Leitartikel Kriminalität: Die Herausforderungen ändern sich

Ulm / Harald John 07.04.2018
Die Polizeibehörden haben Bilanz gezogen: Wir leben in einer sicheren Region. Doch es gibt auch Schatten, meint Harald John.

Erst verkündete Ulms Polizeipräsident Christian Nill die frohe Botschaft, dann zog sein bayerischer Kollege Werner Strößner nach: Wir leben in einer sicheren Region, in Ulm wie in Neu-Ulm. Während die Kriminalität zwischen Donau und Alpen leicht zurückgegangen ist, meldet die württembergische Seite gar so wenige Straftaten wie seit zehn Jahren nicht mehr.

Dieses Doppelfazit darf man getrost so stehen lassen: Die Behörden scheinen gute Arbeit gemacht zu haben. Und das ist in Zeiten gefühlter Unsicherheit ein Wert an sich. Vor allem im Bereich der Wohnungseinbrüche, die über Jahre in erschreckender Weise zugenommen hatten, sind große Fahndungserfolge erzielt worden. Ein Grund ist sicherlich auch die Zusammenarbeit der Behörden im Süden, die sich – wie vor ihnen bereits die Täter – nicht um Ländergrenzen kümmern müssen.

Die Aggressivität steigt

Ein genauerer Blick in die Statistik gibt zwar keinen größeren Anlass zur Besorgnis, wirft aber hier und da Schatten auf die glänzende Bilanz. So registriert Ulm eine zunehmende Zahl der Aggressivität im öffentlichen Raum: mehr Gewaltkriminalität, mehr sexuelle Vergehen, mehr Rauschgiftdelikte und mehr sogenannte Rohheitsdelikte. Das gilt besonders für Städte wie Ulm, weniger für den ländlichen Raum. Das zeigt auch der Blick auf die bayerische Seite, denn der Kreis Neu-Ulm zählt dort zu den Hot-Spots. Auch hier machen Gewaltdelikte der Polizei Sorgen. Im dritten Jahr steigt die Zahl der Delikte, den Hauptanteil bilden gefährliche oder schwere Körperverletzung.

Zusehends dürften die Behörden auch mit politisch motivierten Straftaten konfrontiert werden, die Entwicklungen im Fall des Brandanschlags auf eine Ulmer Moschee sind dabei nur ein Aspekt. Einwanderer und Flüchtlinge bringen oft genug ihre Konflikte mit in die neue Heimat. Für die Polizei bedeutet das: Die Herausforderungen werden nicht weniger, die Schwerpunkte ändern sich lediglich. Soviel ist sicher.

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