Ulm / CAROLIN STÜWE Pflanzen kommunizieren miteinander: über Duftstoffe und Wurzelgeflechte. Die Biologin Florianne Koechlin plauderte über dieses "Palavern".

Wird die Limabohne in ihrem Herkunftsland Peru von einer Raupe angeknabbert, produziert sie Abwehrstoffe, um sich selbst zu schützen. Und sie warnt gleich ihre Nachbarpflanzen mit Duftstoffen, dass ein Schädling im Anmarsch ist. Was wie Science Fiction klingt, ist zwar noch nicht bewiesen. Aber Wissenschaftler sind beim Palavern der Pflanzen ganz Ohr.

So auch die Schweizer Biologin und Chemikerin Florianne Koechlin aus Basel. Sie setzt sich als Sachbuchautorin vor allem mit den Themen Gentechnik und Pflanzenkommunikation auseinander. Nach Ulm war sie auf Einladung des Bündnis für eine gentechnikfreie Region Ulm gekommen.

"Ist das nicht toll?", sagte die 64-Jährige jedes Mal begeistert, wenn sie den rund 80 Zuhörern im Haus der Begegnung wieder ein Phänomen aus der Botanik geschildert hatte. Zum Beispiel: Wird eine Pflanze von einer Spinnmilbe ausgesaugt, bildet sie Duftstoffe, um ihren spezifischen Bodyguard, die Raubmilbe, anzulocken. Diese ist der natürliche Feind der Spinnmilbe. Woher aber weiß die Pflanze überhaupt, welcher Schädling gerade zuschlägt? "Sie erkennt es am Speichel des Insekts." Noch toller ist: Frisst eine Giraffe an einer Akazie trotz Dornen die Blätter, strömt der Baum sofort ein Gas aus und warnt die Nachbarbäume. Diese ziehen sich postwendend aus den Wurzeln - hinauf in die Blätter - einen Bitterstoff, der den Giraffen nicht behagt und sie somit vertreibt.

Von bisher 600 untersuchten Pflanzenfamilien habe jede ihren eigenen "Dialekt" mit insgesamt 2000 Duftstoffvokabeln. "Es ist ein ständiges Gemurmel über der Erde", sagte die Biologin in schönstem Schweizerdeutsch. Aber unter der Erde gebe es ein ähnliches "Getue", haben Wissenschaftler der Uni Basel untersucht.

Die Feinwurzeln der Bäume stehen stofflich mit Pilzgeflechten in Kontakt. Diese nicht grünen Mykorrhizapilze liefern der Pflanze Nährsalze und Wasser und erhalten ihrerseits einen Teil der durch die Photosynthese der grünen Pflanzen erzeugten Assimilate wie Zucker.

Da Pilze botanisch den Pflanzen zugeordnet werden, bezeichnet die Biologin dieses Netz als Internet der Pflanzen. So bedeute www in diesem Fall: wood wide web.