Ulmer Zelt Die Donots stellen im Zelt alle Regler auf Ausrasten

Ulm / Christoph A. Schmidberger 11.06.2018

„Was für ein Spektakel, was für ein herzlicher Empfang!“ Im Ulmer Zelt war Sänger Ingo Knollmann die Begeisterung anzumerken, als er mit den Donots vom ersten Song an – zu Recht – abgefeiert wurde. Der Schweiß floss in Strömen vor und auf der Bühne  und erst recht, als Knollmann mit dem Mikro beim Crowdsurfing auf den Schultern der Menge balancierte. Nicht, dass es irgendwen gekümmert hätte.

Die 1994 gegründete westfälische Band ist auf Tour, um ihr Album „Lauter als Bomben“ zu promoten, ihr mit Platz vier erfolgreichstes. Mittlerweile singt man auf den Alben deutsch. Früher war das anders, mit dem Album „Pocketrock“ hatten die Fünf 2001 ihren Durchbruch mit englischsprachigem Pop-Punk. In der Hochzeit von Blink-128 und Good Charlotte waren sie in guter Gesellschaft: eingängige Melodien, sommerlich-jugendliches Lebensgefühl und natürlich krachende Gitarren von Knollmanns Bruder Guido und Alex Siedenbiedel.

Die neuen Stücke erinnern da schon eher an Tote Hosen oder Ärzte, vielleicht auch ein erfolgreicher Versuch, auf der angesagten Deutsch-Welle mitzuschwimmen. Zuvor hatten City Kids Feel The Beat mit ihrem „Heavy Pop Punk“ schon unverblümter dem vertrauten Klang der Jahrtausendwende gehuldigt. Jedenfalls hatten die Ulmer das Publikum so gut auf Betriebstemperatur gebracht, dass sich Knollmann ausdrücklich bei ihnen bedankte.

Dankbar, aber auch ein wenig verlegen war Konzertbesucher Nick S. Knollmann war nämlich eine verloren gegangene Geldbörse überreicht worden, deren Inhaber er mit sanfter Gewalt auf die Bühne bat. Gemeinsam begaben sich die Zwei anschließend in die Mitte des Zelts, wo der Sänger das Publikum beim Song „Gegenwindsurfen“ aufforderte, in einem Kreis um sie herum zu rennen. Pogo gab es sowieso unentwegt, auch ohne dass dabei die Rollstuhlfahrer direkt vor der Bühne zu Schaden gekommen wären, wie Knollmann anerkennend feststellte.

Die Stimmung hätte nicht besser sein können. Überwiegend standen alle Regler auf Ausrasten. „Calling Your Name“ rockte dermaßen rasant aus den Boxen, da spürte man förmlich die Schubdüsen der Sojus. Die Hymne „Whatever Happened To The 80s“ konnte sowieso jeder mitsingen. Wer da noch Zweifel hatte, dass Knollmanns Ansagen die bei Musikern übliche Phrasendrescherei gewesen seien, der konnte sich nach dem Konzert eines Besseren belehren: Vor dem Merchandising-Stand spielten die Nimmermüden noch spontan eine Zugabe unplugged.

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