Schwörmontag 2018 Die DLRG beim Nabada: Helfer für den Notfall

Ulm / Teresa Lorenz 24.07.2018
Während sich die Nabader auf der Donau vergnügen, sind die zahlreichen Helfer der DLRG im Dauereinsatz. Wir haben sie dabei begleitet.

Die meisten Besucher des Nabada wissen vielleicht gar nicht, dass sie da sind. Und doch wäre Ulms verrückte Wasserparty ohne sie nicht möglich: Die Wasserretter der DLRG wachen vom Rand des Geschehens über Nabader und Zuschauer – wir haben sie begleitet.

6 Uhr: Die ersten DLRGler schließen das Tor zur Wasserrettungsstation auf – darunter das Küchenteam. Denn um die hundert Wasserretter, die an diesem Tag erwartet werden, zu versorgen, braucht es viele helfende Hände. Allein für das Mittagessen müssen dreihundert Brötchen belegt werden.

8 Uhr: Die zweite Welle DLRGler kommt in leuchtend orangefarbenen und roten Hosen auf den Hof. Vormittags ist die DLRG vor allem für die Absicherung beim Aufbau der Themenboote zuständig. Doch auch an der Station gibt es viel zu tun, vor allem unliebsame Putz- und Aufräumarbeiten.

Noch ist der Himmel bedeckt. „Eigentlich ist es ein Glück, dass das Wetter nicht so gut ist heute“, sagt Laura Fröwis. „Dann sind nicht ganz so viele Leute auf der Donau.“ Wenn in Vorhersagen von 5000 erwarteten wilden Nabadern die Rede ist, wird den DLRGlern doch ein bisschen mulmig. „Wir können mit unseren Booten nicht einfach durch die Leute fahren“, erklärt die 20-Jährige, die letztes Jahr ihre Prüfung zur Bootsführerin bestanden hat. Zur Absicherung des Nabadas stehen den Wasserrettern fast nur Motorboote mit Schraubenantrieb zur Verfügung – gefährlich für die Nabader im Wasser. „Eigentlich kann man da als Bootsführer nur seinen Rettungsschwimmer losschicken, damit der den Patienten rauszieht und zum Boot bringt.“

10 Uhr: „Hat hier irgendwer einen Stift für mich?“, fragt jemand im Funkraum nach, für den Vormittag sozusagen die Zentrale der DLRG-Wasserrettung. Benjamin Franke und Dominik Weishaar wachen hier über Fahrzeuge, Funk und Telefon, bis am Nachmittag die Einsatzleitung des Nabadas übernimmt. „Hast du dich schon eingetragen?“, fragen sie jeden, der an der Tür vorbeikommt und zeigen auf die Anwesenheitsliste, die sich stetig mit Namen füllt. Aus Tübingen kommt heute eine Gruppe, lässt sich dort lesen, aus Stuttgart, Saulgau, Ludwigsburg, Heidenheim und sogar aus Rendsburg im Norden. „Wir sind aus Wangen“, meldet sich eine Gruppe an der Tür – eines wird klar: Nicht nur für die Wasserretter aus dem Bezirk Ulm-Donau ist das Nabada ein Höhepunkt des Jahres.

13 Uhr: 109 DLRGler versammeln sich zur Einsatzbesprechung und Einteilung auf dem Hof. Es herrscht gespannte Stille, als die Einsatzleiter Tom Biek und Markus Häußler die Einteilung der Trupps und Bootsbesatzungen vorlesen – die meisten unter den Wasserrettern haben „Lieblingspositionen“, die sie hoffen besetzen zu dürfen. Bootsbesatzungen, Strömungsretter, Rettungsbrettfahrer und Fußtrupps – nach und nach holt jeder der 28 Truppführer einen laminierten Einsatzplan und die Einteilung seines Trupps bei den Einsatzleitern ab. Elf Boote der DLRG werden sich später am Ulmer Ufer vom Steg der DLRG ab bis hinunter zum Donaustadion verteilen, drei davon haben einen Notarzt an Bord. An kritischen Stellen wie der Eisenbahnbrücke und dem Bootshaus sind zudem Strömungsretter und Rettungsbrettfahrer stationiert.

13:30 Uhr: Auf dem Steg der DLRG herrscht reges Treiben. Boot um Boot legt ab und fährt langsam Richtung Einsatzort, Rettungsbrettfahrer und Strömungsretter treiben langsam hinterher.

14 Uhr: Alle Trupps stehen einsatzklar, wie man das bei der Wasserrettung nennt, auf ihren Positionen bereit. Während die Retter im Wasser noch ein bisschen entspannen können, haben die Fußtrupps an Land oft schon gut zu tun. Noch bevor es überhaupt losgeht, gibt es die ersten Verletzungen zu versorgen: „Ich bin von einem Floß überfahren worden“, erklärt eine junge Frau mit aufgeschürftem Rücken den Sanitätern.

15:45 Uhr: Ein bisschen zu früh hallt der obligatorische Startschuss die Donau hinunter. Auf dem „Lachs“, dem Schlauchboot der Ortsgruppe Ulm, das auf Höhe des Rosengartens anliegt, richten sich die Wasserretter unvermittelt auf. „Jetzt ist Schluss mit Faulenzen“, sagt Bootsführer Steffen Bayer. Man sieht ihm und seinen zwei Rettungsschwimmerinnen Laura Fröwis und Iris Kopp die Anspannung an, als sie erwartungsvoll flussaufwärts dem Pulk der Nabader entgegenblicken – und der lässt nicht lange auf sich warten. Mit einem Mal sind die drei auf ihrem Boot umgeben von Flößen, Einhörnern und Flamingos. „Kein schlechtes Jahr“, sagt Steffen grinsend. Laura und Iris haben derweil alle Hände voll zu tun, die Nabader vom Boot fernzuhalten.

