Klezmer David Orlowsky Trio: Brückenbauer zwischen Kulturen

David Orlowsky begeisterte im Roxy.
David Orlowsky begeisterte im Roxy. © Foto: Matthias Kessler
Christa Kanand 01.07.2017

Sie lacht, weint, jauchzt, jubiliert, säuselt, quiekt, krächzt, gurgelt. Kaum beschreibbar, was David Orlowsky mit seiner Klarinette anstellt. Die Zuhörer im Roxy sind fasziniert, verblüfft. Sie feiern schon nach dem ersten Dreier-Set den Mittdreißiger mit  Florian Dohrmann (Kontrabass)  und Jens-Uwe Popp (Gitarre), die seit 19 Jahren als David Orlowsky Trio firmieren.

Passiert ja nicht alle Tage, dass mehrfache Echo-Preisträger mit Kult-Status, die auf internationalen Bühnen zwischen Carnegie Hall und Berliner Philharmonie zuhause sind, in Ulm gastieren. Sympathisch, ohne Star-Allüren und Show. Diesmal unter dem Motto ihrer neuen CD „Paris – Odessa“, ihren Lieblingsstädten. Zugleich musikalische Pole einer Reise, auf der das Trio in Titeln wie „Bucovina“ oder „Moldawanka“  Erlebnisse verarbeitet.

Auf verträumte Melancholie folgen übermütige Rhythmen, atemberaubende Virtuosität steigert sich zum groovenden, teils wettstreitenden  Rausch, plötzliche  Stimmungswechsel scheinen oft froh und traurig zugleich. Orlowsky, ein gebürtige Tübinger, lässt öfter eine kurze Geschichte oder Anekdote einfließen, etwa zur majestätischen Katze in Paris („ Le Chat Noir“) oder zum Taxi- Höllentrip in Bukarest.

Als 16-Jähriger war Orlowsky mit dem Star-Klarinettisten Giora Feidman, seinem legendären Förderer, aufgetreten. Lange galt er als dessen Klezmer-Erbe. Doch er entwickelte sich mit seinen beiden Mitstreitern weiter. Die studierten Profi-Musiker setzten neue Maßstäbe. Für ihren progressiv-komplexen Musikstil prägten die erklärten „Brückenbauer zwischen Kulturen“ den Begriff „Kammerweltmusik“.

Ihre farbenträchtigen Kompositionen verbinden Klezmer, Balkan-Folk, Walzer-Musette, Jazz und in „Jodaeiye“ (persisch: Trennung) mit abgrundtief gestrichenem Kontrabass auch orientalische Klänge. Nach der hitzigen „Juli“-Zugabe wird mit Applaus noch ihre „Donna Donna“-Bearbeitung erkämpft: in lärmüberfluteter Zeit Labsal für Ohren und Seele.