Ulm Die Kaiserlinden fallen

Ulm / JÜRGEN BUCHTA 26.09.2012
Entlang der Blaubeurer Straße fallen 78 Linden. Noch im Herbst werden sie durch neue Linden ersetzt, deren Schutzanstrich sie besser vor den Unbilden des Wetters schützen soll. Kosten: knapp 100.000 Euro.

Linden können bis zu 1000 Jahre alt werden. Linden in Parks bringen es auf 200, entlang stark befahrener Straßen immer noch auf 80 bis 100 Jahre. Die 78 Linden, die vor 10 Jahren im Mittelstreifen des knapp ein Kilometer langen Abschnitts der Blaubeurer Straße zwischen der Jägerstraße und der Blautalbrücke gesetzt wurden, werden allerdings schon in den nächsten Tagen herausgerissen.

Viele leiden unter tiefen Rissen im Stamm. Pilze darin fressen sich in den Kern vor und machen das Holz mürbe. Einer der bereits sechs Meter hohen Bäume ist während des letzten Sturms abgebrochen. Weil die meisten in Reih und Glied stehenden Kaiserlinden nicht mehr zu retten sein dürften, hat die städtische Abteilung Grünflächen beschlossen, sie samt und sonders zu beseitigen. Die Bäume, die sie ersetzen, sind schon bestellt. Wieder werden es Kaiserlinden sein. Allerdings nicht so viele wie bislang stehen. "Wir haben nur noch für 55 Linden Platz," berichtet Abteilungsleiter Christian Giers.

Die von der Stadtverwaltung vor zehn Jahren in Auftrag gegebene Pflanzung hatte etwa 30 000 Euro gekostet, erinnern sich Leute, die an der Aktion beteiligt waren. Die bevorstehende Pflanzung schlägt mit 95 000 Euro zu Buche, berichtet Franz Münch, Baum-Experte aus der städtischen Grünflächenabteilung, der sich gestern Mittag mit Giers und Stadträtin Helga Malischewski vor Ort umgeschaut hat.

Was hat dazu geführt, dass die jungen Linden derart leiden mussten? Sicherlich viel Salz, das winters von den Fahrbahnen auf den Grünstreifen spritzte, sind sich die Grünflächen-Experten einig. Und hohe Temperaturunterschiede. Während strenger Frosttage ließen sich auf der Nordseite des Stämmchens bis minus 15 Grad messen, gleichzeitig erhitze sich seine Südseite auf bis zu 20 Grad plus.

Auch die neuen Bäume werden wieder Kaiserlinden sein. Was ändert sich bei der Anpflanzung? "Sie bekommen mehr Platz in den Pflanzgruben. Die werden mit einen Substrat aus Lava und mineralischen Körnern gefüllt, so dass die Wurzeln mehr Sauerstoff bekommen", erläutert Münch. Außerdem erhielten die neuen rund vier Meter hohen Bäumchen entlang ihres Stamms einen Anstrich, der sie bei extremen Wetterlagen schütze. Giers: "Während der vergangenen Jahre haben wir bei der Pflege dieser Bäume sehr viel dazugelernt."

Trotz der Schäden an den noch stehenden Bäumen, die Vorbeifahrenden kaum auffallen: Das Bild das die Baumreihe heute bietet, sei wunderbar, schwärmte Malischewski. Sie war sich mit den beiden Männern von der Stadtverwaltung einig: "Es tut einem in der Seele weh, dass sie bald raus müssen."