Ulm Die HfG ist wieder öffentlich

HANS-ULI THIERER 12.12.2013
Sanierung abgeschlossen; was vermietbar ist, komplett vermietet; Drei-Säulen-Konzept nicht mehr Gegenstand von Disputen: Die Stiftung HfG blickt zuversichtlich nach vorn, beklagt aber einen Wermutstropfen.

Die schlechte Nachricht, "unsere Sorge", wie HfG-Stiftungsratsvorsitzender Alexander Wetzig es unumwunden formulierte, vorab: Die nun vollendete Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudekomplexes der früheren Hochschule für Gestaltung hat 7,1 Millionen Euro gekostet; davon wird das Land aus Städtebaumitteln zwei Millionen Euro übernehmen. 70 Prozent aber muss die Stiftung selber tragen.

Das komme für eine kleine Stiftung, die sich ausschließlich finanziere durch Erträge aus Grund und Boden (also durch Vermietungen), einem finanziellen Kraftakt gleich, sagte Wetzig, seines Zeichens als Ulmer Baubürgermeister vom Sanierungs- und Finanzierungsfach. Erschwerend komme hinzu: Nach dem Auszug der Uni-Psychosomatik habe die Stiftung das Land nicht nur als Generalmieter verloren, sie müsse nun auch allein für den Gebäude-Unterhalt aufkommen.

Einen Großteil des Sanierungs-Eigenanteils von fünf Millionen Euro habe die Stiftung über Sparkassen-Darlehen auf dem Kreditmarkt finanziert. Trotz aktuell günstiger Zinsen fresse der Kapitaldienst für Zins und Tilgung die Einnahmen fast komplett auf. Konsequenz: Die Stiftung verzichte vorerst aus wirtschaftlichen Gründen auf Veranstaltungen des "Internationalen Forum für Gestaltung".

Das IFG sieht sich in der Tradition der HfG und setzt sich in von der Fachwelt beachteten Tagungen mit aktuellen Fragen der Gestaltung auseinander. Wie lange es keine IGF-Kongresse mehr auf dem Oberen Kuhberg geben wird, ist offen.

Das war gestern, als Wetzig vor Medienvertretern Bilanz der Sanierung zog, aber auch der einzige Wermutstropfen. Ansonsten schaue die Stiftung optimistisch in die Zukunft. Das lange Zeit kontrovers diskutierte Drei-Säulen-Konzept - HfG wieder erlebbar machen, gestaltende Unternehmen und Bildungseinrichtungen als Mieter für insgesamt 4250 Quadratmeter gewinnen, öffentliche Bereiche schaffen - sei zuletzt in erstaunlicher Lautlosigkeit umgesetzt worden. Zwölf Mieter - neben dem HfG-Archiv und dem Aicher-Scholl-Kolleg der Volkshochschule zehn Unternehmen und Büros von Schmuckgestaltern bis zu Architekten und Kommunikationsdesignern - sorgten für Vollbelegung.

Wetzig sieht die der breiten Öffentlichkeit teils reichlich akademisch anmutenden Streitigkeiten, ob gewerbliche Mieter die heiligen Hallen der HfG belegen dürfen oder ob blaue Sonnenschutzfenster sich vertragen mit dem strengen HfG-Minimalismus, keineswegs als beendet an. "Ich bin weit davon entfernt, von Wohlgefallen zu reden." Aber: Der praktische Alltag habe Einzug gehalten. "Da ist die HfG wieder öffentlich." Anders als der "closed shop" zur Zeit der universitären Nutzung sei es in weiten Teilen begehbares Museum, erlebbar durch das Archiv, durch den öffentlichen Kommunikationsbereich und durch die "Grünbar" - letztere "noch ausbaubar", wie Wetzig sagte.

In der Tat: Die Mensa mit der legendären HfG-Wellentresen, Hörsälen, Seminarraum sei zwar als Ort von Betriebs- und Familienfesten für bis zu 350 Personen gefragt, berichtete Marina Bauernfeind. Im gleichen Atemzug betonte die Mitarbeiterin der Stiftung aber auch, "dass wir bei Seminaren und Kongressen noch Luft nach oben haben". Wer also in der Atmosphäre der HfG tagen möchte, findet freie Termine. Kontakt: bauernfeind@hfg-ulm.de

Ums leibliche Wohl muss sich niemand sorgen. Anja Maier und Ines Pätzner haben sich mit ihrer vor fünf Jahren in der Beyerstraße eröffneten "Grünbar" nun in der HfG ein zweites Standbein geschaffen. Angeboten wird montags bis freitags von 12 bis 14 Uhr für jedermann ein erschwinglicher Mittagstisch mit täglich einer Suppe und zwei bis drei Gerichten, frisch zubereitet aus regionalen Produkten. Umsonst ist sommers der Blick von der Terrasse übers Donautal aufs Alpenpanorama. Die Terrasse ist übrigens ebenfalls nach Denkmalvorgaben saniert: großformatige Betonplatten, besonderes Fugenbild, drei neue Bäume, exakt dort gepflanzt, wo die strengen HfG-Gründerväter auch Bäume angeordnet hatten.

Das letzte Schloss ist montiert