Nachruf Der Brückenbauer

Ein Bild mit Symbolkraft: Wolf-Dieter Hepach, der Mann mit dem Blick für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, auf einer Brücke über die Blau. Mit leichter Hand und profundem Wissen hat er unter anderem über seinen Heimatort Blaustein und die Uni Ulm geschrieben.
Ein Bild mit Symbolkraft: Wolf-Dieter Hepach, der Mann mit dem Blick für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, auf einer Brücke über die Blau. Mit leichter Hand und profundem Wissen hat er unter anderem über seinen Heimatort Blaustein und die Uni Ulm geschrieben. © Foto: Matthias Kessler
Henning Petershagen 25.08.2018

Wolf-Dieter Hepach ist vielen Ulmerinnen und Ulmern als Lehrer in bester Erinnerung; an erster Stelle den Ulmerinnen. Denn seine Lehrtätigkeit begann er 1967 am Ulmer Mädchen-Gymnasium, das erst fünf Jahre später zum Hans-und-Sophie-Scholl-Gymnasium mutierte und dann auch Buben aufnahm.

Den größten Teil seines Berufslebens verbrachte Hepach am Kepler-Gymnasium, das er, der Lehrersohn aus Klingenstein, selber bis zum Abitur 1959 besucht hatte. Er leitete es 22 Jahre lang, wurde geschäftsführender Schulleiter der Ulmer Gymnasien, bis er 2004 als dienstältester Schulrektor im Oberschulamtsbezirk den „Ruhestand“ antrat.

Und dann ging’s richtig los: Der gesellschaftlich vielfach engagierte Hepach, der seit 1990 der Ulmer Museumsgesellschaft vorstand, nahm den Umbau ihres Domizils, der Oberen Stube, in Angriff. Der bescheidene Bau aus den 1950er-Jahren passte nicht mehr in die durchgestylte Neue Mitte. Ihn der hochwertigen Umgebung ebenbürtig zu machen war ein gewaltiges Projekt, das kaum zustande gekommen wäre ohne Hepachs Mut und Tatkraft, gestützt auf den Sachverstand der Bau- und Finanzexperten in seinem Beirat.

Die Rolle als Bauherr war freilich absolut atypisch für den Historiker, der als Grenzgänger zwischen seinem Wohnort Blaustein und seiner Wirkungsstätte Ulm Maßgebliches zur Erforschung und Vermittlung der jeweiligen Ortsgeschichte beigetragen hat. Seinen Doktortitel hatte er 1973 erworben mit einer Arbeit, die das Stadtarchiv später unter dem Titel „Ulm im Königreich Württemberg 1810-1848“ veröffentlichte.

Weitere Bücher folgten. Zu den imposantesten gehören die „Impressionen“, großformatige Bildbände, die zunächst Ulm (1988) und später den Alb-Donau-Kreis (2005) zum Gegenstand hatten. Als Fachmann für Wirtschaftshistorie geriet er zum Autor zahlreicher Firmengeschichten. Und als Blausteiner, der in Herrlingen lebte, sorgte er dafür, dass auch sein Heimatort und dessen Vergangenheit in Buchform gepresst wurden. Schließlich arbeitete Hepach, der unter anderem der Universitätsgesellschaft angehörte, die vier Jahrzehnte währende Geschichte der Universität Ulm so gründlich auf, dass sie es zum Grundlagenwerk erklärte und ihm 2010 dafür ihre Ehrenmedaille verlieh.

Den Lesern kam Hepachs Meisterschaft zugute, mit leichter Hand unterhaltsam, kurz und dennoch profund alle möglichen Aspekte der Vergangenheit und Gegenwart zu skizzieren. Das gelang ihm in formvollendeten Stil, der ihn unter Historikern und Lehrern zu einer Ausnahmeerscheinung werden ließ.

Dass er nicht nur physisch über andere hinausragte, lag an seinem Geist und seiner großzügigen Gesinnung. Alles Kleinkarierte war ihm fremd. Sein Harmoniebedürfnis war ein wesentlicher Faktor, der auch sein 23 Jahre währendes Engagement als Vorsitzender der Museumsgesellschaft zu einer Erfolgsgeschichte werden ließ. Mit seiner gewinnenden Art, der sich kaum jemand entziehen konnte, schaffte er es, dieser altehrwürdigen Vereinigung das Personal zu verschaffen, das ihre Zukunft nach seinem Ausscheiden sichern würde.

Mehrfach ausgezeichnet

Als er nach seiner Pensionierung endlich einigermaßen Herr über seine Zeit war, stieß er zur Gesellschaft der Donaufreunde. Die profitierte von seiner Fähigkeit, aus dem Stegreif druckreife Reden zu halten, wenn etwa bei den Empfängen in den Gemeinden donauabwärts die Stadt Ulm zu repräsentieren war.

All diese Verdienste hat die Stadt Ulm 2013 gewürdigt, indem sie Wolf-Dieter Hepach mit ihrer Bürgermedaille auszeichnete. Bereits fünf Jahre zuvor hatte ihm der Landesausschuss für Heimatpflege die Heimatmedaille Baden-Württemberg verliehen.

Die letzten Jahre waren gezeichnet von schwerer Krankheit, die ihn in den Rollstuhl zwang und ihn mit seiner Frau nach Ingolstadt ziehen ließ. Dort wurde er in der Nacht auf Sonntag im Kreise seiner Familie von seinem Leiden erlöst. Seinen 79. Geburtstag hat Wolf-Dieter Hepach nicht mehr erlebt.

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