Schon als kleiner Bub hat Daniel Borosan (38) in seiner Heimatstadt Jasi an der Grenze zu Moldawien seiner Mutter über die Schulter und in die Kochtöpfe geschaut. Kochen, so sagt der Rumäne, sei schon immer seine große Leidenschaft gewesen.  Den Traum vom eigenen Restaurant hat er lange gehegt und sich im Dezember vergangenen Jahres endlich erfüllt. Zusammen mit seiner Partnerin Ana-Maria Alexa (40) eröffnete er in der Leipheimer Straße in Pfuhl im ehemaligen Hotel „Erbprinz“ sein rumänisches Restaurant „La Fonfeu“. Der Name ist pure Fantasie und kann ins Deutsche nicht übersetzt werden.

Die rumänische Küche steht weniger für feine Gerichte, sondern eher für schwere Hausmannskost. In diesem Fall Hausfrauenkost, denn Daniel Borosans Vorbild ist ja seine Mutter. Wie in anderen Ländern auf dem Balkan ist die Küche eher durch Eintopf- oder Schmorgerichte bekannt. Sicher deftig, aber auch lecker. Auf den Tisch kommt, was das Land hergibt. Fleisch vom Schwein, vor allem aber vom Schaf. Kartoffeln als Beilage spielen eher eine untergeordnete Rolle. Im Mittelpunkt steht die „Mamaliga“, ein gekochter fester Maisbrei, auch als Polenta bekannt. Gemüse gibt es auch. Weil aber die Winter auf dem Balkan oft streng sind, wird für diese Zeit viel vom dem, was im Garten wächst, eingekocht oder eingelegt. Beispielsweise Gurken oder grüne Tomaten in Salzlake.

Die Speisekarte

All das ist im „La Fonfeu“ auf der Speisekarte zu finden. Zum Beispiel „Tochitura moldoveneasca“, also geschmortes Schweinefleisch. Oder „Sarmale“, wie die mit Hackfleisch gefüllte Krautwickel heißen. Dazu wird immer „Mamaliga“ serviert. „Fasole cu cirnati“ ist ein Eintopf aus weißen Bohnen und Wurst. Und „Ciorba de burta“ wird die Kuttelsuppe genannt. Wer will, kann auch Konventionelles haben: eine gemischte Grillplatte, auch Cevapcici auf rumänische Art zubereitet, ein Rump- oder Putensteak mit Grillgemüse und Knoblauchbaguette. Die Preise sind zivil und überschreiten nur beim Rumpsteak die 20-Euro-Grenze. Ansonsten liegen sie deutlich darunter.

Im „La Fonfeu“ werden auch rumänische Weine ausgeschenkt, gekeltert aus autochthonen Reben, die nur in der Walachei wachsen, so den weißen „Feteasca Regala“ oder den roten „Negru de Draganasi“. Es gibt aber auch bekanntere Sorten wie Chardonnay oder Cabernet Sauvignon.

Der Aufwand, den Daniel Borosan in der Küche treibt, ist groß, in seinem Fall sogar ziemlich groß. Alles ist selbst gemacht. Der Vorteil: Schmorgerichte kann man auch aufwärmen. Sie schmecken dann umso besser. Auch bringen Freunde das mit, was seine Mutter in Rumänien eingelegt hat. Das Restaurant betreibt er quasi im Nebenjob. Er, der in Rumänien Großhandelskaufmann gelernt hat, arbeitet als Polier auf dem Bau. Morgens von 8 bis 12 Uhr, nachmittags von 14.30 bis 16.30 Uhr. Sein Chef ist ein Freund, der auch das dem „La Fonfeu“ benachbarte Hotel betreibt. Wobei der ehemalige „Erbprinz“ nicht mehr als Hotel dient, sondern als so genannte „Monteur Unterkunft“, wie an der Fassade steht. In den knapp 20 Zimmern wohnen ausschließlich rumänische Gastarbeiter.

Wer jetzt glaubt, dass das „La Feonfeu“ für sie eine Art Kantine ist, der täuscht sich. Von den Arbeitern, so sagt er, lasse sich kaum einer im Restaurant blicken. „Die sind überaus sparsam und nehmen das Geld lieber mit zur Familie, die in Rumänien lebt.“ Dennoch hat er viele Gäste, die aus Rumänien stammen, mittlerweile in Ulm und Neu-Ulm leben. Und auch Einheimische ließen sich immer öfter bei ihm blicken. „Manche sind sogar Stammgäste geworden.“

Noch können Daniel Borosan, der schon vier Jahre lang in Nikosia auf Zypern in einem Steakhouse gearbeitet hat, und Ana-Maria Alexa von den Einnahmen ihres Restaurants alleine nicht leben. Die ersten Monate ist ihm sein Freund und Arbeitgeber bei der Pacht entgegen gekommen. Und dennoch fließt das auf dem Bau hart verdiente Geld in seinen Traum von eigenen Restaurant. Wie es in einem Jahr aussieht, kann er nicht sagen: „Der Ausgang ist offen.“

Kuttelsuppe im „Chris“

In Ulm gibt es übrigens seit vier Jahren ein weiteres rumänisches Lokal – das „Chris“ auf dem Judenhof. Christina Modjesch (38) stammt aus Hermannstadt, dem heutigen Sibiu. Sie setzt bei ihrer Speisekarte aber auch noch stark auf italienische Gerichte, weil sie mal mit einem Italiener verheiratet war.

Auch im „Chris“ werden Kuttelsuppe oder Krautwickel samt Mamaliga aufgetischt, von ihr in der Küche selbst zubereitet. Zuvor war Christina Modjesch fünf Jahre lange Chefin im Café „Ambiente“ in Söflingen. Und vom 6. bis zum 15. Juli wird es auf dem Donaufest auch einen Stand mit rumänischen Speisen und Weinen geben, wieder am Neu-Ulmer Ufer.

Rezept: Krautwickel mit Schweinehack


Zutaten Einen Weißkohl, sauer eingelegt, 2 Lorbeerblätter, 4 Esslöffel Tomatenmark, 2 Zwiebeln, 2 Knoblauchzehen, 600 g Schweinehackfleisch, 1 Ei, 4 Esslöffel Reis, 1 Teelöffel edelsüßes Paprikapulver, Salz und Pfeffer.

Zubereitung Weißkohlblätter vorbereiten, den Strunk herausschneiden und die Blätter ausbreiten. Für die Füllung Hackfleisch, gehackte Zwiebeln und Knoblauch, halbgar gekochten Reis, Tomatenmark, Salz, Pfeffer und Paprikapulver mit dem Ei mischen und gut durchkneten. Handgroße Portionen oval formen. Dann in die Krautblätter einwickeln. Mit Küchenfaden oder Zahnstocher befestigen. Wasser oder Fleischbrühe in einen großen Topf füllen, Lorbeerblatt dazu. Soviel Flüssigkeit, dass die Krautwickel gut bedeckt darin schwimmen können. Nun 1,5 Stunden bei mittlerer Hitze kochen lassen. Zu den Krautwickeln passen Baguettebrot und Sauerrahm oder Schmand.