Video Video-Projekt „Wilhelmsburg auf der Donau“ vom Winde verweht

Es hätte spektakulär werden können: „Wilhelmsburg auf der Donau“.
Es hätte spektakulär werden können: „Wilhelmsburg auf der Donau“. © Foto: Udo Eberl
Ulm / Udo Eberl 07.08.2017
Das ambitionierte Videoprojekt „Wilhelmsburg auf der Donau“ fand auf der Donauwiese am Metzgerturm ein großes Publikum, doch der Wind blies zu stark.

Die Tücken der Thermik über der Donau haben ja bereits andere Kreative und Beflügelte unterschätzt. Nun also auch der über jeden Zweifel erhabene Lichtkünstler Andreas Hauslaib, der im vergangenen Jahr unter anderem das Karlsruher Schloss mit Projektionen verzauberte, und der Event-Impressario Michael Köstner. Zunächst war da die logistisch aufwändige Verlegung des Projekts „Wilhelmsburg auf der Donau“ wegen des Hochwassers um eine Woche nach hinten, nun also eine Lotterie mit dem Wind auf der Donau vor den Wiesen am Ulmer Metzgerturm.

Jede längere Sequenz, in der man Konturen des Festungswerks und künstlerisch angelegte Kamerafahrten durch Flure und Räume deutlicher erkennen konnte, wurden von den Besuchern freudig beklatscht. Am Ende blieb aber doch vieles im Vagen. Unter den laut Veranstalter mindestens 2500 Zuschauern waren aber die Wohlwollenden und leise Murrenden in der Mehrzahl, von Verständnis geprägte Ernüchterung herrschte vor.

Als Kulturbürgermeisterin Iris Mann die interessierte Menge begrüßte und das Folgende, das von der Stadt Ulm und vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Bau im Rahmen der Neugestaltung der Wilhelmsburg unterstützt wurde, vorstellte, konnte die Erwartungshaltung kaum größer sein.

So nah und doch so fern

„Wir wollen die Wilhelmsburg mit Leben füllen“, sagte Iris Mann, die darauf hinwies, dass der imposante Teil der Festungsanlage nur 20 Minuten von der Stadtmitte entfernt sei: „Für eine Großstadt ist das eigentlich keine Strecke.“ Doch auch an diesem Sommerabend sollte die Burg, die besonders Theaterfreunde bereits tief ins Herz geschlossen haben, so nah und doch so fern sein.

Auf einer kleinen Bühne zwischen Metzgerturm und Donau sorgte zumindest ein Trio mit feinsten Musikern für einen Sound, der mehr als nur Begleitmusik und bestens hörbar war. Jazzig gefärbt und mit entspannter Grundhaltung sorgten Schlagzeuger Christian Krischkowsky, mit seinem Quartett längst eine feste Größe im deutschen Jazz, Igor Schiele am Bass und der Stuttgarter Martin Wiedmann an der Gitarre für starke Interpretationen von Klassikern wie Fleetwood Macs „Albatross“ – tontechnisch auf dem ganzen Areal bestens umgesetzt. Während die Musiker allerdings gekonnt im Blindflug zu den laufenden Bildern spielten, wollte die Hauptessenz des Abends nicht wirklich funktionieren.

Lichtkünstler Hauslaib und Crew konnten fokussieren wie sie wollten, die mit Wasser gespeiste Sprühwand, auf die von Neu-Ulmer Seite vom Aussichtssteg aus in Richtung der kleinen Blaubrücke projiziert wurde, gewann nicht an Schärfe. Das so genannte Hydroschild, bestehend aus Wassertropfen, wurde nicht zur spektakulären 25 Meter breiten und 10 Meter hohen Wasserwand, sondern zur deutlich kleineren und unberechenbaren Variablen.

Kino-Bildqualität hatte man sowieso nicht erwarten dürfen, sondern eine ungewöhnliche und lebendige Projektionsfläche. Die Böen ließen aber die Filmstrecken zu verwischten Burg-Tröpfchenabstraktionen werden, Live-Bilder der Musiker hatten Surreales, kurze Tanz-Momente im Gemäuer wandelten sich zu Farbexplosionen. Der Wechsel zwischen bewusst Gestaltetem und Naturkunst war tatsächlich fließend. Die Wilhelmsburg wurde meist nur in Standbild-Phasen und Mauerfahrten greifbar, aber man konnte diese Licht-Fata Morgana zur Musik wirklich genießen, wenn man sich auf das Gemisch aus Filmkunst und Windspiel einließ. Staunen statt maulen war an diesem Abend der beste Ansatz, zumal das Teil-Erlebnis ja kostenfrei war.

Bei ersten Mal war’s das Hochwasser

Natur „Wilhelmsburg auf der Donau“ hätte schon vor einer Woche über die Bühne, das heißt den Fluss gehen sollen – da war es nicht der Wind gewesen, sondern das Hochwasser. Genauer: die Angst vor zu großem Treibgut auf der Donau.