Ulm/Neu-Ulm Die 16. Kulturnacht: Ein feuchtes Vergnügen

MAGDI ABOUL-KHEIR 18.09.2016
Es war ein feuchtes Vergnügen, aber eben trotzdem ein Vergnügen: Die 16. Kulturnacht Ulm,/Neu-Ulm lockte wieder Tausende mit ihrem spritzigen Programm.

„Hier ist niemand willkommen – keiner erwartet Dich“, war schon im Programmheft zu lesen. An der Tür des Lernstudios Kursiv stand dann auch noch „Keep Out“. Doch natürlich wollte Michael Jurek nur, „dass die Leute sich wundern und dann trotzdem trauen“. Innen erwarteten die Kulturnacht-Gäste dann Matratzen und eigens produzierte, teils beklemmende Sound-Collagen zur Flüchtlingsthematik – daher auch die Sache mit der geschlossenen Tür.

Sonst standen die Türen während der 16. Kulturnacht in Ulm und Neu-Ulm aber an fast 90 Orten sperrangelweit offen. Denn erst die enorme Breite des Angebots macht sie zu der „Nacht voller kultureller Möglichkeiten“, als die sie der zweite Neu-Ulmer Bürgermeister Albert Obert während der Eröffnung anpries. Die Kulturnacht sei „in vielerlei Hinsicht einzigartig“, lobte auch Ulms Kulturbürgermeisterin Iris Mann. Und Jahr für Jahr gibt es trotz der vielen liebgewonnenen Kulturnacht-Klassiker – wie die enorm gut besuchte „Late Night“ im Münster mit ihren expressionistischen Lichtspielen und meditativer Musik – auch immer Neues. So war etwa das Neu-Ulmer Brückenhaus nicht nur Ort der Eröffnung, sondern eben auch zum ersten Mal als Spielort dabei, mit gleich acht Veranstaltungen von Schülerrockmusik bis zur digitalen Kunst.

Um 18.40 Uhr wünschte Obert den Besuchern schon „eine wahrhaft gute Nacht“ – und die sollten die meisten dann auch verbringen. Wobei auf den Straßen und Plätzen schon etwas weniger los war als in den vergangenen Jahren, denn so nass war es in der Kulturnacht nur selten gewesen. Aber dafür war es in den Spielorten, den Museen und Cafés, Galerien und Begegnungsstätten, Theatern und Kneipen umso voller; vielerorts bildeten sich Schlangen vor dem Einlass.

Manches beeinträchtigte der Regen freilich schon etwas, auch wenn selbst der Hengst Horaz, auf dem Lyrikerin Christine Langer vor dem Münster Texte vortrug, die Ruhe bewahrte. Auf dem Judenhof mussten die Akteure der Zirkusschule Serrando wegen der Rutschgefahr besonders aufpassen. Und doch begeisterten sie im Ring, auf den Einrädern und mit Akrobatik – 2015 gewannen sie den ersten Kulturnacht-Preis. Wer ihn diesmal bekommt, wird am 26. September bekanntgegeben.

Ein ungewöhnliches trockenes Plätzchen hatte sich „Al dente – Der Chor mit Biss“ gesucht: Unter dem Motto „Liebe und Verkehr“ sang er in der Tiefgarage Neue Mitte Pop, Schlager und Gospel. Endlich echte Sub-Kultur in Ulm! Und unter der Eisenbahnbrücke war es auch halbwegs trocken: mit „Schienengesang“, Arien und Gedichten.

Manche Künstler waren gar an mehreren Orten zu Gange, etwa die kraftvolle Flamenco-Truppe, die auf dem Münsterplatz und bei Dansarts loslegte. Dort gab es auch nochmals Ausschnitte aus der tollen „Before I Die“-Performance zu sehen.

Toll war auch einmal mehr die klangliche Bandbreite. In der Musikschule konnte man erleben, wie Hausherr Heinz Gassenmeier und Susanne Lohwasser an zwei Flügeln konzertierten, Wolfgang Lackerschmid bot im Museum der Brotkultur Jazz-Feinkost, im Servicezentrum Neue Mitte spielten Liffy Looms und Jesus George auf, und aus der Tisch-Werkstatt Weiss tönte noch zu später Stunde knackiger Rock.

Von der famosen Foto-Kunst in der Walther Collection über die Lichtprojektion an der vh bis zum Frank-Zappa-Revival in der Griesbadgalerie: Es gab wahrlich reichlich Grund, in dieser Nacht ausgiebig unterwegs zu sein. So war die 16. Kulturnacht Ulm/Neu-Ulm ein fröhliches und halt dazu feuchtes Vergnügen. Man musste nur aufpassen, nicht vom Bierbike umgefahren zu werden – denn darauf fand ein feucht-fröhliches Vergnügen der anderen Art  statt.

11.000 Besucher

Publikum 
„Der Regen hat dem Publikumszuspruch keinen Abbruch getan.“ Sehr guter Dinge zog Carmen Mark vom Organisationsteam am Sonntag ein erstes Resümee der 16. Kulturnacht Ulm/Neu-Ulm. „Wir gehen von rund 11.000 Besuchern aus“, sagte sie – in den vergangenen Jahren waren es immer gut 10.000 gewesen. Und die Veranstalter hätten sich in den ersten Rückmeldungen „alle hochzufrieden“ geäußert.