Ulm Der Koran aus Ulm

Blick auf eine Ausgabe des Koran und weitere religiöse Schriften im Interkulturellen Zentrum für Dialog und Bildung im Soldiner Kiez in Berlin. Radikalislamistische Salafisten haben erklärt, in Fußgängerzonen von Großstädten und im Internet 25 Millionen Koran-Exemplare an Nichtmuslime abgeben zu wollen.
Blick auf eine Ausgabe des Koran und weitere religiöse Schriften im Interkulturellen Zentrum für Dialog und Bildung im Soldiner Kiez in Berlin. Radikalislamistische Salafisten haben erklärt, in Fußgängerzonen von Großstädten und im Internet 25 Millionen Koran-Exemplare an Nichtmuslime abgeben zu wollen. © Foto: Peer Grimm
Ulm / HANS-ULI MAYER 13.04.2012
Eine Ulmer Druckerei ist wegen eines Großauftrags, den Koran herzustellen, in die Schlagzeilen geraten. Die Firma hatte sich zuvor beim Verfassungsschutz abgesichert. Die Auslieferung wurde aber gestoppt.

Im Herbst ist die Ulmer Druckerei Ebner & Spiegel mit einem vermeintlich brisanten Inhalt an den Verfassungsschutz herangetreten. Der Kölner Verein "Die wahre Religion" hatte den Druck von 50 000 Exemplaren einer Koran-Übersetzung in Auftrag gegeben und eine weitere Zusammenarbeit in Aussicht gestellt. "Wir sind ein Dienstleister für Bücher", sagt der Geschäftsführer des Unternehmens, "und drucken alles, was nicht gewaltverherrlichend oder extrem links oder rechts ist".

Der Verfassungsschutz hatte nichts einzuwenden, und so hat die Druckerei mittlerweile sechs Aufträge mit einer Auflage von 300 000 Stück ausgeführt. Inzwischen sind aber die wahren Ziele und Hintergründe des Kölner Vereins deutlich und eine Videobotschaft bekannt geworden, in der Journalisten, die kritisch über die Koran-Verteilaktion berichten, bedroht werden.

Sprachrohr des Kölner Vereins ist der vom Verfassungsschutz überwachte Prediger der streng konservativen salafistischen Glaubensgruppe, Ibrahim Abou-Nagie. Gegen ihn liegt beim Amtsgericht Köln eine Anklage wegen öffentlicher Aufforderung zur Begehung von Straftaten und wegen Beschimpfungen anderer Religionsgemeinschaften. Ungeachtet dessen spricht Abou-Nagie davon, 25 Millionen Freiexemplare des Korans verteilen und jeden deutschen Haushalt mit einem Exemplar ausstatten zu wollen.

Die Druckerei aber hat keinen Gesamtauftrag über diese enorme Stückzahl vorliegen. Vielmehr sind seit Oktober bislang sieben Einzelaufträge zu jeweils 50 000 Exemplaren eingegangen - der letzte ist noch unbearbeitet. Das französische Mutterhaus der Ulmer Druckerei überprüft die rechtlichen Folgen des von ihm erlassenen einstweiligen Auslieferungsstopps. Noch ist unklar, ob Ebner & Spiegel weiter für den Kölner Verein tätig sein wird oder ob die Zusammenarbeit aufgrund der neuesten Entwicklungen aufgekündigt wird.

Über die Geschäftsverbindungen mit dem Kölner Verein kann das Unternehmen nicht klagen. Sie hätten auf eine Anfrage hin ein Angebot erstellt und den Zuschlag erhalten. Der Kontakt erfolgte per Telefon oder E-Mail, die Zahlungen seien pünktlich und erfolgten auf dem üblichen Weg per Banküberweisung. Die gedruckten Exemplare würden an eine angegebene Adresse in Köln geliefert. "Das ist ein ganz normaler Kaufvertrag, der keine speziellen Seiten hat", sagte der Manager.

Nach Informationen der SÜDWEST PRESSE kommt das Geld für die Druckaufträge durch Spenden zusammen, Gelder aus dem Ausland sollen jedenfalls keine fließen. Wie aus Kreisen des Verfassungsschutzes zu erfahren war, handelt es sich bei der Übersetzung des Korans in das Deutsche um ein älteres und schon bekanntes Werk, das mit dem Original des Ur-Koran nicht vergleichbar sei.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel