"Wir Türken schaffen Arbeitsplätze, denn 600 000 Sozialarbeiter leben von der Integration." Und Mushin Omurca, der seinen Namen in Mussin geändert hat, weil Deutsche stets die mittleren Buchstaben wie ein "sch" aussprachen, plaudert über seine Familie. Dort seien "inzwischen alle Deutsche, nur nicht Mama." Sie sei an den 300 Fragen des Integrationsbogen gescheitert. Trotzdem behandle die Familie sie nicht wie eine Türkin. Sie dürfe am jährlichen Integrationsfest ihre Kultur singen und tanzen. Omurca macht sich auch über Türken in der Oper lustig: "Seid doch froh, dass es eine türkenfreie Zone gibt und die Türken nicht die Opernhäuser als Hochzeitssäle benützen."

Als Deutsch-Türke darf er eben ungestraft beiden Landsmännern den kabarettistischen Spiegel vorhalten und auch mal schmerzende verbale Pfeile in empfindliches Fleisch stecken. "Wir Türken sind ein pubertierendes Volk", bemerkte er knochentrocken, als er von Adam und Eva und dem verbotenen Apfel erzählte. Verbote lösten bei Türken nur Trotzreaktionen aus. Für ihn ein Argument für die Tatsache, dass Adam und Eva Türken gewesen wären, wie es in der "Deutschen Bibel", dem "Spiegel", gestanden sei. Urfa, nahe der syrischen Grenze, sei die Wiege der Menschheit, das Paradies, zu dem man ja zurück will - und damit ein "Türkenhimmel".

Nicht alle Gags kamen richtig an oder wirkten vielleicht nur dann gut, wenn man die kurzen türkischen Zwischenbemerkungen auch verstand. Der Tipp, den Burka-Schleier mit Sonnenbrille zu benutzen, um sich in der Türkei ungestraft dem Alkoholkonsum zu frönen - nun ja. Auch der Gag über die Suche nach inneren Werte mit einem Frommomat, der die Gottesliebe messen sollte, einem Patriomat, einem Liebomat und natürlich dem Integomat für die Messung des Integrationsstandes, verlor sich in der Häufung.

Einen lehrreich-lustigen Integrationsansatz gab es dann als Zugabe. Türkische Sprichworte direkt ins Deutsche übersetzt und mit der eigentlichen türkischen Bedeutung erklärt: Eine Blume auf der Nase tragen, heißt zum Beispiel frisch verheiratet sein. Von solch poetischer Sprache könnte man tatsächlich lernen - bei gelungener Integration auch außerhalb der Bühne.