Der wütende Pfeffer

Temperamentvolle Revue: "10 x 10" am Akademietheater. Foto: Jonas Gröner
Temperamentvolle Revue: "10 x 10" am Akademietheater. Foto: Jonas Gröner
ELVIRA LAUSCHER 06.06.2013
Das Theaterfestival "Luaga & Losna" in Vorarlberg ist eine Dramatikerbörse. In diesem Jahr haben Studenten der AdK zehn Szenen aus den zehn eingereichten Stücken ausgewählt und in Szene gesetzt.

Keine leichte Aufgabe hatten Spielleiter Manfred Jahnke und sein Team von "Luaga & Losna", dem internationalen Theaterfestival für ein junges Publikum in Vorarlberg. Aus ursprünglich zehn, diesmal zum 20-Jahre-Jubiläum sogar zwölf von der Festivalleitung ausgewählten, bisher nicht aufgeführten, teilweise sogar noch unfertigen Stücken sollte eine szenische Revue entstehen. Ein Wagnis, doch innerhalb einer intensiven Probenwoche entstand ein spannender und temperamentvoller einstündiger Theaterabend - wie nun bei der Uraufführung der Revue im Akademietheater zu erleben war.

Zwölf verschiedene Stoffextrakte von zwölf Autoren - und doch schlängelte sich ein roter Faden durch die Szenen: Menschen, die in der Gesellschaft leiden und meist einen Verlust empfunden haben. Da ist das kleine, vorwitzige Mädchen Sophie (vielseitig und charismatisch: Sophie Amman), die sich eine neue Mama wünscht und nach der Erfüllung des Wunsches doch lieber die richtige Mama zurückhaben will - diese lässt sie nicht so viele Süßigkeiten essen, bis ihr schlecht wird. Oder die "Aufregung im Küchenkasten" von Martin Ohrt, der den Neuankömmling im Küchenkasten, den Cous-Cous, vom Pfeffer ausgrenzen lässt. Das wird ganz hervorragend vorgetragen von Lene Lennermann, die Spaghetti, Salz, Pfeffer und Cous-Cous wie bei einem Puppenspiel agieren lässt und dabei sogar Dialekte einflicht. Oder der Amoklauf des Jungen Mike, der sich mit der Pistole in der Hand plötzlich wichtig statt perspektivlos vorkommt: "Klappe, Opfer, das ist meine Show!"

Schauspielerisch und textlich toll auch "Material Girl" von Marianne Strauhs: Darin verliebt sich der Gott des Reichtums (Matthias Happach) in die Göttin der Armut (Birgit Werner). Literarisch stark wirkte die Lesung von "Kampfangst" von Martine Lombard über den Jungen Paul, dessen Geburtstag zumindest dem Optiker nicht entgangen ist; ansonsten fühlt er sich so allein, dass er sich sogar einen Hund aus dem Tierheim als geliehenen Geburtstagskumpel besorgen muss.

Insgesamt eine lebendige, frische Inszenierung, musikalisch abwechselnd von Sophie Ammann und Matthias Happach (dem einzigen Mann neben den sechs Schauspielerinnen) am Klavier begleitet. Auch wenn manche Szene sich in ihrer Kürze nicht unbedingt inhaltlich erschloss - Langeweile kam nie auf.

Seit zehn Jahren kooperieren die AdK und das Festival in Sachen Literaturwerkstatt, und so entstand die Idee zur Szenenrevue. In der nächsten Woche wird diese auf dem Festival in Nenzing vorgestellt, und die zwölf anwesenden Autoren sehen zum ersten Mal, wie ihre Stoffe auf der Bühne wirken. Da würde man gerne Mäuschen spielen.

Info Nochmals heute und morgen, 20.15 Uhr, im Akademietheater. Vorstellung auf dem Festival in Nenzing am 12. Juni, www.luagalosna.at