Mülltrennung Stadt Ulm: Restmüll landet immer noch in Biotonne

Immer noch landet Restmüll in der Biotonne
Immer noch landet Restmüll in der Biotonne © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Von Carolin Stüwe 03.01.2019

In Ulm funktioniert die Mülltrennung schon ganz gut, aber noch nicht optimal. Wie bringt man die Unwissenden oder die Schulterzucker dazu, dass sie im Gelben Sack keinen Restmüll entsorgen und den Biomüll nicht mehr in Plastiktüten sammeln? Ein Blick in eine mögliche Zukunft: mit Ident-Nummer, von der Stadt ausgegebenen Papiertüten und zumindest der Gewissheit, dass die Häckselplätze nicht komplett geschlossen werden.

Gelbe Säcke

In den Gelben Sack gehören Verkaufsverpackungen, die möglichst vollständig recycelt werden müssen, verlangen die bundesweiten Dualen Systeme. Diese werden wiederum rein privatwirtschaftlich betrieben und haben im Ulmer Stadtgebiet die Firma Remondis mit der Abfuhr der Gelben Säcke beauftragt. „Wir sind nur begleitend tätig“, sagt Thomas Mayer, Chef der Entsorgungsbetriebe Ulm (EBU). Dennoch machen ihm die „Fehlwürfe“ wie Restmüll zwischen den Leichtstoffverpackungen Sorgen. Die Re­mondismitarbeiter kleben nach wie vor einen Vermerk auf den Gelben Sack, sobald sie am Gewicht merken, dass er Fehlwürfe enthält oder man diese sogar sieht.

Kann der Gelbe Sack dem Befüller nicht zugeordnet werden – „wir haben schon Kontoauszüge darin gefunden“ (Mayer) – bleibt der Sack aus Erziehungsgründen noch ein paar Tage stehen. Dann jedoch wird er von den EBU abgeholt und im Müllheizkraftwerk verbrannt, „denn er verschandelt das Stadtbild“. Erst recht, wenn Krähen die Säcke aufpicken und bei Wind der Plastikmüll verteilt wird. Also lieber alles in stabile Gelbe Tonnen stecken? Dagegen sprechen für den EBU-Chef zwei Gründe: Viele Bürger in der Innenstadt haben kaum Platz für die blaue Papiertonne. Und in einer großen undurchsichtigen Gelben Tonne könnte man noch mehr Fehlwürfe verstecken.

Würde es helfen, eine Müllpolizei zu beschäftigen, die das richtige Sortieren kontrolliert? Mayer schüttelt erneut mit dem Kopf. „Wir sind ja schon unterwegs.“ Aber vor Mehrfamilienhäusern könne man schlecht nachvollziehen, welcher Haushalt welchen Sack abgelegt hat. Eine mögliche Lösung wäre, dass die EBU mit dem jährlichen Müllgebührenbescheid Aufkleber mitliefern. Darauf stünde dann die jeweilige Identnummer des Müllkunden, obwohl der Gelbe Sack kostenfrei abgeholt wird. „Vielleicht würde dann die Nachvollziehbarkeit, wer den Sack befüllt hat, zu mehr Disziplin führen“, sagt Mayer mehr fragend als überzeugt. Denn das könne die Stadt alleine nicht entscheiden.

Biomüll

Ein „erhöhter Störstoffanteil“ findet sich auch im Biomüll, nämlich Plastikbeutel, die der Hersteller zwar als „kompostierbar“ deklariert hat. Jedoch dauert dieser biologische Abbau den Kompostierwerken viel zu lange. „Wir brauchen Tüten, die in vier Wochen verrottet sind“, sagt Mayer. Deshalb wird er im April in der nächsten Sitzung des Betriebsausschusses des Ulmer Gemeinderats eine kleine braune Papiertüte vorstellen. Wenn das Gremium zustimmt, soll je ein Exemplar an die rund 30 000 Biomüllkunden verschickt werden, „aber nur einmalig als Anreiz, den Biomüll korrekt zu sammeln und so in die braune Tonne zu werfen“. Sollten Öffentlichkeitsarbeit, freche Sprüche an den Müllfahrzeugen und die geschenkten Papiertüten gar nicht fruchten, gibt es noch die Vision, Detektoren anzuschaffen. Diese werden ans Müllfahrzeug montiert und erkennen bei jeder Leerung der braunen Tonnen Fremdstoffe. Wird etwas gefunden, gäbe es in einem ersten Schritt die gelbe Karte. Bei einer roten Karte würde die Tonne nicht mehr geleert. „Dann tut es richtig weh, wenn es stinkt.“

Sollte das Kompostierwerk im Kreis Heidenheim, das derzeit noch den Ulmer Biomüll – mit steigenden Kosten – verwertet, den Vertrag kündigen, „wäre das der Worstcase“, sagt der EBU-Chef. Denn dann werde man kaum einen anderen Entsorger finden, weil niemand Mikroplastik im Kompost duldet. Muss Ulm dann eine eigene Verwertung in Erwägung ziehen, nachdem bereits Bürgermeister Tim von Winning eine städtische Biogasanlage angesprochen hat? Mayer: Solch eine Anlage müsste sich wirtschaftlich lohnen. Eine Option wäre es, dann Fremdbiomüll aus dem Alb-Donau-Kreis und dem Kreis Neu-Ulm anzunehmen. Zur Frage einer eigenen Kompostanlage tut sich der EBU-Chef noch schwerer: Eventuell, wenn die Verwerterpreise in Zukunft immer weiter steigen.

Häckselplätze

20 eingezäunte Häckselplätze von einstmals 38 gibt es noch im Stadtgebiet. Sie sind dreimal im Jahr jeweils knapp zwei Wochen lang geöffnet. Dort sollten nur holzige Gartenabfälle abgeliefert werden, damit auch dieser Wertstoff sauber als Häckselgut wiederverwertet werden kann. Allerdings werden bei Nacht und Nebel auch immer wieder Rest- und Biomüll entsorgt. „Ich würde aber nicht alle Häckselplätze schließen, denn auf vielen funktioniert es, auf wenigen nicht“, sagt Mayer. Zumindest sollen dieses Jahr alle Häckselplätze Schilder erhalten: mit den Öffnungszeiten und mit Piktogrammen, was alles abgegeben werden darf und was nicht. Derzeit werde überprüft, ob dort eine Kameraüberwachung rechtlich überhaupt möglich ist.

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