Ulm Der Schwörmontag vor 40 Jahren

Der Uli! Hat ja gerade keinen sooo guten Stand wegen dieser Steuergeschichte. Aber vor 40 Jahren beim Schwörmontagskick im Ulmer Donaustadion trumpfte Hoeneß auf. Und Günter Berti (rechts) kommt für die Ulmer zu spät. Foto: Norbert Wieland
Der Uli! Hat ja gerade keinen sooo guten Stand wegen dieser Steuergeschichte. Aber vor 40 Jahren beim Schwörmontagskick im Ulmer Donaustadion trumpfte Hoeneß auf. Und Günter Berti (rechts) kommt für die Ulmer zu spät. Foto: Norbert Wieland
Ulm / JR 20.07.2013

In der Woche vom 23. bis 28. Juli 1973 hat die SÜDWEST PRESSE (SWP) unter anderem über folgende Ereignisse berichtet:

Der Groschenwurf

Der Schwörmontag 1973 begann mit einem Groschenwurf: So nämlich entschied Oberbürgermeister Hans Lorenser angesichts dunkler Wolken über Ulm, ob die Schwörfeier draußen auf dem Weinhof oder drinnen im Kornhaus stattfinden sollte. Nach dem Wurf lag das Wappen oben, das bedeutete: Weinhof. Und so regierte Ulmer Geld die Welt: Zur Schwörfeier fielen nur wenige Regentropfen. Allerdings hatte Lorenser ein wenig geschummelt und sparte sich bei der Schwörrede einige Manuskriptseiten. Aufs Tapet brachte er aber die problematische Landesgrenze zu Bayern: Jede übergreifende Zusammenarbeit mit Neu-Ulm sei nur Notbehelf, die Interessen blieben divergierend, so lange die Städte nicht vereint seien.

Die Schwörregatta

Vor dem Nabada 1973 gab es ein Ruderrennen auf der Donau, klassische Paarung, wie man sie heute vom Drachenbootrennen kennt: Ulm gegen Neu-Ulm. Dafür teilte sich der Ulmer Ruder Club Donau in zwei Lager und besetzte zwei Achter mit Sportlern jeweils vom einen und anderen Ufer. Auf der Sprintstrecke zwischen Herd- und Gänstorbrücke hatten am Ende die Bayern mit einer halben Länge die Nase vorne, dank dem rennerfahrenen Steuermann Bernhard Rasper, wie kundige Beobachter urteilten. Nach dieser dritten Schwörmontagsregatta stand es nur noch 2:1 für die Ulmer, denen mit der Niederlage 100 Liter Bier durch die Lappen gingen.

Das kühle Nass

Auch beim Nabada hielt das Wetter, aber zum Ausklang kam es dicke, und es begann ausdauernd zu regnen. Erst stieß man noch zum Prosit unter Regenschirmen an, doch dann gab es kein Halten mehr: "Die Ulmer verzogen sich ins Trockene und feierten in den Lokalen der Stadt den Ausklang des Schwörmontags."

Die dritte Schachtel

Nach der "Stadt Ulm" und der "Stadt Wien" gab es mit der "Stadt Linz" jetzt eine dritte Ulmer Schachtel, die für die Stadt auf der Donau unterwegs war. Sie wurde zum Schwörmontag von Emmy Hillinger, der Frau des Linzer Oberbürgermeisters, aus einem goldenen Pokal getauft. Der Ulmer Oberbürgermeister Hans Lorenser klärte über den historischen Hintergrund auf: Kaufleute und Schiffsleute aus Ulm und Linz standen schon seit dem Mittelalter im regen Handelsverkehr, im Austausch und Kontakt miteinander. Diese Städtefreundschaft wurde nun neu besiegelt. Die "Linz" war im oberösterreichischen Inzell gebaut worden und damit die erste Schachtel, die nicht aus einer Ulmer Schiffswerft stammte.

Die Auslandsulmer

100 Auslandsulmer waren auf Einladung der Stadt zum Schwörmontag gekommen, alle wurden sie vom OB per Handschlag begrüßt. Ausgerechnet in der alten Heimat fanden sich beim Rathausempfang ehemalige Ulmer, die zwölf Flugstunden entfernt in Johannesburg lebten, ohne voneinander zu wissen. Danach ging es zur Schachtelfahrt auf die Donau.

Das 1:9

1:9? Da war doch was! Nein, es geht nicht um das 1:9 des SSV Ulm 1846 im Jahre 2000 im Donaustadion gegen Leverkusen in der Bundesliga. Es geht um das 1:9 des SSV Ulm 1846 im Jahre 1973 beim Schwörmontagskick gegen den FC Bayern München. 6000 Zuschauer sahen eine Bayern-Truppe in Bestbesetzung, bloß ohne Torhüter Sepp Maier. Für ihn stand Walter Modick im Kasten, zwei Jahre zuvor noch beim SSV. Noch ein Ex-Ulmer kehrte für das Gastspiel an die Donau zurück: Uli Hoeneß, er schoss zwei Tore. Dagegen hatte das junge, im Neuaufbau begriffene Ulmer Team keine Chance. Naja, Trainer Zeljko Cajkovski hatte sich mehr ausgerechnet: "Ein 1:6 hatten wir einkalkuliert und damit wären wir auch zufrieden gewesen." Szenen des Kicks sollten in den Spielfilm "Libero" einfließen, Hauptdarsteller: Franz Beckenbauer. Die Kamera verfolgte ihn Schritt auf Tritt. Bayern-Trainer Udo Lattek fand bei den Ulmern immerhin das Publikum klasse: "Wenn die Stimmung hier immer so gut ist, müßte der SSV ja bald wieder oben sein." 2013 gibts keinen Kick zum Schwörmontag, aber Uli Hoeneß ist trotzdem dabei - als steuersündende Witzfigur beim Nabada. 2014 gibts dann vielleicht Bayern mit Pep.

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