Ulm Die "Hanf-Raketen" auf der Strecke

Aus dem Fotoalbum der Hemperium-Laufgruppe: „Obi“ Stefan Oberdorfer (ganz hinten, Dritter von links) hat in diesem Jahr 52 Teilnehmerinnen und Teilnehmer für das Hemperium-Team mobilisieren können.
Aus dem Fotoalbum der Hemperium-Laufgruppe: „Obi“ Stefan Oberdorfer (ganz hinten, Dritter von links) hat in diesem Jahr 52 Teilnehmerinnen und Teilnehmer für das Hemperium-Team mobilisieren können. © Foto: Privat
Ulm / BIRGIT EBERLE 17.09.2016
Onkel Otte und Schwager Chris haben „Obi“ und den Mitarbeitern des In-Lokals „Hemperium“ vor vier Jahren auf die Beine geholfen: „Sie haben vorgeschlagen, dass wir als Team mitlaufen“, erzählt Stefan Oberdorfer, der Mann mit den Rasta-Haaren, den alle nur „Obi“ nennen. Er ist Geschäftsführer des Hanf-Restaurants „Hemperium“ in der Zinglerstraße in Ulm und überhaupt ein Fachmann in Sachen Hanf.

Als dann noch ein Archäologe aus Augsburg, der regelmäßig nach dem Blutspenden in Ulm zum Flüssigkeitauffüllen ins „Hemp“ kam, das Thema Laufteam auftischte, lenkte der Hanf-Spezialist ein. „Ich hab’ g’sagt, dann machat mir’s halt mal“, erzählt Obi, dessen bevorzugte Sportarten eher das Motorradfahren und Tauchen sind.

Seither bereichert das Hemperium-Team die Vielfalt der Starter: vom Grundschüler (Obis Sohn Aaron) bis zur Endsechzigerin (Obis Mutter Erna) sind alle Altersgruppen vertreten. Auch das Berufsbild ist bunt, die Wirtschaftsmathematikerin in Promotionszeit inklusive.

Selbstverständlich macht sich auch die Belegschaft fürs Hemperium stark: „Unser Koch Andreas hat sieben Kilo abgenommen, damit er fit ist. Und Theker Hermi raucht jetzt weniger, weil er weiß, er muss ja laufen“, sagt Obi. Er freut sich darüber, dass alle an einem Strang ziehen. „Wir wollen zeigen, dass wir nicht die Deppen, die Kiffer sind.“ Dieses Vorurteil liegt immer noch in der Luft, obwohl Hanfprodukte heute – auch wegen des starken Vegantrends – zum Beispiel als Burger, Mus, Proteinpulver und mehr als normales Lebensmittel gelten.

Das Hemperium-Team ist in fast allen Marathon-Disziplinen vertreten, und Stefan Oberdorfer verspricht: „Dieses Jahr haben wir schon ein paar Raketen am Start.“ Wobei: Auch die Teams der vergangenen Jahre waren gut im Rennen – schließlich hat das Hemperium zweimal den ersten Platz bei der „Kneipenwertung“ erreicht und somit 50 Liter Bier in die Zinglerstraße heimgerollt.

Mit Spannung darf erwartet werden, ob der Chef selber offiziell an den Start gehen wird. „Bis jetzt war ich bei den Läufen immer im Service, habe unsere Läufer mit Hanf-Energy-Riegeln versorgt, damit sie bei Kräften bleiben“, sagt Oberdorfer. Er sei am Überlegen, den Fünfer zu laufen. „Zehn Kilometer sind zuviel, i mach’ mi ja ned hee.“

Ob er mit auf die Strecke geht oder nicht, sein Wunsch für den 25. September steht jetzt schon fest: „Ich hoffe, dass es alle gut ins Ziel schaffen. Ohne Verletzungen.“ 
 

Zur Person

Stefan Oberdorfer („Obi“) wurde 1970 in Ehingen geboren. Der gelernte Maler verkauft seit fast 25 Jahren Hanfprodukte – im Lokal „Hemperium“, im Hanflager in der Ulmer City und im Online-Shop. Er hat seine Hanfburger patentieren lassen und produziert sie – wie etwa auch den Snack „Knusperhanf“ – in Eigenregie. Oberdorfer ist verheiratet und hat drei Kinder. Sein Lebensmotto: „Man muss seinen Weg gehen und dazu stehen.“ 

 

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