und ihren allerersten Hit „Who’ll Come With Me (David’s Song)“. Wobei man angesichts des Film-Einspielers sagen darf: Manches ist eben doch noch wie vor fast 40 Jahren. Oder wieder, zum Beispiel Johns Frisur.

Nach dem obligatorischen Massen-Selfie folgt mit „Brothers and Sisters“ ein familiärer Ausklang. Es geht an diesem Abend um eine ganz große Familie: die Kellys und ihre Fans.

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Shuttle-Service auch von der Arena

Anfahrt Der Ansturm auf das Konzert der Kelly Family war am Donnerstagabend so groß und die Situation auf den Straßen so angespannt, dass es rund um Wiblingen zu Staus und einem Verkehrschaos kam. Für das Konzert heute, Samstag, 19 Uhr, von Santana, das ebenfalls mit 6000 Besuchern ausverkauft ist, gibt es nun außer dem Parkplatz Donaubad die Möglichkeit, die Parkplätze der Ratiopharm Arena mit zu nutzen. Die Shuttlebusse werden die P&R-Parkplätze der Arena also anfahren und die Besucher nach Wiblingen bringen. Der Shuttle-Service ist ab 17 Uhr eingerichtet.

Viertes Konzert Am Sonntag, 19 Uhr, spielt auf dem Wiblinger Klosterhof zum Abschluss der Sommerfestspiele Clueso. Dann werden gut 3000 Besucher erwartet.

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