Diese Nachricht sorgt nach dem überstandenen Legionellenbefall der Wasserleitungen und dem damit einhergehenden monatelangen Duschverbot im Haus für neue Zukunftsängste unter den Wohnungseigentümern im Donaucenter: Die Fassade des über 40 Jahre alten Wohngiganten ist marode. Es geht um mehr als um reine Kosmetik. Eine Generalsanierung steht an, die auch in die Tiefe geht, also in die Struktur des Gebäudes eingreift, sagt der Sprecher der Eigentümergemeinschaft, Jochen Sporhan. Zwischen 8 und 9 Millionen Euro wird das Ganze kosten. Weil dafür nicht genügend Rücklagen gebildet worden sind, werden sämtliche Eigentümer der Wohnungen, Praxen und Gewerberäume gesondert zur Kasse gebeten.

Abhängig von der Größe des Eigentums kommen dabei Beträge zwischen 4500 und 15.000 Euro auf sie zu. So mancher soll sogar deutlich mehr bezahlen, beispielsweise die Coop für den Laden im Erdgeschoss, den sie an die Lebenshilfe vermietet hat, die dort den CAP-Markt betreibt. Coop muss sich mit mehr als 100.000 Euro an der Fassadensanierung beteiligen.

Wie hoch sind die Rücklagen?

Schon am 1. Februar dieses Jahres hatte die Eigentümerversammlung im Saal des Brückenhauses der Sparkasse über die Fassadensanierung diskutiert. Es soll dem Vernehmen nach hitzig zugegangen sein, denn nicht alle sind mit dem Vorgehen des gewählten Beirats einverstanden. Kritik an diesem Beirat und an der Hausverwaltung wird mit schöner Regelmäßigkeit geäußert. Nicht wenige quält jetzt die Aussicht, einen vier- bis fünfstelligen Betrag bezahlen zu müssen. Alle Eigentümer überweisen ohnehin einen von der Größe ihrer Wohnung abhängigen Nebenkosten-Betrag an die Hausverwaltung, die einen Teil davon für Reparaturen und Sanierungen anspart und zurücklegt. Ein Beispiel: Für eine 80 Quadratmeter große Wohnung betragen die Nebenkosten ohne Strom und Wasser, die extra abgerechnet werden, etwa 550 Euro. Davon wandern 150 Euro in die Rücklagen. Um beim Beispiel zu bleiben: Der Besitzer dieser 80-Quadratmeter-Wohnung muss für die Fassadensanierung darüber hinaus 12.000 Euro aufbringen. Ob das allerdings reicht, ist unklar.

Die Frage, wie hoch die Rücklagen sind, will der Sprecher der Eigentümergemeinschaft und Beiratsvorsitzende Sporhan nicht beantworten. Bestätigt hat er, dass für die Fassadensanierung über das Angesparte hinaus weitere 3 Millionen Euro fällig sind und in den nächsten vier Jahren auf die Eigentümer umgelegt werden. So lange soll die in vier Bauabschnitte gestaffelte Sanierung dauern. Wenn diese Arbeiten insgesamt 8 Millionen Euro kosten, müssten also 5 Millionen zurückgelegt worden sein. Wie es aber aus Beiratskreisen heißt, liegen höchstens knapp mehr als 3 Millionen auf der hohen Kante. Möglicherweise kommt auf die Eigentümergemeinschaft also eine erneute Sonderumlage zu.

Aufregung im Haus ist groß

Schon jetzt ist die Aufregung im Donaucenter groß. Es gibt einige, die sich mit der Sonderumlage abgefunden haben, andere können diese aber nur mühsam aufbringen. „Diese Fassadensanierung und die verunglückte Eigentümerversammlung vom 1. Februar sind seit Wochen Gesprächsthema Nummer eins im Haus“, sagt ein Eigentümer, der namentlich nicht genannt werden will. Besonders sauer aufgestoßen ist den zur Versammlung gekommenen Eigentümern, die seit den 70er Jahren im Donaucenter wohnen, inzwischen auch 80 Jahre und älter geworden sind, die Konsequenz, die sich aus dieser Sonderumlage ergibt: Wer sich das Wohnen im Donaucenter nicht mehr leisten kann, der muss eben ausziehen.

Ganz so hart will es Jochen Sporhan im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE nicht formulieren. Man müsse nicht gleich verkaufen und ausziehen, man könne auch einen Kredit aufnehmen. Das aber werde die Eigentümergemeinschaft als Gesamtes nicht tun. „Und wer will, der kann ja die ihm angebotene Ratenzahlung wählen.“ Die letzte Konsequenz sei aber tatsächlich der Verkauf der Wohnung, sagt Sporhan, um nachzuschieben, dass die Wohnungen im Donaucenter gefragt seien, wovon auch der geringe Leerstand zeuge.

Dass das Donaucenter negative Schlagzeilen macht, ist nicht neu. Anfang der 70er Jahre gebaut, mussten die Eigentümer im Betonriesen wegen Rostbefalls schon 1980 etwa 800.000 Mark aufbringen. Von 2012 bis 2014 erregte das Gebäude republikweit Aufsehen, weil Gesundheitsbehörden die Menschen monatelang mit Duschverboten belegten. Der Grund war ein extremer Legionellenbefall der Wasserleitungen.

350 Wohnungen, 500 Menschen


Gebaut wurde das Donaucenter in den Jahren 1971 bis 1974 als Gegenpol zur historischen Ulmer Stadtkulisse. Neu-Ulm wollte damals schon mit moderner Architektur glänzen. Im Donaucenter gibt es etwa 350 Wohnungen, in den etwa 500 Menschen leben. Darüber hinaus sind dort Arztpraxen, Büros und Ladenflächen zu finden. Kummer macht das Haus den Eigentümern schon länger wegen der Wasserversorgung. 2012 bis 2014 wurden Legionellen bekämpft. Die Menschen duften von November 2012 bis Dezember 2013 nicht mehr duschen. Im Mai 2014 gab es dann ein zweites Duschverbot, weil die gefährlichen Keime noch nicht zur Gänze beseitigt waren. Bewohner klagen heute noch, dass das Wasser zu jeder Tages- und Jahreszeit bei ihnen mit 38 Grad ankommt – nie kälter, nie wärmer.