Es soll ein Zeichen gegen Fremdenhass und Ausgrenzung sein, und zahlreiche Menschen sind am Samstag gekommen: Auf dem Münsterplatz in Ulm haben sich am Nachmittag bis 16.30 Uhr hunderte Menschen versammelt zu einer Demonstration gegen den Rassismus im Gedenken an den Tod des US-Bürgers George Floyd durch die Polizei in Minneapolis.

Viele junge Menschen bei Demo in Ulm

Unter den Protestierenden sind auffallend viele junge Menschen. Zum Auftakt sprach Paula Mangold (15) von St. Hildegard: Man lerne auf der Schule beispielsweise viel über „tote weiße Musiker“, aber nur wenig über Afrika.
Viele haben Transparente und Schilder dabei, auf denen zum Beispiel steht „Rassismus tötet“ oder „Rassismus tolerieren ist Rassismus“. Die Demonstranten, darunter die DGB-Jugend, riefen unter anderem „Kapitalismus und Rassismus gehören zusammen, hoch die internationale Solidarität“.
Die Veranstalter haben zum Auftakt von rund 600 Teilnehmern gesprochen und eine friedliche Veranstaltung angekündigt, die rund zwei Stunden dauern sollte. Die Polizei sprach dagegen von rund 2000 Demonstranten auf dem nahezu vollen Münsterplatz. Die Menschen auf dem Platz wurden aufgefordert, die Sicherheitsabstände zum Schutz vor einer Ausbreitung des Coronavirus einzuhalten.

Zwei Flashmobs zum Gedenken an George Floyd

Nach Ansprachen gab es zwei Flashmobs. Beim ersten knieten sich alle hin und gedachten 8,46 Minuten des bei einem Polizeieinsatz getöteten US-Bürgers George Floyd – so lange hatte ein US-Polizist sein Knie auf den Hals von Floyd gedrückt, der letztlich daran erstickte.
Beim zweiten Flashmob legten die Demonstranten sich auf den Boden und riefen - so wie Floyd - „I can’t breathe“ - „Ich kann nicht atmen“.

Friedliches Ende der Demo in Ulm

Die Demonstration auf dem Münsterplatz gegen Rassismus endete friedlich gegen halb sechs am frühen Abend. Die Organisatoren fanden es „krass“, dass UIm eine solche große Demo auf die Beine stellen konnte. Veranstalter Duran Enhas wies auch auf die Internetpräsenz Black Lives Matter Ulm auf Instagram hin.
Zum Abschluss gab es einen Rap gegen rassistische Gewalt. Zuvor hatte ein jugendlicher Sprecher auch Gewalt auf Seiten deutscher Polizeibeamter vermutet, vor allem bei Drogenuntersuchungen.

Ulm als weltoffene, liberale Stadt gelobt

Der bekannte DJ Beeman hatte die Frage aufgeworfen, weshalb es in Ulm eigentlich keine schwarzen Polizisten gibt. Der Ulmer Donau-Repräsentant Peter Langer freute sich darüber, dass so viele junge Leute auf den Münsterplatz gekommen waren. Dies zeige, dass Ulm eine liberale, weltoffene Stadt sei. Dennoch gehe es darum, sich gegen alltäglichen Rassismus zu wehren.
Langer wies auch auf die Ausgrenzung von Sinti und Roma hin. In einem Gastbeitrag der Klima-Initiative „Fridays for Future“ hieß es, Klimawandel sei nicht zuletzt ein politisches und ethisches Problem. Es gab immer wieder Flashmobs, gegen Ende auch zu „Justice and Peace“.
Parallel zu der Münsterplatz-Demo fand in der Friedrichsau eine Demonstration mit etwa 1000 Teilnehmern statt, die individuelle Freiheiten und Staatsbürgerrechte in de rCorona-Krise forderten.