Roggenburg Der Zufall bestimmt den Bildausschnitt: Landschaftsfotografie im Kloster

Schnappschuss aus dem Zug: eine Fotografie Christof Rehms.
Schnappschuss aus dem Zug: eine Fotografie Christof Rehms. © Foto: Christof Rehm
Roggenburg / OTFRIED KÄPPELER 08.08.2015
Christof Rehms Landschaftsfotografien sind Zufallsprodukte. Im Kloster Roggenburg sind seine Arbeiten jetzt bis November zu sehen.

Ob sich Christof Rehm für Landschaften wirklich interessiert, darf bezweifelt werden. Allein schon der Titel "Geliehene Landschaft" für seine Ausstellung im Kloster Roggenburg weist auf Distanz hin.

Landschaft ist nun mal einfach da, verfügbar, etwa wenn der Künstler mit dem Zug von Augsburg, wo er lebt, nach München fährt, wo er bei Günter Förg und bei Karl Imhof studiert hat. Aus dem fahrenden Zug sind Fotos entstanden, die bestimmt keine Suche nach der idealen Landschaft vorführen, sondern einen konzeptionellen Umgang mit dem Motiv.

Allein schon die Haltung des Fotografen ist eigen. Gerne fotografiert er zum Beispiel mit dem I-Phone. Es ist nicht nur ein zufällig gefundener Bildausschnitt, es ist zudem die einfache, ja nichtkünstlerische Technik, die die Haltung des Fotografen zu seinem Sujet verschärft. Auf die Spitze des lapidaren Umgangs mit dem Motiv treibt es Christof Rehm, wenn er in einer Ausstellung ein kleines Foto von August Sander quasi aus der Hüfte abfotografiert und samt Deckenspiegelung zu einem enormen Großformat mit allen Verpixelungen vergrößert. Das ist tatsächlich eine geliehene Landschaft, und spätestens hier bekommt das Romantische, das dem Motiv eigen ist, etwas Alltägliches, wie Andreas Strobl von der Staatlichen Graphischen Sammlung München in seiner Einführungsrede meinte.

Unschärfen, Vergrößerungen, Verpixelungen, lapidar-zufällig gewählte Bildausschnitte, verschiedene Drucktechniken für die Fotos, Variationen der Bildträger und bisweilen enorme Helldunkelkontraste, wenn sich ein Blitz fast im Schwarz einer Aufnahme verliert, all das führt die lapidare wie entschieden experimentelle Haltung des Fotografen vor. Dass bei aller konzeptionellen Haltung dann doch wirkstarke Bilder entstehen, ist erstaunlich und in jedem Fall ein zeitgemäßes Weiterschreiben des Sujets Landschaftsfotografie.

Info Die Fotografien Christof Rehms sind bis 29. November im Prälatengarten des Klosters Roggenburg zu sehen: Do-Sa 14-17, So 10.30-12 und 14-17 Uhr.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel