Sedelhöfe Die Bagger rollen an: Bau der Sedelhöfe beginnt

Die Bagger räumten gestern auf dem Baufeld für die Sedelhöfe auf, schon heute soll der Abriss der alten Tiefgarage (im Hintergrund) beginnen.
Die Bagger räumten gestern auf dem Baufeld für die Sedelhöfe auf, schon heute soll der Abriss der alten Tiefgarage (im Hintergrund) beginnen. © Foto: Matthias Kessler
Ulm / FRANK KÖNIG 16.08.2016
Die jahrelange Brache am Eingang zur Stadt vom Bahnhof her wird wieder belebt. Pünktlich rollten am Montag die Bagger für den Bau des neuen Einkaufszentrums Sedelhöfe an.

Schon im August vor vier Jahren hatten die Abbrucharbeiten für die Sedelhöfe begonnen. Nach der Projektverzögerung mit Wechsel des Investors von MAB auf DC lag das Grundstück am Eingang zur City vom Bahnhof her jahrelang brach. Am Montag nun starteten endlich die Bauarbeiten für das neue Einkaufszentrum, nachdem die Stadt das Baugrundstück entsprechend dem Vertragsabschluss im Juli pünktlich zum 15. August an die Hamburger Bauherren übergeben hatte. Die ersten Bagger sind bereits aufgefahren.

Die Baubehörde verschloss noch wie angekündigt die alte Bahnhofsunterführung. Auch der Fußgängerweg auf der Ostseite der Friedrich-Ebert-Straße – also gegenüber vom Hauptbahnhof – ist wegen der Baustelle nicht mehr Richtung Einmündung Sedelhofgasse begehbar. Einige Fußgänger, darunter Kinder, waren daher auf der Fahrbahn unterwegs, was an dieser vielbefahrenen Stelle nicht ungefährlich ist.

Auf der Baustelle selbst sollen am Dienstag die Abbrucharbeiten für die Parketagen der stillgelegten Tiefgarage Sedelhöfe anlaufen, berichtete eine Sprecherin von Investor DC Values. Die ersten Bagger räumten am Montag noch Schutt weg, der teils vom Abbruch der oberirdischen Gebäude übrig war. Auch Betonmischer und Betonpumpen waren auf dem Gelände – anscheinend, um Fundamente des Hauses Bahnhofstraße 18 zu stabilisieren, die womöglich noch gebraucht werden. Das Haus selber, in dem sich auch eine Filiale der Sparkasse befindet, konnte bekanntlich im Zuge der Neuverhandlungen mit DC Values in das Neuprojekt mit einbezogen werden. Die alte Bausubstanz wird ebenfalls abgerissen.

Mit der Beseitigung der Altbauten werden die Voraussetzungen für den Einbau einer Bohrpfahlwand durch die Spezialtiefbaufirma Züblin geschaffen, erläuterte Stadtplaner Helmut Kalupa auf Anfrage. Vorgeschaltet sind jedoch die Suche nach Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg sowie anschließend archäologische Grabungen: zunächst im Nordwesten im Anschluss an die Baustelle Bürgerdienste, die Funde früherer Befestigungsanlagen ergab. Dann wechseln die Archäologen auf die Ostseite. Die Grabungen sollen im wesentlichen zwischen November und Januar über die Bühne gehen.

Außerdem müssen natürlich für die Räumung des Baufeldes noch das stehengebliebene ehemalige Vordach von McDonald’s und die Rolltreppe der Unterführung auf der Cityseite weg. Kalupa skizzierte den weiteren Zeitplan: Der Rohbau der Untergeschosse, sprich der großen Tiefgarage (siehe auch Infokasten), soll bis Herbst 2017 über die Bühne gehen. Danach erfolgen bis zum Herbst 2018 der Rohbau der Obergeschosse – auf dem Dach des Einkaufszentrums entstehen noch mehr als 100 Wohnungen – und der Innenausbau. Die Eröffnung der Sedelhöfe ist schließlich für 2019 geplant.

Zu den Provisorien gehört neben dem McDonald’s-Container auf Höhe von Galeria Kaufhof und P&C von Mittwoch an zudem ein Container der Sparkasse Ulm mit Bankautomaten beim Einstein-Denkmal. Sparkassensprecher Boris Fazzini sagte, die Geschäftsstelle in der Bahnhofstraße 18 bleibe parallel „bis auf weiteres“ geöffnet, weil es noch „vertragliche Themen“ zu klären gebe.

 

Geht doch

Wer hätte gedacht, dass das noch gutgeht? Das Projekt Sedelhöfe stand zweifellos schon mal Spitz auf Knopf, und man konnte drüber scherzen, dass sich auf der Brachfläche am Stadteingang vom Hauptbahnhof her auch mal gut ein Mountain-Bike-Parcours einrichten ließe. Nun sind aber die Bauarbeiten für ein allem Anschein nach feines Projekt angelaufen, das Gunter Czisch damals als Finanzbürgermeister und der Hamburger Zweitinvestor DC auf die Bahn geschoben haben.

Dazwischen lagen einige Hürden: Proteste aus dem Handel gegen das Citytor, das erkennbar die Sedelhöfe vor den alteingesessenen Geschäften an der Fußgängermeile bevorzugte – mit der neuen Drehscheibe Albert-Einstein-Platz wird das viel besser gelöst.

Dann sollte das rückwärtige Vordach von Sport Sohn per Anordnung abgebrochen werden, weil es in die Sedelhöfe reinragte. Die Justiz spielte da aber nicht mit. Und für McDonald’s musste auf Kosten des Steuerzahlers ein teures Provisorium eingerichtet werden.

Aber: Ende gut, alles gut. Mit DC ist auch eine Aussöhnung zwischen Rathaus und wichtigen Repräsentanten der Ulmer City geglückt, die Modellcharakter hat. In diesem Zentrum zwischen Stuttgart und München, das durch die schnelle ICE-Trasse an Bedeutung zulegt, sollte ein ideologie-freier, vernünftiger Ausgleich von Interessen möglich sein.  Die Sedelhöfe in ihrer neuen Form – nicht als bloße Mall, sondern als Stadtquartier – können Ulm jedenfalls weiter nach vorne bringen.

Daten und Fakten

Sedelhöfe Die Sedelhöfe bestehen aus vier Gebäuden und einer mehrgeschossigen Tiefgarage mit 700 Plätzen. Der Hamburger Investor DC Values/DC Developments nimmt dafür 200 Millionen Euro in die Hand. Nach Fertigstellung Ende 2019  verkauft DC an die Aachener Grundvermögen, die zu 75 Prozent der katholischen Kirche gehört. In den Sedelhöfen gibt es nicht nur 18.000 Quadratmeter Handelsflächen, sondern 7000 Quadratmeter Büros und außerdem 112 im Durchschnitt knapp 70 Quadratmeter große Wohnungen (ein bis vier Zimmer).

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