Ulm/Ehingen Defizit bei Kliniken im Alb-Donau-Kreis immer höher

Wolfgang Neumeister: "Wir leisten mehr, arbeiten effizienter und erreichen trotzdem ein immer schlechteres Gesamtergebnis. Das liegt also am System." Foto: Archiv / Emmenlauer
Wolfgang Neumeister: "Wir leisten mehr, arbeiten effizienter und erreichen trotzdem ein immer schlechteres Gesamtergebnis. Das liegt also am System." Foto: Archiv / Emmenlauer
Ulm/Ehingen / WILLI BÖHMER 08.03.2013
Die drei Krankenhäuser im Alb-Donau-Kreis und die Uniklinik in Ulm geraten immer stärker in finanzielle Bedrängnis. Das Defizit für 2012 wird noch einmal höher ausfallen als im Jahr davor, mahnten sie am Donnerstag.

Es darf nicht sein, dass Landkreise als drittes Bein der Krankenhausfinanzierung herangezogen werden, weil der Bund nicht genug Geld zur Verfügung stellt, sagt Wolfgang Neumeister. Genau das geschieht aber derzeit, schimpfte der Geschäftsführer der Krankenhaus GmbH Alb-Donau-Kreis bei einer gemeinsamen Pressekonferenz von Klinikmanagern aus der Region am Donnerstag in Ulm.

Die Krankenhäuser Blaubeuren, Ehingen und Langenau haben bereits 2011 einen Bilanzverlust von 4,2 Millionen Euro ausgewiesen. Das Ergebnis von 2012 liege noch nicht endgültig vor. "Wir können aber schon jetzt sagen, dass sich die erneut schlechteren Rahmenbedingungen auch finanziell auswirkten und das Defizit für 2012 im Jahresvergleich höher ausfallen wird, sagte Neumeister. Nicht das Klinikmanagement, sondern die finanziellen Rahmenbedingungen seien dafür verantwortlich.

Dabei sei in den Häusern viel unternommen worden, um die Kosten zu drücken. Neue Geschäftsfelder wurden aufgetan und der kaufmännische Bereich wurde zusammengelegt, um zu sparen. Die Zahl der Patienten ist in den fünf Jahren seit 2008 um 16 Prozent auf 16 398 gewachsen. Medizinische Schwerpunkte wurden gebildet. Als Ergebnis kam heraus, dass sich die wirtschaftliche Situation in der Klinik Blaubeuren zwar verbessert hat, aber noch immer kein ausgeglichenes Ergebnis erzielt. "Wir leisten mehr, arbeiten effizienter und erreichen trotzdem ein immer schlechteres Gesamtergebnis. Das liegt also am System", stellte Neumeister hörbar sauer fest.

Die erfahrenen Klinikmanager aus dem Alb-Donau-Kreis, aus Heidenheim, Aalen und Ulm werfen der Politik vor, sie habe das Finanzierungssystem bewusst so angelegt, dass Kliniken schließen müssen. Damit ersparten sie sich unbequeme Diskussionen, welches Haus zusperren muss. Das habe mit Krankenhausplanung nicht viel zu tun. Die Qualität der Krankenversorgung werde darunter leiden, wenn der Klinikbetrieb weiter so unterfinanziert bleibt, sagte Neumeister voraus. Und es werde vor allem den ländlichen Raum treffen. Wenn immer weniger Ärzte bereit sind, sich dort niederzulassen, die kleinen Kliniken schließen müssen und irgendwann auch noch der Rettungshubschrauber eingespart werde, dann seien Menschen in diesen weniger dicht besiedelten Gebieten medizinisch schlechter versorgt.

Dem haben sie entgegenwirken wollen. Sie haben Gesundheitszentren ausgebaut, in denen niedergelassene Fachärzte mit den Kliniken zusammenarbeiten. Räume, Geräte und selbst Operationssäle werden gemeinsam genutzt. Klinikpatienten müssen zum niedergelassenen Radiologen. Im Gesundheitszentrum Ehingen haben sie die Patientenwege verkürzt. Die Kliniken kooperieren stark. Durch dieses Maßnahmebündel haben die drei Kreiskliniken bis 2008 keine Betriebskostenzuschüsse benötigt. "Aber jetzt geht es einfach nicht mehr", sagte Neumeister. Alle Maßnahmen, die sie ergriffen haben, hätten zwar noch stärkere Verluste verhindert. Aber die Rahmenbedingungen für Krankenhäuser seien inzwischen "aufs Erdrücken" angelegt.

"Wir sind jetzt am Ende der Löcherstopferei angekommen", ergänzte Axel Janischowski. Der Chef der Ostalbklinik in Aalen, der in Weißenhorn wohnt und für die CSU im Neu-Ulmer Kreistag sitzt, sagt, die vergangenen vier Jahre hätten die Kliniken und deren Mitarbeiter durch die Sparpolitik mürbe gemacht. "Deshalb müssen wir das jetzt in anderer Form diskutieren."

Was bleibt den Krankenhäusern, wenn sich die Situation nicht bessert? Personal abbauen und Tarifflucht. "Beides ist ganz schlecht. Aber das sind die Alternativen", sagte Neumeister.