Stadt am Rand Die geduldete Pflanze

Platz für Tomatenpflanzen ist auf dem kleinsten Fleckchen.
Platz für Tomatenpflanzen ist auf dem kleinsten Fleckchen. © Foto: V. Könneke
Das große Bedürfnis nach mehr / Beate Rose 17.08.2018

Grün in der Stadt. Oder einfach der große Hunger auf Tomaten. Oder bei der Vergabe bei städtischen Kleingärten wieder nicht zum Zug gekommen. Das alles könnten Gründe für jenen unbekannten Gärtner oder jene Gärtnerin sein, Sommer für Sommer in zwei etwa fünfzig Zentimeter großen Erdlöchern am Donauradweg auf der Ulmer Seite Tomaten anzubauen.

Über den Gärtner und dessen Vorliebe für Cocktailtomaten rätseln manche Ulmer ebenso wie auch die Zuständigen des Grünflächenamtes. Gleichwohl spricht Franz Münch, Sachgebietsleiter für Unterhalt des Grünflächenamtes, dem unbekannten Gärtner nach Begutachtung der Pflanzen vor der Eisenbahnbrücke dieses Lob aus: „gut gemacht.“

Denn der Tomatengärtner geht sorgsam mit seinem Grün um: Die Triebe der Pflanzen sind an jenen Haken angebunden, die ursprünglich für Kletterpflanzen gedacht gewesen waren. Sorgsam sind die Pflanzen ausgegeizt, also die Seitentriebe entfernt. Zudem sind die Blätter sattgrün, weder von der Sonne verbrannt, noch von Krankheiten durchlöchert, was jeden Hobbygärtner neidisch werden lässt, der sich selbst mal ohne Gewächshaus oder wenigstens einem „Dächle“ für die Pflanze als Tomatengärtner versucht hat. Denn die Tomate gesund durch den Sommer zu bringen und überhaupt etwas ernten zu können, ist schwerer, als man denkt. Empfindlich reagiert die Pflanze auf Durststrecken, auf Regen, auf Zeiten ohne Dünger. Kurz und gut: Die Tomate ist die heimliche Diva unter jenen Pflanzen, die als einfach zu pflegen angepriesen werden.

Der unbekannte Gärtner muss ein Könner seines Fachs sein. Von städtischer Seite werden die Pflanzen am Wegesrand übrigens geduldet. „Solange sie nicht in den Rad- oder Fußweg reinhängen – kein Problem.“ Mehr Begeisterung ist Münch übers Urban Gardening nicht zu entlocken. Und das, obwohl zwischen den Tomaten zwei Sonnenblumen gesät wurden. Es grünt also nicht nur, es blüht auch noch.

Die Tomaten am Donauradweg sind derzeit noch grün. Sollten sie rot werden, bleibt abzuwarten, ob sich jeder daran bedienen kann. Wir bleiben dran. Versprochen.

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