Benefizkonzert Musikmarathon: Tolle Bands, tolle Stimmung

Ulm / Jenz Keller 19.03.2018
Alle 15 Minuten ein Höhepunkt: Beim Musikmarathon Ulm rocken Bands im vollen Roxy wieder für einen guten Zweck.

Der Musikmarathon im Roxy ist ein Phänomen. An einem Abend 20 verschiedene Bands auf die Bühne zu bringen, die jeweils nur eine Viertelstunde ohne Gage spielen und dafür teils durch halb Deutschland anreisen – das zeigt das Renommee, das man sich erarbeitet hat.

Und Arbeit ist es vor allem für die rund 50 ehrenamtlichen Helfer. Das beste Beispiel dafür ist die Bühne, auf der alle 15 Minuten die Bands wechseln, die unterschiedlichsten Instrumente aus- und neu eingestöpselt werden, verschiedene Bandmitglieder, Helfer und Techniker hin- und herwuseln, ein kurzer Soundcheck gemacht werden muss, bis der ganze Spuk nach zwei Minuten vorbei ist und die nächste Band wieder mit großartigem Sound loslegt.

„Wir sind über die Jahre gut aufeinander eingespielt“, kommentiert Tobias Schmid, der Vereinsvorsitzende des Vereins „Einsatz – Musik für Menschen in Not“ als Veranstalter dieses Musters an Effizienz. Der Verein hat sich 2006 aus den Organisatoren des ersten Musikmarathons 2005 gegründet. Dieser wurde spontan als Benefizveranstaltung für die Opfer des Tsunamis in Asien ins Leben gerufen. Mittlerweile kommt der Erlös verschiedensten Einrichtungen im In- und Ausland zugute.

Gleich ein Highlight

Eines der absoluten Highlights 2018 stand bereits ganz zu Beginn auf der Cafébar-Bühne des Roxy: die Roadstring Army aus Ulm. Mit ihrer großartigen Musik erobern sie seit einiger Zeit die Bühnen des Landes. Fan-Kreischen, Top-Performance und brillanter Sound – so konnte es weitergehen! Etwa mit Cello und Gitarre und einem eigenen urbanen Soundmix aus Blues und Folk bei Matthew Matilda. Kosmo aus Ulm überzeugten mit charismatisch-­eigenwilligem Deutsch-Rock. Und nach lautem Abrocken mit Brightest Day und Herogram sowie Akustik-Pop mit Astra Van Nelle war man gespannt auf die Reunion der Ulmer Band ON. Einflüsse von Simple Minds oder U2 waren unverkennbar. Und der Spaß, den die Musiker selbst verbreiteten, macht Lust auf mehr.

Der Saal kochte bei Django S, die mit Bläsersatz und „mit den Resten von gestern“ feierten. Get Well Soon bezog sich an diesem Abend nur auf Mastermind Konstantin Gropper, der allein mit Akustikgitarre und Stimme eher „Kontrastprogramm“ war und die Stimmung nicht halten konnte.

Rock ‘n’ Roll is dead? Da setzte die Alex Mofa Gang einen Kontrapunkt. Extra für 15 Minuten Musikmarathon nach Ulm gereist, brachte sie Berliner Szeneluft mit, packte das Publikum und rockte sich den Fahrstress runter. Auch Tim Vantol saß sieben Stunden im Auto auf seinem Weg von Amsterdam nach Ulm. Man kennt sich in der Szene, und so darf der Veranstalter auch augenzwinkernd die Wohnwagen auf der Projektionsleinwand vorbeifahren lassen.

Der Ulmer Förderpreisträger Morizz Fizzl schien etwas nervös, aber vielleicht war auch das Publikum schon etwas müde. Dann nahm aber Stepfather Fred durch Bühnenpräsenz und Stimmgewalt von Sänger Sebastian Schuster die Menschen vor der Bühne wieder mit. Und auch die City Kids Feel The Beat wurden gefeiert. Spontan gestand man ihnen ein paar Bonus-Minuten für einen weiteren Song zu.

Zum Finale gab’s dann Musik-­Comedy mit Suchtpotenzial, die drei Stunden durch den Schneesturm angereist waren. Ariane Müller und Julia Gámez Martin präsentierten ihren „Alko-Pop“ ohne Probe, aber mit exzellenter Band. Für die meisten waren die bekannt witzig ironischen Texte der beiden ein perfekter Abschluss eines wieder mal gelungenen außergewöhnlichen Festivals, bevor die DJs Roter Freibeuter und Purple Haze zum Abtanzen einluden.

Für einen guten Zweck

Spende Der Erlös des Musikmarathons fließt stets dorthin, wo ein persönlicher Kontakt sicherstellt, dass jeder Cent an der richtigen Stelle ankommt. In diesem Jahr in einem Krankenhaus in Uganda, zudem werden Entführungsopfer der Boko Haram in Nigeria unterstützt, und ein Teil bleibt in Ulm im Behandlungszentrum für Folteropfer.

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