Konflikt Demontage trotz wichtiger Mission

Frank König 04.01.2019

Für den Satkom-Spezialisten und Internet-Provider Level 421 ist es ein Ritterschlag. Das Unternehmen ist Teil eines Notfall-Telekommunikations-Programms der Satellitenindustrie, das zu Jahresbeginn erstmals in Aktion getreten ist. Die beteiligten Satellitenbetreiber unterstützen humanitäre Einsätze des Vereinten Nationen und deren Welternährungsprogramm.

Es geht vor allem darum, in Krisen- und Katastrophenregionen schnell Telekom-Verbindungen aufzubauen. Der erste Einsatz der schnellen UN-Eingreiftruppe „Fittest“ (steht für: fast intervention team) startet nun in Nigeria.

Die Datenverbindungen laufen über den Teleport von Level 421 in Ulm-Nord – an dem es nun allerdings Ärger mit dem Vermieter Stadtwerke gibt. Die Sat-Anlagen mit Millionenwerten müssen zumindest vorübergehend demontiert werden. Der Chef von Level 421, Markus Haut, betrachtet das gerade in dieser Phase des UN-Projekts als „Schande für Ulm“. Die Stadtwerke, versichert Sprecher Marc Fuchs, verhalten sich freilich vertragskonform und haben Level 421 bereits eine Standort-Alternative angeboten.

Internationale Kontakte

Haut war im November nochmal in Dubai, um die Fittest-Einsatzkräfte beim Aufbau der Sat-Infrastruktur zu schulen. Die Satellitenkapazität wird von Arabsat bereitgestellt, einem großen Betreiber aus Saudi-Arabien. In einer Beschreibung des Projekts nennt Arabsat auch Level 421 offiziell als Partner, mit der Ortsbeschreibung: 235 Kilometer von Frankfurt entfernt. Dorthin leitet der Provider über seinen Leitstand den Internetverkehr weiter. Die Kontakte zu Arabsat bestehen über die internationalen Projekte der Ulmer Firma. So war Haut zuletzt wieder im Kongo und berät die Philippinen beim Aufbau einer Notfall-Kommunikation. In Ulm und Senden stellt er lokal mit dem City-Netzen funkgestütztes Internet bereit. Vor allem in Ulm gibt es immer wieder Reibungspunkte mit dem Rathaus. So zog Haut wegen der zunächst geplanten freihändigen Vergabe des kommunalen Wlan an die SWU vors Regierungspräsidium.

Das mag erklären, wieso nun zum Jahreswechsel die Nerven wieder blank liegen. Haut hat zwar bereits mit der Demontage der großen Satschüsseln begonnen, da die Vertragslage klar ist: Er muss die Dachfläche des SWU-Wasserspeichers in der Albstraße räumen, weil der Speicher saniert werden muss. Was ihn allerdings geärgert hat, ist die Maßgabe, noch vor Weihnachten die demontierten Anlagen vom Hof zu fahren. Das Gerät sei auch wegen der Kälte empfindlich.

Mietvertrag mit Option

SWU-Sprecher Fuchs berichtet von einer unglücklichen Verkettung von Umständen. Weil auf dem Gelände auch ein großes Notstrom-Aggregat steht, das eigentlich bis 18. Dezember zum Tüv sollte, wollte man für den Tieflader die Hoffläche freibekommen. Ansonsten gehe es keinesfalls darum, einen ungeliebten Wettbewerber loszuwerden. Der Mietvertrag laufe bis 2023 und sehe nach der Sanierung eine Rückkehr von Level 421 vor. Man habe der Firma einen ebenerdigen Ausweichstandort und später eine jährliche Vertragsverlängerung angeboten. Derzeit sei aber eine einvernehmliche Auflösung des Mietvertrags im Frühjahr wahrscheinlich.

Aus seiner Sicht ist es zuviel Aufwand, die Anlagen nur vorübergehend neu aufzubauen. Er ist auf der Suche nach einem festen Standort, wohl im Ausland. Er sieht sich in Ulm benachteiligt – obwohl die Firma seit 18 Jahren in der Küfergasse ansässig ist.

Überall auf der Welt ins Internet

Schnelles Internet In Ulm/Neu-Ulm hatte Markus Haut zuletzt für Schlagzeilen gesorgt, als er für die internationale Schule einen Hochgeschwindigkeitsanschluss ans Internet mit 500 Mbit/s verwirklichte – über einen Verbindungspunkt auf dem Dach von Möbel Mahler.

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