Leitartikel Jürgen Kanold zur Kultur auf dem Donaufest Die Donaufest-Kultur funktioniert

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Autorenfoto © Foto: Könneke Volkmar
Ulm / Jürgen Kanold 14.07.2018

Es ist in der Vergangenheit immer viel über die Qualität der Kulturveranstaltungen des Donaufests diskutiert worden. Der Anspruch, die Wirklichkeit, die überregionale Anziehungskraft? Nur waren dabei oft die Begriffe „Fest“ und „Festival“ unbedacht bis willkürlich verwendet und auch verwechselt worden.

Diesmal, bei der 11. Auflage, aber war die Sache so klar wie nie, weshalb fast nur großes Lob zu verteilen ist:  Das Internationale Donaufest Ulm/Neu-Ulm ist ein  Fest der (südost-)europäischen Begegnung, und dazu passen sehr gut ein Pop-Camp, ein Schulchor-Treffen mit einer gemeinsam musizierten Friedensmesse oder ein Instrumental-Wettbewerb, der in diesem Jahr hervorragende Klarinettisten aus den Donauländern zusammenführte.

Ein Donau-Varieté  bot „Die perfekte Welle“ zwar im trockenen Scharff-Haus und nicht am oder im Fluss, fand aber begeisterte Zuschauer.  Dass es keine aufwändige Eigenproduktion mit einem örtlichen Partner wie dem Theater Ulm gab, wie zuletzt Alexander Balanescus „Treibgut“, war freilich schade. Aber das kostenlose Angebot an Pop, Jazz und Folk auf diversen Bühnen hat, so bestätigten viele Zuhörer, erstklassige Bands und Ensembles nach Ulm und Neu-Ulm gebracht: ein tolles, unterhaltendes Rahmenprogramm.

Auch mal Spektakuläres

Es war eben ein Rahmenprogramm. Was für sich genommen gut funktionierte. Alles andere wäre ein Festival, das mit großen Namen, eigenen Produktionen und an zentralen Orten  – auf dem Markt- oder Münsterplatz oder auch dem Neu-Ulmer Petrusplatz – ein großes überregionales Publikum zum Donaufest lockte. Alles schon mal in Ansätzen dagewesen, alles versucht, aber nicht nachhaltig realisiert. Von daher: In dieser klaren Begrenzung hat das 11. Donaufest überzeugt.

Was aber die Frage aufwirft, ob das prosperierende Ulm, das Hunderte von Millionen verbaut, sich nicht einmal im Jahr auch ein Festival leisten sollte, auch aus Marketinggründen. Ja, das sollte es. Wenn das Donaufest also als Fest sehr gut und zufrieden läuft und eine andere Extra-Idee nicht aufkommt, gäbe es viele andere Möglichkeiten für Spektakuläres: etwa jährlich die Wilhelmsburg zu bespielen. Oder das Tanz-Festival „Ulm Moves!“ mit mehr Finanzmitteln auszustatten. Oder das Jubiläum „50 Jahre Ulmer Theater“ an der Olgastraße (2019) oder das Berblinger-Jahr (2020) stattlich zu feiern.

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