„Gebt ihr mir eine Mund-zu-Mundbeatmung?“, brüllt ein junger Mann, als seine Luftmatratze auf die beiden Rettungsschwimmerinnen zutreibt. Wortlos drückt Iris seine Luftmatratze vom Boot weg. „Hey, wollt ihr ein Bier?“, ruft eine Gruppe junger Männer von einem Floß hinüber. Die drei schütteln den Kopf. „Hallo, könnt ihr uns helfen?“, ruft plötzlich ein Mann aus der Menge. Die beiden Rettungsschwimmerinnen sind sofort bei ihm. Der Mann stützt seinen Freund, der offensichtlich mit Kreislaufproblemen kämpft. Laura und Iris bringen den jungen Mann das steile Ufer hinauf und übergeben ihn an den nächsten Sanitätstrupp des DRK.

16:25 Uhr: „Da oben ist ein Floß umgekippt“, sagt Iris, die den Funk über ihren Helm mithört. Schrecken in den Gesichtern der anderen. Ein Unfall wie diesen fürchten die Wasserretter jedes Jahr. „Aber sie haben wohl alle wieder gefunden.“ Mittlerweile wird vielen Nabadern das Wasser zu kalt, ständig versucht jemand, das steinige Ufer hochzuklettern. „Warum müssen die auch alle ausgerechnet hier raus?“, sagt Laura und schüttelt den Kopf, während sie einer angetrunkenen Frau aus dem Wasser hilft.

16:40 Uhr: „Wir haben jetzt schon keine Rettungsdecken mehr“, sagt Agnes Geirhos, die einen Fußtrupp auf Höhe der Herdbrücke führt. Die wilden Nabader, die hier mit ihren Schlauchbooten, Flamingos und Einhörnern aus der Donau steigen, zittern vor Kälte. „Aber ansonsten ist es bei uns entspannt – ein paar Schnittverletzungen, nichts Dramatisches.“

Auf dem Rettungsboot „Stör“, das ganz in der Nähe unterhalb des Bootshauses anliegt, kommt der Funk aus Lautsprechern. Vom Ufer aus hört man nur diffuses Rauschen, trotzdem fällt auf: Es ist nie still auf dem Funkkanal der DLRG. Ununterbrochen fragt jemand die Einsatzleitung an, gibt Meldungen zu Patienten durch oder fordert einen Rettungswagen nach. Man kann ahnen, wie es im Einsatzleitwagen der DLRG oben auf der Gänstorbrücke zugeht, wo all diese Funksprüche ankommen, verarbeitet und beantwortet werden müssen.

17 Uhr: Auf Höhe der Donauwiese treiben nur noch vereinzelte Flöße und Gummiboote vorbei. Nach und nach legen die ersten Boote der DLRG ab und begleiten die letzten Nabader flussabwärts Richtung Friedrichsau.

„Irgendwie wäre es schon mal schön mit runter zu fahren“, sagt Laura, als auch am Rosengarten mit ein paar vereinzelten Gummibooten die Nachwehen des bunten Treibens vorbeiziehen. „Aber auf der anderen Seite ist jeder von uns, der heute da ist und aufpasst, wichtig.“

18:30 Uhr: An der Slipanlage in der Friedrichsau hat sich derweil ein ausgewachsener Stau entwickelt. Nicht nur die Boote der DLRG, sondern auch die der Polizei, Feuerwehr und Wasserwacht müssen hier aus dem Wasser. Trailer um Trailer schiebt das Team an der Slipanlage über die Rampe in die Donau, ein Strömungsretter-Trupp hilft, das Boot auf den Anhänger zu manövrieren, dann sperrt das Team an der Slipstelle den Fuß- und Radweg und ein DLRG-Auto zieht den Trailer samt Boot aus dem Wasser. Das Team ist schnell, keine Frage, dennoch warten zwischenzeitlich sechs Boote darauf, endlich aus dem Wasser zu kommen. Die Warterei, die Müdigkeit und der Hunger nach dem langen Tag machen die Wasserretter mürbe. „Wenn ich nachher an die Station komme, will ich nur noch aus dem Neo raus, meine Sachen holen und heim“, sagt Hannes Kopp, der als Rettungsschwimmer eingesetzt war.

20 Uhr: Auf dem Hof der Wasserrettungsstation herrscht noch geschäftiges Treiben. Während die einen noch Neoprenanzüge und Boote abspritzen, genießen die anderen schon ihr wohlverdientes Abendessen.

21 Uhr: Während die ersten DLRGler schon ihre Sachen gepackt und den Heimweg angetreten haben, kommen die letzten noch in voller Montur an der Station an. Müde und erschöpft sind sie alle, doch nach einer Dusche und einem guten Abendessen glätten sich die angespannten Nerven langsam. Ein weiterer Schwörmontag ist ohne schwerere Unfälle zu Ende gegangen – „Jedes Jahr wieder ein Wunder“, fasst eine DLRGlerin zusammen.

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