Handwerk „Tag der offenen Werkstätten“ in der Münsterbauhütte

Herren der Steine: Die Männer aus der Münsterbauhütte demonstrierten am Sonntag am Tag der offenen Tür ihre handwerklichen Fähigkeiten.
Herren der Steine: Die Männer aus der Münsterbauhütte demonstrierten am Sonntag am Tag der offenen Tür ihre handwerklichen Fähigkeiten. © Foto: Matthias Kessler
Beate Storz 05.12.2016

Ernst Geiger weiß, wovon er spricht: „Ich konnte nächtelang nicht schlafen, habe oft über meine Arbeit gegrübelt. Wie fertige ich eine Fiale nach? Woher bekomme ich den notwendigen Stein?“ Geiger war 43 Jahre lang Mitarbeiter der Münsterbauhütte, von 1948 bis 1991. Oftmals schaut der Rentner heute noch in der Hütte vorbei, hält ein Schwätzchen mit den jungen Kollegen. Auch am Sonntag. Denn da war wieder Tag der offenen Tür in der Münsterbauhütte.

Für viele Besucher des Weihnachtsmarktes war dieser Tag eine perfekte Gelegenheit, mal einen längeren Blick ins Münster zu werfen und zu schauen, mit welchem Aufwand dessen Erhaltung betrieben wird. Denn hinter den Kulissen des monumentalen Bauwerkes arbeiten die Werkstätten jahraus, jahrein, um die Substanz zu erhalten.

22 Mitarbeiter

Was hier im Verborgenen gewerkelt wird, hält das Münster am Leben, von der Organisation riesiger Restaurierungsaufgaben bis hin zum Ersatz einer zerbröselten Fiale. 22 Mitarbeiter kümmern sich darum, dass das Münster durch sein Alter und die Umwelteinflüsse keinen zu großen Schaden nimmt. Das ist ein hoch spannendes Handwerk, und deshalb strömten die Weihnachtsmarktbesucher in die Bauhütte.

Dort roch es nicht nur nach Stein und Arbeit, sondern auch nach Maultaschensuppe. Und später nach Kaffee und den selbstgebackenen Kuchen der Mitarbeiter.

Zwischen 400 bis 500 Besucher begrüßte Michael Hilbert, seines Zeichens Münsterbaumeister und Leiter des Münsterbauamtes, am Tag der offenen Tür. Geduldig beantworteten er und seine anwesenden Mitarbeiter Fragen, von fachlich-erwachsen bis kindlich-neugierig.

Denn die Kleinen durften natürlich auch Hand anlegen, Steine bearbeiten, Meißel schwingen. Anton (5) und Konrad (8) aus Warthausen bei Biberach waren nach getaner Arbeit verstaubt, hatten einen pulvrig-weißen Überzug. Mit Hingabe und Enthusiasmus werkelten sie an einem Kalkstein, und die Brüder hatten sich zur Aufgabe gemacht, eine Stufe in den Stein zu meißeln. Ihre Eltern freuten sich, denn der Nachwuchs war bester Dinge und beschäftigt. Und Mutter und Vater konnten in Ruhe über den Weihnachtsmarkt spazieren. Hinter den Kindern saß der professionelle Steinmetz Andreas Schacher. Er wies die Kleinen an, wie der Meißel zu halten ist und achtete darauf, dass der Hammer den Meißel und weder den Finger noch den Stein trifft. „Das höre ich am Klang des Klopfens, dass der Konrad den Dreh raus hat“, lobte Schacher seinen „Lehrling“.

Alexandra Mahler aus Ulm hatte ihre Stuttgarter Familie zu Gast. Sie genossen die warme Gemütlichkeit  inmitten der doch geschäftigen Hektik des Marktes.

Verborgene Kammern

Die ehrenamtlichen Münsterführer der Bauhütte, zumeist Rentner, beantworteten alle Fragen. Horst Sprandel macht die Führungen seit sechs Jahren. Mit ihm konnten Besucher Stellen des Turmes entdecken, die ansonsten unbeachtet bleiben. „Im Ostturm gibt es verborgene Orte, zum Beispiel eine Rüstkammer“, berichtete Sprandel.

Mit ihm zusammen konnten die Besucher sogar im Freien außen am Hauptschiff entlang gehen. Solche Führungen sind begehrt; sie haben mit dem städtischen Fremdenverkehrsamt nichts zu tun. Deshalb sind sie direkt bei der Münsterbauhütte zu buchen.

Info Die Münsterbauhütte bietet individuelle Führungen an, für Gruppen, Firmen, auch für Kindergeburtstage. Hier erfährt man Hintergründiges zum Münster, seine Geschichte und seine Erhaltung. Näheres und Buchung im Sekretariat unter 0731-9675012.