Digital Die „initiative.digital.ulm“ stellt sich im Stadthaus vor

HANS-ULI THIERER, CHRISTINE LIEBHARDT 19.10.2016

Roter Teppich. Fotoshooting. In Blau und Rot getauchtes Stadthaus, voller Saal mit 250 Gästen. Live-Musik und Zimmers Zauberei. Canapés, Bier, Sekt. Der Auftakt war nicht virtuell und digital, sondern sehr real und greifbar.

So greifbar wie Michael Klamsers Antwort auf die Frage, was für ihn digital heißt. Der Chef des Ulmer Sporthauses lächelte und tischte ein praktisches Beispiel auf: „Wenn die Leute ihre Ski reparieren lassen, müssen sie nicht mehr zu uns ins Haus kommen, keinen Parkplatz suchen. Wir holen die Ski am Parkplatz ab. Alles wird abgewickelt übers Netz.“

Ein digitales Angebot eines Ulmer Sportfachgeschäfts. Aber natürlich gehen die Ansprüche des Vereins „initiative.ulm.digital“ weit über solche eher profanen Dienstleistungen hinaus. Ziel, so sagten der Vereinsvorsitzende Heribert Fritz und Oberbürgermeister Gunter Czisch als Beiratsmitglied der Initiative, sei es, Ulm zum digitalen Marktplatz für junge Talente zu machen. Den Nährboden zu bereiten, damit die Generation der Zukunft nach Ulm komme oder hier bleibe. Und dafür sorge, dass die Stadt auch 2030 noch prosperiere wie heute, wie Czisch formulierte. Der in diesem Zusammenhang auf die leidigen Baustellen und Staus verwies, die nicht anderes seien als Ausdruck, „dass es gut geht“. Und warum, so Fritz, sollte dieser ökonomisch, um Hochschulen und Wissenschaftsstadt angereicherte  vielfältige Platz Ulm nicht den Ehrgeiz entwickeln, Santander den Rang abzulaufen. Die spanische Stadt ist soeben zu Europas intelligentester Stadt ausgerufen worden.

Die „initiative.ulm.digital“ (siehe Info-Kasten) verstehe sich als Ansprechpartner, Moderator, Ideen- und Anstoßgeber. Sie wolle Ort der Bündelung von Interessen der Wirtschaft, der Wissenschaft, der Verwaltung „und letztlich aller Bürger“ (Fritz) werden. „Unsere Region hat die historische Chance in historischer Zeit“, übte sich der Gründungsvorsitzende der Inititative bei diesem großen digitalen Aufschlag in Großrhetorik. OB Czisch stand dem nicht nach: „Ulm soll digitale Vorzeigestadt werden.“ Dass Unternehmer im Ehrenamt im Benehmen mit der Stadt die Initiative dafür ergriffen hätten, „freut mich ganz besonders“.

Weil die Digitalisierung die ganze Gesellschaft verändern werde, sei es enorm wichtig, sie als Stadt mitzugestalten, sagte Uni-Präsident Michael Weber. „Es geht dabei nicht nur um technologische, sondern auch um gesellschaftliche und wirtschaftliche Aspekte, die häufig unterschätzt werden.“ Die Hochschule werde alles tun, um der Initiative mit Rat und Tat beiseite zu stehen.

Damit die Verzahnung zwischen Wirtschaft und Verwaltung klappt, fungiert Christian Geiger, bei der Stadt für ulm 2.0 zuständig, als Schnittstelle. „Es macht Ulm aus, dass alle die Digitalisierung als Top-Thema betrachten und an einem Strang ziehen. Das ist ein Vorteil gegenüber anderen Städten.“ Mit dem Wettbewerb Zukunftsstadt 2030, an dem Ulm teilnimmt und den Geiger als „Klammer für die digitale Kommune sieht“, und der Initiative sollen Projekte realisiert werden, von denen alle profitieren.

Dass dabei nicht die Freude verloren gehen sollte, daran erinnerte Stefan Kaufmann, Projektmanager des „Verschwörhaus“ (ehemals Stadtlabor): „Wir versuchen gerade nicht, hier Silicon Valley zu machen. Innovationskraft kommt aus dem spielerischen, dem spaßgetriebenen Ansatz.“

Wer dahinter steckt

Offensive Hinter der ins Vereinsregister eingetragenen „initiative.ulm.digital“ stecken vornehmlich Unternehmer(n), die das weite Feld der Digitalisierung offensiv beackern und Ulm für junge Akteure attraktiv machen wollen. Die Initiative arbeitet im Schulterschluss mit der Stadt, bei der Oberbürgermeister Gunter Czisch das Thema zur Chefsache erklärt hat. Seine rechte Hand ist Christian Geiger, als IT-Beauftrager zuständig für Grundsatzfragen zu ulm 2.0 und zur Digitalisierung. Mit der Auftaktveranstaltung im Stadthaus startet der Verein die Mitgliederwerbung, nachdem die Gründer kurz vor Schwörmontag zunächst einen Vorstand gebildet haben. Vorsitzender ist Heribert Fritz (Mitgründer der ehemaligen, inzwischen im französischen Vinci-Konzern aufgegangenen IT-Firma Fritz&Macziol), seine Stellvertreter sind Gerhard Gruber (Exxcellent solutions), Andreas Buchenscheit (Cortex Media) und Thomas Brackvogel (Neue Pressegesellschaft/SÜDWEST PRESSE). Schatzmeister ist Björn Semjan (System Zwo Group), als Schriftführer amtiert Geiger. Beiräte sind neben dem OB Steffen Maurer (Veranstaltungstechnik GmbH) und Ralph Ehmann (IWL AG). Der Jahresbeitrag, der im Einzelfall wie etwa bei Start-Up-Unternehmen erlassen werden kann, liegt je nach Firmengröße bei 2000 bis 8000 Euro.