Ulm / FRANK KÖNIG  Uhr
Vermögende Anleger werden von vielen Finanzdienstleistern umworben. Die Deutsche Bank baut nun ihr Engagement in Ulm nach mehrjähriger Pause wieder aus. Sie betreut 40 bis 50 reiche Familien der Region.

Die Vermögensverwaltung für reiche Anleger ist selbst in einer wohlhabenden Region wie Ulm keineswegs ein Selbstläufer. So hat die auf vermögende Privatkunden spezialisierte Schweizer Großbank UBS 2009 nach nur zwei Jahren ihre Filiale in Ulm wieder geschlossen.

Auch die Deutsche Bank hatte das Wealth Management in Ulm nach dem Weggang ihres damaligen Repräsentanten Frank Hurler zur Fürstlich Castellschen Bank vor Ort nicht mehr besetzt, kehrt nun jedoch nach Ulm zurück. Dabei handelt es sich um eine Initiative des neuen Stuttgarter Verantwortlichen Alexander Mast, der zum Jahresanfang von der Hypovereinsbank zur Deutschen Bank zurückgekehrt ist, in Erbach lebt und daher die Vorzüge des Standorts kennt. Selbst nach den Problemen im Vorjahr mit der Schließung der Lastwagen-Montage von Iveco und des Nokia-Forschungszentrums im Science Park habe der Wirtschaftsstandort eine "große Stabilität" bewiesen. Es gebe hier sehr starke Unternehmen.

Mit florierenden Firmen sind auch Unternehmer verbunden, die über das notwendige Millionenvermögen verfügen, das eine Betreuung beim Wealth Management voraussetzt. Der neue Ulmer Statthalter der Deutschen Bank, Lars-Peter Schäfer, betreut demnach in der Region 40 bis 50 Familienverbünde mit rund 120 einzelnen Kundenverbindungen. Er leitet ein Team von drei Mitarbeitern, die ihr Büro in der Filiale am Münsterplatz haben. Schäfer räumt ein, dass es durch die nach Hurlers Weggang entstandene dreijährige Vakanz negative Rückmeldungen aus der vermögenden Kundschaft gab: "Die Kunden wollen örtliche Präsenz." Unter dem Strich habe man das verwaltete Vermögen in Ulm dennoch erhöht.

Die Deutsche Bank betrachtet sich in der Vermögensverwaltung für wohlhabende Anleger bundesweit als Marktführer vor der Hypovereinsbank. In der Marktregion Stuttgart, zu der auch Ulm gehört, wuchs das Volumen der Anlagegelder vergangenes Jahr um elf Prozent oder 708 Millionen Euro. Deutschlandweit bewegte sich der Zufluss an Kundengeldern mit acht Milliarden Euro auf Rekordhöhe. Die Deutsche Bank verwaltet im Wealth Management etwa 74 Milliarden Euro.

Alexander Mast sieht erheblichen Beratungsbedarf bei Anlegern, weil in der Niedrigzinsphase klassische Spareinlagen unter Berücksichtigung der Inflation zu einem Vermögensverlust führen. Allerdings steigen bei langlaufenden festverzinslichen Papieren die Zinsen schon wieder an, was aber Vorsicht beim Kauf von Rentenpapieren bedingt, weil die Langläufer im Kurs fallen dürften. Die Bank setzt auf die Aufwärtstendenz in den Vereinigten Staaten und bei Aktien auf solide und dividendenstarke Titel.