Ortsbesichtigung Der Eselsberg wird zum Versuchslabor

Erste Station des Stadtteilspaziergangs mit dem OB war die derzeit verwaiste Baustelle der FUG an der Kreuzung Weinbergweg/Stifterweg.
Erste Station des Stadtteilspaziergangs mit dem OB war die derzeit verwaiste Baustelle der FUG an der Kreuzung Weinbergweg/Stifterweg. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Grünzüge sind geschützt / Hans-Uli Mayer 16.04.2018

Verein für Bewegungsspiele heißt der VfB am Weinbergweg offiziell – und steht damit Pate für den ganzen Eselsberg, auf dem derzeit auch so einiges in Bewegung sei, wie OB Gunter Czisch sagt. Die Fernwärme Ulm (FUG) verlegt Rohre für die Energieversorgung der Uni, die Stadt baut die Straßenbahn aus, und außerdem entsteht in den nächsten Jahren auf dem Areal der ehemaligen Hindenburgkaserne ein neues Quartier für 2000 Menschen. Für den OB gab es am Samstag deshalb keinen sinnigeren Treffpunkt für seinen Stadtteilspaziergang als das Vereinsgelände des VfB, das in den nächsten Jahren übrigens ebenfalls aufwendig saniert wird.

Knapp 40 Teilnehmer – darunter zahlreiche Stadträte – haben den OB begleitet, der die Belastung durch die Baustellen zwar versteht, aber sich noch mehr darauf freut, wie sich der Stadtteil nach der Fertigstellung präsentieren werde. Seiner Ansicht nach ist der Eselsberg sogar ein Versuchslabor, in dem einiges ausprobiert werde, was das Wohngebiet zum Modellstadtteil werden lasse. Vor allem auf dem ehemaligen Kasernengelände will die Stadt modern vorgehen, was so viel bedeutet, wie die Sozialplanung mit der Bauplanung eng zu verzahnen. Was das konkret bedeutet, will die Regionale Planungsgruppe am 2. Mai im Fort Unterer Eselsberg (18 Uhr) mit Fachleuten, vor allem aber auch den Bürgern diskutieren.

Im Zuge dessen wird auch die Ladenzeile auf dem alten Eselsberg ein so genanntes Facelifting brauchen – auch um als zentraler Begegnungsort die Alteingesessenen und die Neuzugezogenen miteinander ins Gespräch zu bringen. „Da müssen die Menschen aber mitmachen“, forderte der OB die Eselsberger auf.

Die haben aber auch ganz handfeste Interessen und Sorgen, wie etwa Helmut Reich. Er befürchtet, dass im Zuge der Nachverdichtungen irgendwann auch die Grünzüge am Eselsberg bebaut werden. Doch da ließ sich der OB eindeutig zitieren, dass diese Grünzüge auch wegen ihrer wichtigen Funktion als Frischluftschneisen sakrosankt seien, also nicht angerührt würden. Dagegen werde in Zukunft schon über die Umwandlung der ein oder anderen Kleingartenanlage nachgedacht werden müssen, blickte der OB in die Zukunft.

Auf die neue Straßenbahn freut sich auch Helga Jans, wenngleich sie sich von der Stadt eine andere Tarifgestaltung erhofft. Ihrer Berechnung nach ist es billiger, wenn sie mit ihrem Mann vom Eselsberg mit dem Auto in die Stadt fährt und den Wagen in der Tiefgarage abstellt, als wenn sie zu zweit Einzelfahrscheine für die Tram kaufen. Damit könne der ÖPNV nicht gerade attraktiver werden, weshalb sie für die Einrichtung von Kurzstreckenzonen plädiert. Allerdings brachte ihr das die Erwiderung des OB ein, dass im Vergleich zu anderen Großstädten ganz Ulm ein Kurzstreckentarif sei.

Albert Unseld, der lange Sprecher der Bürgerinitiative gegen die Nachverdichtung am Wohngebiet Beim Türmle war, brachte die Rede schließlich auf das Parken. Er bemängelte, dass der Holderweg von den Besuchern des Fitness-Centers an den Bahngleisen vollgeparkt sei, und schlug stattdessen eine städtische Freifläche als Parkplatz vor.

Dauerthema Parken

Um Parken ging es auch am Logauweg und Böhmeweg, wo Anwohner bereits seit 2013 um ein Anwohnerparksystem kämpfen. Der OB wollte nichts zusagen, außer die Angelegenheit zu prüfen. Allerdings erinnerte er in diesem Zusammenhang an die städtische Tiefgarage an der Ochsensteige, die wegen der Monatsmiete von 50 Euro nur zu 60 Prozent ausgelastet sei.

Bei der Schlussbesprechung in der Vereinsgaststätte des VfB sprach der OB noch das Sicherheitsgefühl der Menschen an, das nach seiner Wahrnehmung nach dem Mord am Veltlinerweg gelitten habe. Czisch lobt dabei die Arbeit der Polizei und verwies darauf, dass es am Eselsberg statistisch betrachtet keine besonderen Probleme gebe. Allgemein mahnte er die Bürger zu mehr Zivilcourage und sich nicht von rechten Hetzern und „ein paar Stinkstiefeln“ spalten zu lassen. Jeder müsse sich für den Zusammenhalt in der Gemeinschaft einsetzen. Czisch: „Streiten in der Sache ist okay. Aber anständig.“

Der zweitgrößte Stadtteil Ulms

Statistik Der Eselsberg wurde in den 60er Jahren buchstäblich aus dem Boden gestampft und ist nach einer 620 Meter hohen Erhebung benannt. Unterschieden wird in den alten und den neuen Eselsberg, auf dem etwas mehr als 18 000 Menschen leben. Allein durch das neue Wohngebiet am Mähringer Weg sollen etwa 2000 dazukommen. Nach der Weststadt ist der Eselsberg bevölkerungsmäßig der zweitgrößte Stadtteil Ulms.  

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