Auszeichnung Lichtdesign-Preis für das neue Münster-Licht

Ulm/Köln / Verena Schühly 18.05.2018
Eigens entwickelte Lampen und 1750 einzeln ansteuerbare LED-Leuchtköpfe machen den gotischen Raum gut sichtbar.

„Das Ulmer Münster gewinnt in der Kategorie ,Kulturbauten’“ – mit dieser Überschrift beginnt die Pressemitteilung über den deutschen Lichtdesign-Preis, der heute Abend in Köln verliehen wird. Das heißt:  Das Ingenieurbüro Bamberger aus Pfünz bekommt für die Konzeption der neuen Lichtanlage im Münster den ersten Preis.

Seit Spätherbst 2016 hängen in den Jochen zwischen dem Mittel- und den Seitenschiffen neue Lampen, die eigens fürs Münster entworfen wurden. Es sind gut zwei Meter lange, senkrechte, mattsilberne und filigran wirkende Stäbe, an denen paarweise 20 bis 24 LED-Strahler angeordnet sind. Diese lassen sich alle einzeln ansteuern und ausrichten. Ein kleiner Teil von ihnen gibt das Licht nach unten ab, der Großteil aber geht nach oben in den Kirchenraum und erzeugt Reflexionen.

„Das Lichtkonzept von Bamberger setzt die gotische Architektur und deren natürliche Lichtführung als Maßstab an. So wird nicht nur das fehlende Funktionslicht ergänzt, sondern auch das Raumerlebnis, welches sich bereits aus der natürlichen Tageslichtführung und der Intention früherer Baumeister ablesen lässt, fortgeführt“, heißt es in der Begründung der Jury. Außerdem wird gewürdigt, dass durch die entwickelten Lampen die Sichtachsen der Schiffe frei bleiben und der Blick ins Gewölbe ungehindert möglich sei.

1750 LED-Lampenköpfe

Auch der Chor und die Turmhalle wurden mit neuen Leuchten ins Konzept integriert. Insgesamt sorgen 1750 LED-Lampenköpfe jetzt für das neue Licht im Münster. Alle sind per Computer einzeln anssteuer-, zuschalt- und dimmbar. Außerdem haben die Ingenieure Bamberger unterschiedliche Lichtszenarien programmiert: beispielsweise für festliche Gottesdienste, intimere Gottesdienste oder Konzerte.

Dekan Ernst-Wilhelm Gohl freut sich über die Auszeichnung: „Alle sind begeistert über das gute Licht, mit dem man jetzt überall bestens lesen kann. Das ist der praktische Nutzen unserer neuen Lichtanlage. Darüberhinaus leistet sie aber viel mehr: Sie macht die Architektur der Gewölbe sichtbar wie nie vorher – und nimmt sich selbst dabei zurück.“ Allein für diesen „respektvollen Umgang“ hat das Konzept für Gohl den Preis verdient. „Zum Beispiel bei Abendgottesdiensten leitet das Licht – im wahrsten Sinn des Worts – die Menschen. Da muss man keine Schilder aufstellen“, berichtet Gohl.

Für Münsterbaumeister Michael Hilbert ist es Bamberger gut gelungen, mit Hilfe der Technik „den natürlichen Lichteinfall zu simulieren, wie an einem Sonnentag“.