Ulm Die Heilkraft der Begabung

Psychotherapeut, Autor und Pianist: Stefan Plöger. Foto: Volkmar Könneke
Psychotherapeut, Autor und Pianist: Stefan Plöger. Foto: Volkmar Könneke
Ulm / SUSANNE RUDOLPH 13.06.2013
Schreiben hilft, sich über etwas klar zu werden. Diese Einsicht hat der Ulmer Autor Stefan Plöger nun zum zweiten Mal mit einem Buch umgesetzt: "Der Klang der Hingabe" ist im Projekte-Verlag erschienen.

Zwei Buchveröffentlichungen in zwei Jahren, das dritte Buch in Arbeit, da drängt sich die Frage auf: Was veranlasst den praktizierenden Psychotherapeuten und Leiter der Ulmer Telefonseelsorge Stefan Plöger dazu, seine gewiss nicht üppige Freizeit am Schreibtisch zu verbringen, sich Geschichten auszudenken und der mühevollen Suche nach einem Verlag auszusetzen?

"Natürlich ist meine Berufswelt ein Fundus an Lebensgeschichten und Schicksalen", sagt Stefan Plöger. Und natürlich spielten auch eigene Erfahrungen eine Rolle. Aber der innere Antreiber sei ein anderer. Wenn Plöger tiefer in seiner Psyche grabe, entdecke er Seiten, denen er Raum geben müsse, und zwar nicht nur nebenbei und leichthin, sondern mit höchster Intensität: musizieren und schreiben. Beides fließt ineinander, ergänzt und befruchtet sich. Beim Klavierspielen entstehen Geschichten in ihm, beim Schreiben kann er von der Musik nicht lassen. So war es bei seiner ersten Novelle "Auf der Suche nach seinem Leben", so ist es auch bei seinem zweiten Buch, dem kleinen Roman mit dem großen Titel "Der Klang der Hingabe". Autobiografisch, betont Plöger, sei sein Roman nicht, und man glaubt es ihm sofort: Allzu konstruiert und realitätsfern wirken manche Begebenheiten rund um die drei Freunde, deren (Liebes-)Probleme und Verstrickungen.

Mehr und mehr gewinnt man beim Lesen den Eindruck, dass es ohnehin weniger die Geschehnisse sind, die den Autor interessieren, als vielmehr die Art und Weise, wie sie bewältigt werden. Etwa, wie Claus in einer tiefen Sinnkrise seine Liebe zum Klavierspiel neu entdeckt und Trost und Klarheit aus dem Studium der "Regenliedsonate" von Brahms gewinnt. Die Liebe zwischen Clara Schumann und Johannes Brahms wird ihm zum Spiegel seiner eigenen Sehnsüchte, die bedingungslose Hingabe an die Musik zum Erlöser. Oder Ari, der jüdische Freund, dem in bedrängenden Zeiten seine Klezmer-Lieder zur puren Kraftquelle werden.

Vielleicht will Plöger, der Seelenarzt, seine Leser mit plakativen Bildern vor allem dazu ermutigen: Findet eure Begabung und scheut euch nicht, sie zu leben. Denn der Klang der Hingabe ist der Schlüssel zur Liebe und zum Tod. Und, last but not least: Schreiben ist Selbsthilfe.

Info Stefan Plöger: Der Klang der Hingabe. Projekte-Verlag Cornelius, 136 Seiten, 12.50 Euro.

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