Wetter Das Ulmer Wetter kommt jetzt aus Mähringen

Wetterstation Kuhberg
Wetterstation Kuhberg © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / CHRISTOPH MAYER 06.08.2014
Die Wetterwarte des Deutschen Wetterdienstes am Kuhberg erfüllt die internationalen Richtlinien nicht mehr. Sie stellt zum 1. September den Dienst ein. Die neue Anlage steht auf Mähringer Gemarkung.

Streng genommen war das Ulmer Wetter in den vergangenen 50 Jahren stets das Ulmer Kuhbergwetter. Seit 1964 erhebt der Deutsche Wetterdienst (DWD) dort sämtliche meteorologischen Ulmer Daten. Die erste Wetterstation stand am Egginger Weg, 1991 zogen die Wetterdiensttechniker in einen gut 1,5 Millionen D-Mark teuren Neubau in unmittelbarer Nähe des Schulzentrums. Aus Gründen der immer weiter fortschreitenden Technik wie auch der Kostenersparnis wurde das im Schichtdienst arbeitende Personal 2003 vollständig abgezogen, seither laufen die Messungen vollautomatisch ab.

Eine aktuelle, knapp gehaltene Vorhersage des DWD läutet jetzt das Ende des Standorts und damit auch das der Wettermessungen am Kuhberg ein. „Die Wetterstation Ulm (10838) wird zum 1. September 2014 aufgelöst. Die letzte Synop-Meldung erfolgt am Mittwoch, 1. September um 6 Uhr Weltzeit, als Nachfolgestation wird die Wetterstation Ulm-Mähringen am 1. September in Betrieb genommen.“

Die Gründe dafür sind technischer Natur, sagt Thomas Schuhmacher, Leiter der regionalen DWD-Messgruppen in München und in dieser Eigenschaft für alle Messanlagen in Süddeutschland zuständig. „Die Wetterwarte am Kuhberg genügt nicht mehr den Richtlinien der Weltorganisation für Meteorologie.“ Das Messfeld sei insgesamt zu klein, vor allem hoch gewachsene Bäume in unmittelbarer Umgebung beeinträchtigten die Genauigkeit der Windmessungen. Schuhmacher verdeutlicht das an einem Beispiel. „Ein 10 Meter hohes Hindernis muss mindestens 100 Meter von der Messanlage entfernt sein, damit wir korrekte Daten bekommen.“

Die neue, ebenfalls vollautomatische Wetterwarte am Rand der Gemarkung Mähringen gegenüber dem Kiesental kostet Schuhmacher zufolge 250 000 Euro und liefert „das gesamte Messprogramm, das wir an allen unseren 180 hauptamtlichen Standorten in Deutschland haben“: Temperatur, Niederschlag, Niederschlagsart, Sonnenscheindauer, Windgeschwindigkeit, Sichtweiten, Bodentemperatur, Radioaktivität. . . Auch wenn das Mähringer Mikroklima nicht en detail mit dem am Kuhberg übereinstimme, seien die Messbedingungen doch „einigermaßen gleich“. Heißt: Gravierende Abweichungen bei den Ulmer Wetterdaten und -prognosen sind künftig nicht zu erwarten.

Bleibt die Frage: Was geschieht mit dem Gebäude am Kuhberg, das wie alle DWD-Stationen Bundeseigentum ist? Schuhmacher: „Es wird der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben übergeben, mit der Aufgabe, es gewinnbringend zu veräußern.“

Dass dort neu gebaut wird oder das Gebäude anderweitig genutzt wird, ist allerdings nicht zu erwarten, sagt Ulrich Soldner, Leiter der Abteilung Liegenschaften bei der Stadt Ulm. „Das Objekt liegt im Außenbereich und wurde seinerzeit ausschließlich für den Zweck der Wettermessungen genehmigt. Wenn dieser Zweck wegfällt, gibt es auch kein Baurecht mehr.“ Insofern sei es wahrscheinlich, dass die Stadt das Gelände zurückkaufe und der Wetterdienst sich zum Abriss des Hauses verpflichte. Des Gelände werde dann renaturiert.

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