Ulm DB weiß nichts von S-Bahn für die Region

Ulm / HANS-ULI THIERER 13.08.2012
Die Deutschen Bahn kennt das S-Bahn-Konzept für die Region Donau-Iller nicht. Das geht hervor aus einem Schriftverkehr zwischen der DB und der Spitze der SPD-Landtagsfraktion, der Martin Rivoir angehört.

"Sollte das regionale S-Bahnsystem, dessen Konzept uns im Einzelnen nicht bekannt ist, zu einem deutlichen Anstieg der Verkehrszahlen im Ulmer Hauptbahnhof führen, wäre zu untersuchen, welche eventuell erforderliche Infrastrukturanpassungen dadurch verursacht werden. Derzeit kann ich nicht beantworten, ob dazu ein weiterer Bahnsteig im Ulmer Hauptbahnhof erforderlich ist oder gegebenenfalls andere Maßnahmen wie Signalanpassungen."

Zwar im gespreizten Duktus des Ingenieurs, aber doch frank und frei bekennt Bahnsprecher Eckart Fricke, dass er und die Deutsche Bahn keine Ahnung vom S-Bahn-Konzept haben, das die Region seit Monaten wälzt. Diese Pläne haben im Planfeststellungsverfahren, das im Zuge des Projekts Neubaustrecke Wendlingen-Ulm für den Ulmer Hauptbahnhof derzeit läuft, zu politischen Auseinandersetzungen zwischen der Deutschen Bahn und den regionalen Verkehrsplanern und -politikern geführt. Dabei geht es um die Frage, ob im Hauptbahnhof ein fünfter Bahnsteig von vornherein zwingend einzuplanen ist oder nicht.

Nun ist Fricke kein Geringerer als der Konzernbevollmächtigte der Bahn für Baden-Württemberg. "Ich will es gar nicht glauben, dass ihm die Pläne eines S-Bahn-Konzepts für die Region Donau-Iller nicht bekannt sind", kommentiert der Ulmer SPD-Landtagsabgeordnete Martin Rivoir die Aussagen. Sie gehen aus einem Brief hervor, den Fricke an Rivoir als Vize der SPD-Landtagsfraktion und dessen Fraktionschef Claus Schmiedel geschrieben hat. Die beiden hatten sich wegen der Planfeststellung und des umstrittenen Ulmer Bahnsteigs 5 an Bahnchef Rüdiger Grube gewandt, der die Antwort nun an seinen Bevollmächtigten in Baden-Württemberg delegiert hat.

Immerhin: Fricke kann verstehen, dass der Wegfall eines geplanten Bahnsteigs "zunächst als Einschränkung gesehen wird". Jedoch gelte es, "mehr zu betrachten als lediglich die Anzahl der Bahnsteigkanten". Die Etablierung eines regionalen S-Bahn-Netzes sei nicht nur planerisch ein separates Projekt, sondern auch in Bezug auf die Finanzierung von Zusatzleistungen in der Infrastruktur. Sollte am Ende tatsächlich ein fünfter Bahnsteig notwendig werden, "wäre dessen Finanzierung zu klären". Freilich: "Derzeit liegt uns weder eine konkrete Bestellung für die S-Bahn vor, noch kennen wir Finanzierungsvorschläge."

Für die Bahn und ihre Fahrleistungen sei ein fünfter Bahnsteig in Ulm nicht notwendig, teilt Fricke weiter mit. Denn so genannte Fahrbarkeitsprüfungen hätten ergeben, dass durch Optimierungen der Spurpläne, Parallel-Fahrmöglichkeiten auf den Bahnstrecken von und zu den Bahnsteigen sowie leistungsfähigere Signalisierungen die Bahnsteig-Kapazitäten erhöht werden könnten.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel