Ulm Die dunkle Seite: Von Betrügern und unappetitlichen Randerscheinungen

UTE GALLBRONNER 16.09.2016
Auch der Einstein-Marathon hat seine dunklen Seiten. Welche das sind? <i>Hier gibt's die Antwort.</i>

Ach, ist das schön! Menschen, die sich bewegen. Freiwillig. Die leiden und schwitzen, die sich mit ihrem inneren Schweinehund unterhalten oder dem Runners High entgegenstreben. Am Ende werden sie lachend oder weinend, mit Kindern auf den Schultern oder Krämpfen in den Waden den Münsterplatz erreichen. Alles gut. Aber nein auch der Einstein-Marathon hat seine dunklen Seiten.

Manches stinkt sogar zum Himmel. Wie Perlen an einer Kette nehmen die (männlichen) Läufer frühmorgens Aufstellung, pinkeln um die Wette. Einmal, zweimal, dreimal – die einen sind nur nervös, den anderen geht es darum, das optimale Wettkampfgewicht herzustellen. Zum Glück suchen sie für größere Geschäfte eines der 70 mobilen Klos am Start auf, die Tür an Tür da stehen. Meistens jedenfalls.

Doch mit der Verdauung ist das so eine Sache. Diese Erfahrung hat auch ein Anwohner in Pfuhl einst gemacht. Schon um 7.20 Uhr hatte ihn die Polizei aus dem Bett geklingelt zwecks falsch geparktem Auto. Nur dass es nicht seins war, sondern das der Nachbarin. Schon mal wach, stand er später mit seiner Kaffeetasse in der Hand in seiner Küche und schaute dem munteren Treiben zu. Durchaus wohlwollend, aber was dann passierte, ließ den Kaffee in der Tasse erkalten.

Eine Frau „mittleren Alters“ bog plötzlich ab und setzte sich unters Vordach. Hose runter, Geschäft erledigt, Hose hoch. Der entsetzte Anwohner stellte die Dame, die sich offensichtlich in argen Nöten befunden hatte, wie sie zu ihrer Verteidigung angab. Sie versprach den übelriechenden Haufen zu entfernen, machte sich dann jedoch unverrichteter Dinge vom Acker. Zurück blieb der Anwohner, derart perplex, dass er nicht daran dachte, sich die Startnummer zu notieren.

Mobile Klos an der Strecke gibt es kaum. Zumindest nicht auf dem ländlichen Teil der Strecke, denn die wurden, als sie noch vorhanden waren, von den Sportlern mit Verachtung gestraft. Was aber dann? Vielleicht die Hundebeutelchen nutzen? Oder einfach klingeln. . .

Die meisten Läufer wollen ja nur sich selbst, lästernden Freunden oder Angehörigen etwas beweisen. Abkürzen? Da betrügt man ja nur sich selbst. Spätestens seit dem vergangenen Jahr wissen wir, dass es auch anders geht. Die Marathon-Siegerin war nicht die Siegerin. Wie hieß sie nochmal? Vergessen! Ist nicht so wichtig.

Wichtig ist eigentlich nur, dass sie erwischt worden ist. Überführt von Zeitmessmatten, aufmerksamen Radfahrern und Menschen, die sich auskennen mit dem, was geht, und was nicht. Wer jedoch im hinteren Feld betrügen will, kann das tun. Stellen gibt’s genug. Skater oder Handbiker können auf der Extra-Schleife einfach im Kreisverkehr die dritte Ausfahrt nehmen. Merkt im Morgennebel kein Schwein.

Läufer – das hat man ja gesehen – nehmen „versehentlich“ den falschen Abzweig oder schlagen sich im Gegenverkehr kurz in die Büsche, um dann in der anderen Richtung weiterzurennen. Schon sind, zwei, drei, vier Kilometer gespart. Wer’s nötig hat, dem bieten sich viele dunkle Ecken.

Apropos betrügen. Kürzlich hat das Gerücht die Runde gemacht, es gäbe Doping-Kontrollen beim Einstein. Aber keine Angst! Die Doping-Fahnder haben andere Sorgen. Außerdem unterschreibt man mit den AGBs zwar viel – unter anderem, dass man für Schäden und deren Beseitigung zum Beispiel in Vorgärten selbst haftet –, aber wer keine Lizenz für irgendwas hat, der darf sich pimpen wie er will.

Es gibt bestimmt noch vieles, das irgendjemand verwerflich findet. Zu wenig oder zu viele Wärmefolien, zu viel Müll, Nackte auf dem Münsterplatz . . . Die einen nervt das unfreundliche Sicherheitspersonal, selbiges nerven renitente Menschen, die Absperrungen ignorieren. Dann wären da noch die Hundebesitzer, die Fiffi nicht an die Leine legen wollen. Gern kombiniert mit dem Ruf „Der tut nichts!“ Die kläffende Töle an der Wade mag aber nicht jeder. Mit Leine ist es oft nicht besser: Manch ein Skater hat seine DNA deshalb schon auf der Straße verteilt.

Und trotz allem wird es wieder ein Spaß werden.