Ulm Deutlich weniger Einbrüche in der Region

HANS-ULI MAYER 14.09.2016
Im ersten Halbjahr 2016 ist die Zahl der Wohnungseinbrüche zu 2015 um etwa die Hälfte zurückgegangen. Die Polizei ist vorsichtig optimistisch.

Bei den seit Jahren zunehmenden Wohnungseinbrüchen zeichnet sich eine Umkehr des bisherigen Trends ab. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2015 sind von Januar bis Ende Juni dieses Jahres im Stadtgebiet nur noch 74 Einbrüche angezeigt worden gegenüber 136 im Vorjahr. Das entspricht einem Minus von 46 Prozent.

„Für den Stadtkreis Ulm kann man davon ausgehen, dass wir einen Rückgang haben und die Zahlen von 2015 nicht erreichen“, gibt sich der Sprecher des Polizeipräsidiums Ulm, Wolfgang Jürgens, betont vorsichtig. Möglicherweise könne bei gutem Verlauf sogar die Zahl von 2014 unterboten werden, was dann einen deutlichen Rückgang auf das ganze Jahr bezogen bedeuten würde. Allerdings steht noch die dunkle Jahreszeit bevor, in der es früher dunkel wird und die Zahl der Einbrüche traditionell zunimmt.

Die zweite gute Nachricht betrifft die Verurteilungen von Einbrechern, die landesweit um satte 18,2 Prozent zugenommen hat, wie diese Woche Justizminister Guido Wolf in Stuttgart sagte. Immerhin bedeutet dieser Zuwachs, dass die in diesem Deliktsbereich niedrige Aufklärungsquote gesteigert wurde und mehr Einbrecher als in früheren Jahren ermittelt werden konnten.

So erfreulich der Rückgang bei den Wohnungseinbrüchen ist, die Zahlen sind mit einer gewissen Vorsicht zu betrachten, sagt Polizeisprecher Jürgens. Während für Ulm und auch für den Alb-Donau-Kreis (minus 22 Prozent) leichte Entwarnung gegeben werden kann, sind in den Landkreisen Göppingen und Biberach Zuwächse zu verzeichnen. Allerdings seien die absoluten Zahlen recht niedrig, weshalb der hohe prozentuale Zuwachs von 50 Prozent in Biberach nicht so aussagekräftig ist.

Die Polizei sieht in dem Rückgang natürlich eine Bestätigung ihrer Arbeit. So wurde schon vor zwei Jahren eine gemeinsame Ermittlungsgruppe aus Schutz- und Kriminalpolizei gegründet. Die Beamten bearbeiten zwar nicht jeden Einzelfall, führen aber die Erkenntnisse zusammen und erstellen Profile, die die Vorbeugungs- und Aufklärungsarbeit erleichtern.

Klar verbessert wurde auch die Tatortarbeit, wie zum Beispiel die Spurensicherung. „Wir sind beispielsweise in betroffenen Gebieten gezielt Streife gelaufen“, sagt Jürgens, der damit auch dem immer wieder erhobenen Vorwurf begegnet, die Polizei zeige zu wenig Präsenz. Polizeibeamte haben Flyer verteilt oder Bewohner gezielt auf Schwachstellen angesprochen. „Trotzdem findet man immer noch überall offen stehende Fenster oder schlecht gesicherte Haus- und Wohnungstüren“, beklagt Jürgens.

Noch nicht im Einsatz im Ulmer Polizeipräsidium ist derweil das derzeit erprobte Computerprogramm „Precobs“. Die Software soll aufgrund der Daten bisher verübter Wohnungseinbrüche errechnen, wo weitere Taten wahrscheinlich sind. Das Programm ist derzeit in der Pilotphase und basiert auf der Theorie, dass ein Täter immer wieder dorthin zurückkommt, wo er schon erfolgreich war, wo er die Gegend, vor allem aber die Fluchtwege kennt.

Tatsächlich zeigen die bisherigen Fahndungserfolge, dass es sich selten um Einzeltäter handelt, die nur einmal zuschlagen. Vielmehr sind Gruppen unterwegs, die systematisch vorgehen und eine Vielzahl an Einbrüchen verüben.

Nach wie vor sehr skeptisch ist die Polizei, was die Forderung nach einem Freiwilligen Polizeidienst für den Streifendienst anlangt. Diese Forderung hatte erst kürzlich die FWG-Stadträtin Helga Malischewski erhoben – unterstützt von Oberbürgermeister Gunter Czisch, der in einem Brief an den Innenminister die Forderung der FWG unterstützte. Malischewski wünscht sich Streifen von Polizeifreiwilligen in Wiblingen, um der, wie sie sagt, ständig zunehmenden Wohnungseinbrüche Herr zu werden.

 

Ein Kommentar von Hans-Uli Mayer: Vorsichtig optimistisch

Jahrelang sind die Zahlen der Wohnungseinbrüche gestiegen und mit ihnen das schrille Geschrei selbsternannter Sicherheitswächter. Jetzt kehrt sich die Entwicklung erstmals um, was Grund zu vorsichtigem Optimismus gibt. Vorsichtig deshalb, weil es nur eine Halbjahresbilanz ist. Und Vorsicht auch deshalb, weil die absoluten Zahlen nicht so hoch sind, als dass man einen stabilen Trend ablesen könnte.

Dennoch springt Ulm damit auf den Landestrend auf, der schon im zweiten Jahr anhält und jetzt auch die für Straftäter verkehrsmäßig ideal liegende Stadt an der Donau erreicht. Zu verdanken ist diese Umkehr zuvörderst der Polizei, die mit speziellen Programmen und Ermittlungsgruppen auch in Ulm viel erreicht hat. Es konnten mehr Täter ermittelt werden, und es wurden vor allem große Anstrengungen unternommen, Haus- und Wohnungsbesitzer zu sensibilisieren und auf die Möglichkeiten zum eigenen Schutz hinzuweisen.

Sollte sich dieser Trend tatsächlich verfestigen, dann wäre dies eine wirklich gute Nachricht. Vor allem aber eine, die den Scharfmachern auf diesem Gebiet zu denken geben sollte. Die vorschnellen Rufe nach Sicherheitswachten und freiwilligen Polizeihelfern ertönen immer noch viel zu schnell – unterstützt leider auch noch vom OB.

Wer nicht nur politisch profitieren, sondern wirkliche Sicherheit will, muss seriös bleiben und die professionelle Polizei stärken – nicht irgendwelche Möchtegern-Sheriffs.