Förderverein Vorsitzender des Vereins Pro!Hochschule Ulm Joachim Lang zieht sich zurück

Ulm / Rudi Kübler 22.08.2017
Joachim Lang zieht sich nach acht Jahren als Vorsitzender von Pro! Hochschule Ulm zurück. Er appelliert an die Studierenden, über den Tellerrand des Studiums hinauszublicken.

Zeit für einen Wechsel war es, sagt Joachim Lang. Und lehnt sich zurück. Einfach Zeit für einen Wechsel. Nicht mehr, nicht weniger. Soll heißen: Nach acht Jahren als Vorsitzender des Vereins Pro!Hochschule Ulm, dem Netzwerk der Alumni und Förderer, kann man sich auch mal getrost zurücklehnen. Und die Geschicke des Vereins in andere Hände legen. „Nach acht Jahren tritt eine gewisse Sättigung ein, da braucht es frisches Blut, neue Ideen, um den Verein nach vorne zu bringen.“

Apropos Blut: Viel Herzblut ist bei ihm immer geflossen, wenn es um die Hochschule ging. Und Herzblut wird auch weiterhin fließen. Kein Wunder, Lang hat am Campus in der Prittwitzstraße studiert, Feinwerktechnik von 1981 bis 1985. „Ich habe hier gute Jahre verbracht“, sagt der heute 57-Jährige, der in Bochum aufgewachsen ist und an der Hochschule Ulm, die damals noch als Fachhochschule firmierte, im Asta-Vorstand aktiv war. Stichwort: FH-Faschingsbälle, „legendär und berühmt-berüchtigt“. Oder: Sauschdall. „Bis dahin hatte ich von Musik nur wenig Ahnung, aber als einer das Programm machen musste ... tja.“ Okay, zwei, drei Kommilitonen halfen mit, die Sache lief und machte Spaß. Lang lernte was fürs Leben, Menschen zusammenführen, Menschen motivieren, Dinge, auf die er später im Roxy, im Ulmer Zelt, vor allem aber in seinem Job wieder zurückgreifen konnte.

Lebendiges Campusleben

Nach dem Studium ließ Lang die Verbindung zu seiner Fachhochschule nicht abreißen. Unmittelbar nach dem Diplom trat er dem Förderverein bei – wohl als einziger der Absolventen? Er nickt und lacht. Und skizziert damit das Manko, das sich hartnäckig bis heute hält: Die frischgebackenen Ingenieure nehmen ihre Urkunden in Empfang und lassen sich nie wieder auf dem Campus blicken. Das Thema Hochschule ist für sie erledigt. „Verglichen mit England und den USA herrscht leider ein anderes Verständnis der Verbindung zur Hochschule, an der man studiert hat.“ Aber wie lässt sich dieses Zugehörigkeitsgefühl erzeugen? Ziel müsse sein, ein lebendiges Campusleben zu etablieren und den Studierenden die Bedeutung dieses Lebensabschnitts klar zu machen. Selbst wenn der Stress zunimmt, weil das Studium immer komprimierter wird, „dann muss es doch einen Ausgleich dafür geben. Studieren ist nicht nur Absitzen und Lernen“, plädiert Lang für einen Blick über den Tellerrand und für einen bewussteren Umgang mit dieser Zeitspanne.

Der Wohlfühl-Campus dürfte aber auch der Hochschule einiges bringen, davon ist Lang überzeugt. Denn die Studenten, die sich gerne an „ihre“ Hochschule erinnern, werde sich später, im Beruf stehend, auch wieder an sie wenden. „Das sind potenzielle Kandidaten für die Weiterbildung.“ Eine enge Bindung zu den Alumni, zu den Ehemaligen, verschafft Vorteile im Wettbewerb der Hochschulen, ein zweites Standbein sozusagen, sollten die Studierendenzahlen nachgeben.

Konstante Mitgliederzahl

Das Interesse der Absolventen an Pro! Hochschule Ulm ist allerdings weiterhin nicht berauschend. Daraus macht Lang keinen Hehl, seine achtjährige Amtszeit bescherte dem Verein keinen exorbitanten Mitgliederschub. „Die Zahl ist mit 500 Mitgliedern aber konstant.“

Dennoch prosperiert der Verein nach Jahren der Stagnation. Unter seiner Ägide hat Pro! Hochschule Ulm ein Mentoring-Projekt für die Unterstützung und Begleitung von Studierenden aufgelegt, der Verein vergibt einen Innovationspreis für herausragende Abschlussarbeiten oder fördert Auslandsstipendien. Und: Lang hat mit seinen Vorstandskollegen Gesprächskreise ins Leben gerufen, „um Wirtschaft und Hochschule zu verknüpfen und die Türen für Kooperationen zu öffnen“. Vor allem Mittelständler suchten Ansprechpartner an der Hochschule, der einzig technisch orientierten Hochschule im weiten Umkreis. „Das ist ein Pfund, mit dem wir wuchern können.“

Wir? Ja, Joachim Lang steht zwar nicht mehr in der ersten Reihe, aber er wird sich auch weiterhin mit seiner Hochschule identifizieren. Mit dem Zurücklehnen ist das allerdings so eine Sache. Der 57-Jährige, der Geschäftsführer der Unternehmensberatung Consinion ist, hat noch genügend anderes an der Backe.

Der neue Team ist komplett

Wahlen Neben dem Vorsitzenden Joachim Lang beendete auch Manfred Müller seine Tätigkeit bei Pro! Hochschule Ulm. Neuer Vorsitzender ist Ralph Ehmann; der Vorstand des Ulmer Logistikberaters IWL ist Lehrbeauftragter an der Hochschule. Weitere Vorstandsmitglieder: Gregor Hermann, der nach seinem Informatik-Studium an der Hochschule exxcellent solutions mit gründete, und Prof. Steffen Wettengl. Für die Finanzen ist Thomas Kornitzer (Sparkasse Ulm) zuständig. Beisitzer sind Corinna Gruber (Hochschule Ulm), Gerald Matyssek (Dozent und Berater), Reinhold Straub (Gulp Solutions, Ulm), Christoph Glöggler (Evobus, Neu-Ulm), Rektor Volker Reuter, die Professoren Hartwig Baumgärtel und Norbert Rohbeck sowie Bruno Kluger als Vertreter der Studierenden.

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